20 Minuten 25. November 2004

Rote Köpfe beim Blauen Kreuz

Jahrelang hiess es: «Wer fährt, trinkt nicht». Nun gilt: «Ein Glas ist o.k.». Die neue Kampagne zum tieferen Grenzwert von 0,5 Promille im Strassenverkehr sorgt bei Fachleuten für rote Köpfe.

«Diese Kampagne des Bundes ist höchst problematisch und kann fatale Folgen haben», ärgert sich Ruedi Löffel von der Fachstelle für Suchtprävention vom Blauen Kreuz Bern. Die gesellschaftliche Norm müsse sein: «Wer fährt, trinkt nicht - wer trinkt, fährt nicht.»
Löffel: «Alkohol gehört nicht ans Steuer, denn schon nach einem Glas kann die Wahrnehmung beeinträchtigt werden.»

Auch Roland Wiederkehr von der Strassenopfer-Vereinigung RoadCross findet: «Die einzig richtige Faustregel wäre: Wer trinkt, fährt nicht.» Trotzdem hat Wiederkehr Verständnis für die Kampagne, denn sie wolle zeigen, dass mit der 0,5-Promille-Grenze ein Glas drinliege. RoadCross selber wird Ende Jahr mit einer Kampagne für alkoholfreien Champagner werben. Der Slogan lautet: «Ein Glas ist o.k., ein Glas alkoholfrei ist besser.»

Unterstützung findet die neue Kampagne «Ein Glas ist o.k.» bei der Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA). Es sei eine doppelte Botschaft: Einerseits wolle die Kampagne realitätsnah sein - die sichere Regel heisse aber: Wer fährt, trinkt nicht.

(csr/des)

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