| 20 Minuten 13. September 2007
Jugend im Vollrausch: Hilfe für verunsicherte Eltern
Damit Junge sich nicht mehr bis zur Besinnungslosigkeit volllaufen lassen,
soll Elternbildung nun helfen, die Kinder vom Alkohol fernzuhalten.
Die Teenager der Region Bödeli im Berner Oberland gerieten in letzter
Zeit vermehrt durch massive Trinkgelage in die Schlagzeilen (20 Minuten
berichtete). Bei den betroffenen Eltern werfen die Alkoholexzesse der
Kinder Fragen auf. «Besonders vor Anlässen wie der Konfirmation
oder der Jungbürgerfeier rufen ratsuchende Eltern an, weil sie wissen,
dass dort viel getrunken wird», sagt Andrea Schärmeli von der
Jugendarbeit Bödeli.
«Viele sind verunsichert, was die Risiken des Rauschtrinkens angeht.»
Ein Infoanlass macht heute Abend die Ängste der Bödeli-Eltern
zum Thema. Dazu werden in Unterseen Fachleute Fragen zu Rausch und Risiko
beantworten.
Ein grosses Lob erhält der Event von Grossrat
und Alkoholexperte Ruedi Löffel: «Elternarbeit ist sehr wichtig.
Viele Leute sind sich der Risiken des Trinkens gar nicht bewusst und verharmlosen
es.»
Weitere Anlässe zur Elternbildung sind geplant: Informiert wird über
Jugendverschuldung und Pubertät. www.jabinfo.ch
Nina Jecker
BZ 25. November 2006, Emmental
Rauschtrinker geben Rätsel auf
Ohne Alkohol läuft für viele Jugendliche nichts: sie
finden Partys ohne Alkohol öde, sich in der Gruppe zu besaufen jedoch
cool.
Experten warnen vor den Folgen. In Burgdorf haben sie Eltern und Interessierte
zum Gespräch eingeladen.
In diesem Punkt waren sich alle einig: «Nicht nur Jugendliche betrinken
sich regelmässig bis zum Vollrausch». Doch bei den Jugendlichen
seien die Folgen besonders gravierend. Es stelle sich die Frage, wieso
sie immer früher und immer exzensiver trinken würden. Antworten
darauf suchten Fachleute aus den Bereichen Prävention und Therapie
an einem Podiumsgespräch in der Aula
des Burgdorfer Gsteigschulhauses. Die Diskussion moderierte «Bund»-Redaktor
Walter Däpp.
Hirnschäden als Folge
Für Jugendliche sei dieses «Wetttrinken» besonders gefährlich,
sagte Martin Weber, Oberarzt in der Psychiatrie Münsingen: «Es
ist erwiesen, dass Rauschtrinken während der Pubertät dem Gehirn
und der Entwicklung schadet.» Auch würden viele Alkoholiker
aussagen, dass sie als Jugendliche begonnen hätten, sich an Festen
zu betrinken.
«Schauen es die Jugendlichen von den Erwachsenen ab?», wollte
Däpp wissen. Für Christa Wernli, Jugendarbeiterin der Kirchgemeinde
Burgdorf, ist der Fall zumindest in einer Hinsicht klar: «An der
Solätte gehört das Saufen für die Jungen und Alten einfach
dazu.» Das stimmt die Jugendarbeiterin nachdenklich. Nur: wie soll
man Jugendliche davon abhalten, unverhältnismässig Alkohol zu
konsumieren? Patentrezepte konnten weder die Fachleute noch anwesende
Eltern bieten.
«Problematisch wird es, wenn die Umwelt nicht mehr reagiert»,
sagte Beno Huber, Leiter der Regionalstelle der Berner Gesundheitsstelle
in Burgdorf. Es sei Aufgabe der Erwachsenen, Grenzen zu setzen und sie
durchzusetzen.
Selbst Pubfestival-Organisator Benedikt Bähler befürwortetet
stärkere Kontrollen. «Konzepte zum Jugendschutz sehen auf dem
Papier immer gut aus. Auf Grund dieser Unterlagen bewilligt der Regierungsstatthalter
die Anlässe. An den Festen selbst ist von den Behörden aber
oft niemand zu sehen. Das ist schade, Kontrollen vor Ort wären wichtig»,
sagt der Eventmanager.
Zehn Flaschen auf einmal
Auch xy trifft sich oft mit Kollegen, um Alkohol zu trinken. Der Lehrling
gab offen zu, regelmässig «bis zum Rausch» zu trinken.
Zweimal pro Monat kippt er an einem Abend zehn Flaschen Bier hinter die
Binde; seine Kumpels stehen ihm dabei in nichts nach. Der Teenager sieht
darin «nichts Aussergewöhnliches».
Leben in zwei Teilen
Die Statistiken geben ihm recht: 40 Prozent der 15- und 16-jährigen
männlichen Jugendlichen lassen sich laut Lukas Eichenberger regelmässig
volllaufen. Eichenberger ist Soziologe und Präsident des Kinder-
und Jugendwerks Blaues Kreuz. In der Wissenschaft spreche man von einer
zweiteiligen Lebensgestaltung: Unter der Woche verhalten sich die Jugendlichen
angepasst, am Wochenende würden sie dann «abhängen, sich
zudröhnen und unter Alkoholeinfluss auch zu Gewalttaten neigen».
Grenzen auszuloten sei bei 12- bis 18-Jährigen normal, der jetzt
auszumachende Trend gehe aber darüber hinaus und sei gefährlich.
EVP-Grossrat Ruedi Löffel kritisierte die Haltung vieler Politiker.
«Von einigen wenigen regelmässig trinkenden Jugendlichen zu
sprechen ist fahrlässig. Heute trinken viele Jugendliche zu viel;
da müssen griffige Gesetze her, die auch durchgesetzt werden.»
Ursula Grütter
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