20 Minuten 14.9.05
Kanton soll die Gelder suchen
BERN - Hunderte Millionen Franken schlummern auf vergessenen Konten
bei den Pensionskassenn: Davon ist der Berner EVP-Grossrat Ruedi Löffel
überzeugt. Er hat deshalb verlangt, dass der Kanton aktiv nach den
Guthaben sucht. Dieser Vorstoss wurde gestern angenommen. Der Rat stellte
aber gleichzeitig fest, dass bereits alles Mögliche unternommen werde,
um die Gelder aufzuspüren. Weitere Schritte seien Sache des Bundes.
sda 13.9.05 / Bund + Berner Rundschau 14.9.05
Vergessene Pensionskassenguthaben - kein aktiveres Vorgehen
Der Kanton Bern will sich nicht aktiver als bisher um das Aufspüren
vergessener Pensionskassen- und Freizügigkeitsguthaben kümmern.
Der Grosse Rat hat am Dienstag einen Vorstoss für die Förderung
geeigneter Massnahmen zum Aufspüren vergessener Gelder zwar angenommen,
jedoch gleichzeitig als bereits erfüllt abgeschrieben.
Motionär Ruedi Löffel (EVP/Münchenbuchsee) hatte geltend
gemacht, dass bei den Pensionskassen hunderete Millionen vergessener,
nie geltend gemachter Guthaben lägen. Gerade bei Bezügern von
Fürsorge- und Ergänzungsleistungen wären wohl solche Guthaben
aufzuspüren, was den Kanton finanziell entlasten könnte. Das
sei eine Chance, die der Kanton ergreifen müsse.
Der Kanton habe seinen bescheidenen Handlungsspielraum in dieser Hinsicht
ausgeschöpft, weitere Schritte seien Sache des Bundes, argumentierte
die Regierung. Sie empfahl die Motion
deshalb zur Ablehnung.
Damit stiess die Regierung jedoch im Rat nicht überall auf Zustimmung.
Vor allem aus dem linksgrünen Lager wurde Löffels Vorstoss Sympathie
zuteil. Die SP verlangte, die Motion zu überweisen, jedoch gleichzeitig
abzuschreiben, da der Kanton tatsächlich soweit möglich aktiv
sei.
Die Ratsmehrheit überwies schliesslich die Motion bei gleichzeitiger
Abschreibung mit 94 zu 60 Stimmen bei einer Enthaltung.
SonntagsZeitung 27.3.05
BVG: Die vergessenen Milliarden
Zwei Millionen Pensionskassen-Konten warten auf
die Nutzung durch ihre Besitzer
BERN / FRUTIGEN Bei der Zentralstelle zweite Säule
in Bern liegen rund zwei Millionen BVG-Konten brach. Rund drei bis vier
Milliarden Franken vergessene Pensionskassengelder warten auf ihre Eigentümer.
(...)
Mitlanciert hat die Diskussion über nachrichtenlose Vorsorgekonten
der AHV-Zweigstellenleiter Markus Kaltenrieder aus Frutigen BE. (...)
Bei seinen Nachforschungen staunt er immer wieder, wie hohe Summen selbst
bei Sozialhilfeempfängern brach liegen - nur wissen diese nichts
von ihrem Glück. (...)
Nicht angemeldete BVG-Ansprüche verfallen
nicht
Für den Berner EVP-Nationalrat Walter Donzé sind die von Kaltenrieder
gefundenen Gelder wohl "erst die Spitze des Eisberges". Laut
Donzé besteht dringender Handlungsbedarf. Die Berechtigten müssten
das erhalten, was ihnen von Gesetzes wegen zustehe. Das Problem besteht
darin, dass das Pensionsguthaben bei einem Stellenwechsel nicht automatisch
an die Kasse des neuen Arbeitgebers überwiesen wird. Der Arbeitnehmer
muss sich darum kümmern, was bei häufigen Stellenwechseln, Arbeitslosigkeit
oder bei einem längeren Auslandaufenthalt oft unterbleibt.
Deshalb sieht das Gesetz Sicherungsmassnahmen vor, die verhindern sollen,
dass BVG-Gelder verloren gehen. Nach spätestens zwei Jahren muss
die alte Kasse ein BVG-Guthaben auf die Auffangeinrichtung der zweiten
Säule übertragen - wo sie dann vergessen gehen. Nach Schätzungen
von Insidern lagern bei der Auffangeinrichtung zwischen drei und vier
Milliarden Franken vergessene Guthaben. Jedes Jahr kommen mehrere Hundert
Millionen dazu. Laut Daniel Dürr, Leiter der Zentralstelle zweite
Säule, existieren "rund zwei Millionen Dateneinträge über
nachrichtenlose Vorsorgekonten". (...)
Der Berner EVP-Politiker Ruedi Löffel will jetzt die Aufklärung
über vergessenen BVG-Guthaben forcieren. In einer vor kurzem
eingereichten Motion im Grossen Rat verlangt er vom Regierungsrat des
Kantons Bern, dass dieser sowohl die anspruchsberechtigten Personen als
auch die Mitarbeiter der Sozialbehörden für die Problematik
sensibilisieren soll. Bevor Sozialhilfeunterstützungen gewährt
werden, so Löffel, sollen die BVG-Ansprüche genau eruiert werden.
Walter Hauser
20 Minuten 23.2.05
Vergessene PK-Vermögen
Ein riesiger Schatz liegt bei den Pensionskassen brach. Jetzt
soll sich der Kanton Bern um das vergessene Geld kümmern.
«Ich habe Bauklötze gestaunt, als ich rausfand, was da schief
läuft», sagt Grossrat Ruedi Löffel. Was viele Leute nicht
wissen: Ihr Pensionsguthaben wird nicht automatisch zur Kasse des neuen
Arbeitgebers überwiesen, wenn sie die Stelle wechseln. Aber wer denkt
nach längerer Arbeitslosigkeit oder einer Weltreise schon daran,
sich bei der Pensionskasse zu melden? «So haben Arbeitnehmer hunderte
Millionen einbezahlt und vergessen», erklärt Löffel. Selbst
Fürsorge- und Ergänzungsleistungsbezüger seien manchmal
reich, nur wüssten sie es nicht. Mit einem Vorstoss fordert Löffel
jetzt Massnahmen von der Regierung: Der Kanton könnte dadurch Unterstützungsbeiträge
sparen.
Markus Kaltenrieder von der Gemeinde Frutigen hat bewiesen, dass es sich
lohnt: «Ich bin auf eine Goldader gestossen.» Er hat nach
vergessenen Guthaben der knapp 7000 Einwohner gesucht und eine halbe Million
Franken gefunden. Es kullern jedesmal Freudentränen, wenn er vermeintlich
armen Leuten mitteilen kann, dass ihnen ein Vermögen zusteht. Noch
etwas gibt Kaltenrieder zu bedenken: «Es würde einen Wirtschaftsboom
auslösen, wenn das blockierte Geld wieder in Umlauf käme.»
Patrick Marbach
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