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Berner Zeitung und Bieler Tagblatt 19.07.10
Harassenrennen: Laufen und saufen?
Bei der Brauerei Egger in Worb findet Ende Monat ein Harassenlauf
statt. Das Ziel des Laufes: Die Zweierteams müssen auf 5,7 Kilometern
zehn Flaschen einheimisches Bier trinken. Sport und Alkohol – eine
gefährliche Mischung?
Sport treiben und dabei Bier trinken: Diese Kombination ist am
31. Juli in Worb möglich. Zum sechsten Mal steigt auf dem Gelände
der Brauerei Egger der Bierkastenlauf. 150 Zweierteams machen sich am
späteren Nachmittag auf den 5,7 Kilometer langen Sauflauf. Statt
isotonischer Getränke im Bidon gibts für jedes Zweierteam eine
Harasse Bier. In die Harasse passen zehn Flaschen Egger-Bier à
3,3 Deziliter.
Das Ziel des Lauf ist es, das Bier auf der Strecke zwischen Worb und Vechigen
auszutrinken. Die wenigsten sind dabei etwas schneller – der Streckenrekord
liegt bei 43 Minuten – die meisten etwas langsamer. (…)
Ruedi Löffel, Leiter der Fachstelle für
Suchtprävention, bezeichnet den Anlass als «bireweich».
Löffel will den Anlass trotzdem nicht verbieten lassen. «Es
ist sinnvoller, zusätzliche Auflagen zu machen, als Verbote auszusprechen»,
sagt er. Er fordert, dass auf der Rennstrecke nur alkoholfreies Bier konsumiert
werden darf. Gemäss Löffel würde dies dem Image der Organisatoren
sowie der involvierten Brauerei nützen. «Denn durch die Kombination
von Sport, Alkohol und Hitze werden die Teilnehmer einem unnötigen
gesundheitlichen Risiko ausgesetzt.»
«Heikles Terrain»
Auch der Schweizer Brauerei-Verband (SBV) nimmt gegenüber Harassenläufen
eine kritische Haltung ein. «Jeder Brauer ist stolz auf sein Bier,
und für ihn ist es ein Genussmittel, das in moderater Menge konsumiert
werden soll», sagt SBV-Direktor Marcel Kreber. «Wer einen
Harassenlauf unterstützt, betritt grundsätzlich ein präventionspolitisch
heikles Terrain.» Die Brauerei Egger ist Mitglied im SBV. Damit
hat sich die Firma mit dem Verhaltenskodex der Bierbrauer einverstanden
erklärt. Der Verhaltenskodex untersagt explizit, dass die Kommunikation
der Bierbrauer «einen übermässigen oder unvernünftigen
Konsum fördere, noch Abstinenz oder massvollen Alkoholkonsum herabsetzt».
(…) Christian Liechti
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