Bund 21.8.07

Neue Hürde für Graffiti

Gegen den Neubau des Berner Jugendtreffs sind drei Einsprachen eingegangen
Betrunkene, Schmierereien und Lärm: Anwohner und dasbenachbarte Gewerbe befürchten eine Zunahme von Vandalenakten, wenn das Graffiti an die Scheibenstrasse 64 verschoben wird. (...)

Politikum Saufgelage
Die Problematik der Untervermietung des Graffitis ist diesen Donnerstag auch im Berner Stadtrat ein Thema. Eine Gratiszeitung hatte einen Artikel mit dem Hinweis auf eine Trinkparty im Graffiti mit dem Motto «bezahle weniger, trinke mehr» publiziert. Es handelte sich um einen Privatanlass, der irrtümlicher Weise in die Presse gelangt war. Die Verantwortlichen des Jugendamts und des TOJ sagten die Party schliesslich ab. Die städtische EVP forderte daraufhin in einer Interpellation Massnahmen zur Vermeidung von «Saufgelagen im Jugendtreff». Diesen Donnerstag diskutiert der Stadtrat nun die Antwort des Gemeinderats. Dieser erklärt, es seien verschiedene Massnahmen ergriffen worden. So wurden die Bestimmungen für die Vermietung des Jugendtreffs an Dritte überarbeitet, zudem ist Werbung für die Veranstaltungen nicht mehr erlaubt. Die Initiantin der Interpellation, Barbara Streit-Stettler (evp) ist zwar mit den ergriffenen Massnahmen zufrieden, wird aber im Stadtrat trotzdem eine Diskussion fordern. «Es wurde viel unternommen, dennoch müssen Grundsatzentscheidungen gefällt werden», sagt Streit-Stettler. Sie spricht sich für ein grundsätzliches Alkoholverbot im Jugendtreff aus, lässt aber offen, ob dieses auch für Vermietungen an Dritte gelten soll.

Neuregelung mit «Safer Clubbing»
«Ein Alkoholverbot ist aus unserer Sicht kein Ansatz», sagt Claudia Wechsler, TOJ-Geschäftsleiterin. Während den regulären Öffnungszeiten wird im Jugendtreff kein Alkohol ausgeschenkt.Massnahmen für den Jugendschutz wurden mit der Einführung des «Safer Clubbing»-Konzeptes umgesetzt: «Private Veranstalter müssen sich verpflichten, ein Sicherheitskonzept zu übernehmen», so Wechsler. «Sie müssen eine Begleitperson einstellen, die im Fall von Problemen eingreifen kann.» Seither werde der Jugendtreff seltener vermietet.

 

20 Minuten 15. Februar 07

Saufparty im Graffitti: Stadt wusste nichts

BERN - Bechern bis zum Umfallen: In einem Berner Jugendtreff steigt am Samstag eine Billigbierparty. Die Stadt hatte davon keine Ahnung, obwohl ihr das Lokal gehört.

Der Eintritt kostet nur fünf Franken, ein Bier gibts für zwei Stutz: An der Low-Price- Party am Samstag («pay less, drink more») im Graffitti können sich Jugendliche für wenig Geld volllaufen lassen. Für Ruedi Löffel vom Blauen Kreuz ist dies verantwortungslos: «Das riecht nach einer Alkoholorgie.» Je tiefer der Preis, desto mehr würden Jugendliche in sich hineinschütten. Löffel: «Dass ausgerechnet ein Jugendtreff für ein Trinkgelage missbraucht wird, ist bedauerlich.»
Dies findet auch Jürg Häberli, Leiter des städtischen Jugendamts: «Das ist unakzeptabel und eine Aufforderung zum Besäufnis.» Und obwohl das Graffitti der Stadt Bern gehört, wusste offenbar niemand von der Party. Häberli will nun mit allen Mitteln versuchen, die Fete zu verhindern: «In städtischen Bauten darf es keine solchen Anlässe geben.»
Vermieter des Lokals ist der Trägerverein für die offene Jugendarbeit der Stadt Bern. Dort übt man sich in Schadensbegrenzung: «Das ist eine Privatparty. Die Hauptverantwortung liegt beim Veranstalter», sagt Co-Geschäftsleiterin Claudia Wechsler. «Aber wir wollen einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol und keine Exzesse.»
Lorenz Hanselmann

 

20 Minuten 16. Februar 07

Für ein Alkoholverbot in den Jugendtreffs

BERN - Die Billigbierparty im Graffitti wirft nun auch politische Wellen: Gestern haben Barbara Streit-Stettler (EVP) und weitere Stadträte einen Vorstoss zum Thema eingereicht.

Der Gemeinderat solle Stellung dazu nehmen, wie er die Zukunft des Graffitti sieht. Unter anderem müsse er erklären, warum das Jugendamt der Stadt Bern von der Low-Price-Party nichts wusste. Sauforgien sollten nach Streit-Stettler im Graffitti grundsätzlich keine mehr stattfinden dürfen.
Die Stadträtin fordert ein generelles Alkoholverbot in Berner Jugendtreffs. Sie findet den Vorfall «sehr gravierend». Damit steht nicht nur die Alk-Party, sondern das ganze Graffitti vor einem unbestimmten Schicksal. In den letzten Monaten stand es bereits wegen Schlägereien, Sicherheitsmängeln und dem möglichen Umzug an die Scheibenstrasse unter Beschuss. (meo/hal)

20 Minuten 16. Februar 07

Sauf-Party im Graffitti: Die Stadt stellt Bedingungen

BERN - Noch ist unklar, ob die Billigbierparty im städtischen Jugendtreff Graffitti am Samstag stattfinden wird. Fest steht: Sauf-Feten wird es dort künftig keine mehr geben.

«Pay Less, Drink More»: Unter diesem Motto ruft ein privater Veranstalter zu einem Saufgelage im Graffitti auf (20 Minuten berichtete). Der Trägerverein der offenen Jugendarbeit (TOJ), der den Jugendtreff vermietet, will die Fete am Samstag nur unter strengen Auflagen steigen lassen. «Wenn der Veranstalter garantiert, diese einzuhalten, kann die Party stattfinden», sagt Claudia Wechsler, Co-Leiterin des TOJ. Es sei nicht möglich, die Feier einfach abzusagen. «Der Veranstalter hat die Vertragsbedingungen nicht verletzt», so Wechsler. Der endgültige Entscheid wird aber erst heute bekannt gegeben.
Auch die Stadt Bern, der das Graffitti gehört, stellt jetzt weitere Bedingungen: «Wir verlangen die ständige Anwesenheit des TOJ an der Party», so Jürg Häberli vom Berner Jugendamt. Der Verein müsse kontrollieren, ob die Jugendschutzbestimmungen eingehalten werden. Zudem sollen die Mietverträge angepasst werden, damit es in Zukunft keine solchen Billig-Alk-Partys mehr gibt. Lorenz Hanselmann

 

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