Der Bund, Kanton Bern, 25.11.2004

Politik fordert drogenfreie Schule

Ein definitiver Schulausschluss für kiffende Schüler ist für das Kantonsparlament aber keine Lösung.
Die SVP will härter gegen Drogen konsumierende Schüler vorgehen. Die Mehrheit des Grossen Rats setzt jedoch vor allem auf Prävention. (...)

«Schulen müssen drogenfreie Räume sein», sagte Ruedi Löffel (evp, Bern). Darin konnten ihm alle Grossrätinnen und Grossräte zustimmen. Nur bei der Frage, welcher Weg zu diesem Ziel führt, waren sich die Politiker nicht einig. (...)

 

Berner Rundschau / Grenchner Tagblatt; 25.11.2004, Kanton Bern

Schulverweis stoppt keinen Kiffer

Drogen an Schulen: Rat will systematischen Schulausschluss bei Drogenkonsum nicht.

Drogen gehören nicht an die Schule. Darin war sich der Grosse Rat einig. Dem vorgeschlagenen Weg der SVP mochte er aber nicht folgen. Schulausschluss nütze nicht und tangiere dazu die Grundrechte. Christoph Aebischer

Wer kifft, fliegt von der Schule. Zu dieser Haltung wollte gestern die SVP den Grossen Rat verpflichten. Wie einst Lehrer Lämpel, wollte sie ein Exempel. Doch Buschs «Max und Moritz» ist 150 Jahre alt. Das hielten die anderen Parteien sinngemäss der SVP vor. Corinne Schärer (GB/Bern) fand, «aus den Augen aus dem Sinn» sei hier ganz gewiss der falsche Weg. Das sahen auch SP, GFL und EVP so. Insbesondere Ruedi Löffel aus Münchenbuchsee, der selber in der Suchtprävention tätig ist, hielt den beiden Motionären Thomas Fuchs (SVP/Bern) und Carlo Kilchherr (SVP/Thun) vor, dass «Schulausschluss so ziemlich das falscheste ist, was man machen kann», um dieses Problem in den Griff zu kriegen.

Drogenfreie Schule muss Ziel sein
Dabei teilten alle Sprecher die Sicht der bürgerlichen Motionäre, dass regelmässiger Cannabis-Konsum ein Problem sei und allgemein zu viel Suchtmittel konsumiert würden. «Verladene» und bekiffte Schüler störten den Unterricht. In diesem Zustand sei an Lernen nicht zu denken. Folgen seien oft auch Schuleschwänzen bis hin zum Lehr- oder Schulabbruch. «Es muss zur Norm werden, dass in der Schule nicht <drögelet> wird», brachte es Löffel auf den Punkt. Tatsächlich kiffe heute jeder vierte Jugendliche und junger Erwachsene in der Schweiz. Dass eine Droge zum Normalfall wurde, obwohl sie verboten ist, stört den Regierungsrat. In seiner Antwort auf die beiden Motionen spannt er den Bogen weiter: «Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Konsum anderer Drogen, wie beispielsweise Alkohol, nicht rückläufig ist.» Wer Drogen konsumiere, habe meist auch anderweitig Probleme. Deshalb könne man Schüler nicht einfach auf die Strasse stellen. Denn dort stürze der betroffene Schüler oder die betroffene Schülerin erst recht ab, warnte Erwin Sommer (EVP), selber Lehrer in Melchnau. Dazu brauche es andere Mittel. «Ich kenne keine Schule, die das Problem von Drogenmissbrauch nicht angeht», sagte Therese Beeri (SP/Wichtrach). Mit ihr reichten sich eine Reihe von Lehrkräften das Mikrofon in die Hand, deren Grundtenor stets ähnlich ausfiel. Der Staat soll hier keine Richtlinien festlegen. Hingegen müsse man die Präventionsangebote stärken. Eine Lösung könne sowieso nur gemeinsam mit Eltern, Gemeinde und Schule gefunden werden. (...).

 

BZ + Bieler Tagblatt 25.11.04

Kiffende Schüler werden nicht unbefristet ausgeschlossen

Jugendliche, die auf dem Schulareal kiffen, sollen nicht auf Dauer vom Unterricht ausgeschlossen werden. Dies entschied gestern der Grosse Rat. Dem Hanfkonsum wird aber verstärkt der Kampf angesagt.
Mit dem Zufallsmehr von einer Stimme hat der Grosse Rat gestern eine Motion von Thomas Fuchs (SVP, Bern) auch in der unverbindlichen Postulatsform abgelehnt. Die Forderung nämlich, dass jeder Schüler und jede Schülerin, dem oder der der wiederholte Besitz oder Konsum von Hanf in der unmittelbaren Umgebung oder innerhalb der Schule nachgewiesen worden ist, zeitlich befristet oder bei Rückfälligkeit definitiv vom Schulunterricht ausgeschlossen werden kann.
«Ein Schulausschluss ist das Falscheste, das man machen kann, und ist ein absolut untaugliches Mittel», betonte EVP-Fraktionssprecher Ruedi Löffel (Münchenbuchsee). Solche Jugendlichen dürften nicht ausgeschlossen und ausgegrenzt, sondern müssten vielmehr begleitet und therapiert werden. Und zur Bemerkung von Fuchs, dass die Schweizer Jugendlichen weltweit am zweitmeisten kifften, sagte Löffel mit Blick auf den allgemeinen Alkoholkonsum: «Auch im Saufen sind die Schweizer fast Weltmeister.» (...)

 

sda / ebund / espace 24.11.04

Kiffer fliegen nicht von der Schule

Schüler, die berauschendes Hanfkraut konsumieren, dürfen nicht definitiv von der Schule ausgeschlossen werden. Der Bernische Grosse Rat hat am Mittwoch eine entsprechende Forderung äusserst knapp abgelehnt. Stattdessen soll aktive Prävention betrieben werden. (...)

Repression als Sackgasse
Es müsse in den Schulen Norm sein, dass weder gekifft, noch getrunken werde, sagte Ruedi Löffel (EVP/Münchenbuchsee). Doch ein definitiver Schulausschluss sei wirklich die absolut falsche Massnahme. Die Gefahr, dass die Betroffen bei einer solchen Disziplinierung «ganz abstürzen» sei zu gross.
In jeder Schule seien Drogen ein wichtiges Thema, sagte Therese Beeri-Walker (SP/Wichtrach). Rigorose Schulaus-schlüsse führten aber nirgendwo hin. Auch für die GFL sind Wegweisungen kein adäquates Therapiemittel. Repressive Massnahmen führten in ein Sackgasse, sagte Thomas Heuberger (Oberhofen). Zudem sei eine nicht limitierte Wegweisung mit Sicherheit mit dem Bundesrecht nicht zu vereinbaren. Das GBJA lehnte die «polemische» Motion ab, weil sie nach dem Motto «aus den Augen, aus dem Sinn» verfahre. Für die SVP war es falsch, das Disziplinieren der Öffentlichkeit, sprich den Schulen, zu überlassen. Peter Aeschlimann (Neuenegg) forderte, dass auch Eltern Verantwortung übernehmen müssen. Eine Mehrheit der SVP unterstützte die Motionen. Etwas mehr Repression in den Schulen wäre mitunter durchaus ange-zeigt, meinte Adrian Kneubühler (FDP/Nidau), dennoch lehne die FDP die Forderung nach definitiven Schulausschluss ab. (...).

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