SRF "10vor10" 02.01.14

Vergessene Pensionskassen-Milliarden warten auf Besitzer

Über eine Million Menschen in der Schweiz haben Vermögen, ohne es zu wissen – und zwar in der zweiten Säule. Die neusten Zahlen, die «10vor10» vorliegen, zeigen: In der Auffangeinrichtung der Pensionskassen liegen vergessene Altersguthaben von 6,3 Milliarden Franken.
855‘000 kontaktlose Konten werden in der Auffangeinrichtung der beruflichen Vorsorge verwaltet. «Im Schnitt liegen auf jedem 7500 Franken. Es gibt aber einzelne Konten im Wert von über einer Million», sagt Max Meili, der Leiter der Einrichtung gegenüber «10vor10». Zu knapp 70 Prozent der Kontobesitzer habe man jeglichen Kontakt verloren, weil keine gültige Adresse vorliege.
Dass herrenlose Pensionskassen-Guthaben in solcher Höhe herumliegen, erstaunt Markus Kaltenrieder nicht. Der Pensionsberater sucht für seine Kunden routinemässig nach vergessenen Vermögen in der zweiten Säule. Bei jedem Dritten finde sich ein Betrag, sagt er. Das Muster, wie angespartes Guthaben vergessen werde, sei immer dasselbe. «Es passiert mit Lebenseinschnitten wie Stellenwechsel, Scheidung, Auslandaufenthalt oder Babypause», erklärt er.
Wird ein Arbeitsverhältnis aufgelöst, müsste der Arbeitnehmer sein Pensionskassen-Guthaben mitnehmen und in die Pensionskasse des neuen Arbeitgebers oder auf ein Freizügigkeitskonto einbezahlen. Tut er das nicht, muss die Pensionskasse das vergessene Kapital innert zweier Jahre an die Auffangeinrichtung überweisen. Dort versuche man zwar, die Besitzer zu kontaktieren, sagt Max Meili. Das gestalte sich aber schwierig.

Über eine Million Betroffene
«Wenn die Leute zwei-, dreimal umgezogen sind, erhalten wir von den Gemeinden kaum noch Auskunft über die aktuelle Adresse.» Gut die Hälfte des Geldes stamme zudem von Saisonniers, welche die Schweiz bereits wieder verlassen haben. Verloren sind die vergessenen Guthaben aber nicht: In der Auffangeinrichtung warten sie, bis der jeweilige Besitzer das 75. Lebensjahr erreicht hat. Dann werden sie an den Sicherungsfonds der Zweiten Säule überwiesen.
Die eigens eingerichtete Zentralstelle Zweite Säule hilft bei der Suche nach kontaktlosen Vermögen. Die Recherche könnte sich lohnen: Da auch bei Versicherungen und Banken vergessene Pensionskassen-Guthaben schlummern, dürften insgesamt über eine Million Menschen ohne ihres Wissens Konto-Besitzer sein, schätzt Meili.
Link

 

20 Minuten 14.9.05

Kanton soll die Gelder suchen

BERN - Hunderte Millionen Franken schlummern auf vergessenen Konten bei den Pensionskassenn: Davon ist der Berner EVP-Grossrat Ruedi Löffel überzeugt. Er hat deshalb verlangt, dass der Kanton aktiv nach den Guthaben sucht. Dieser Vorstoss wurde gestern angenommen. Der Rat stellte aber gleichzeitig fest, dass bereits alles Mögliche unternommen werde, um die Gelder aufzuspüren. Weitere Schritte seien Sache des Bundes.

 

sda 13.9.05 / Bund + Berner Rundschau 14.9.05

Vergessene Pensionskassenguthaben - kein aktiveres Vorgehen

Der Kanton Bern will sich nicht aktiver als bisher um das Aufspüren vergessener Pensionskassen- und Freizügigkeitsguthaben kümmern.
Der Grosse Rat hat am Dienstag einen Vorstoss für die Förderung geeigneter Massnahmen zum Aufspüren vergessener Gelder zwar angenommen, jedoch gleichzeitig als bereits erfüllt abgeschrieben.
Motionär Ruedi Löffel (EVP/Münchenbuchsee) hatte geltend gemacht, dass bei den Pensionskassen hunderete Millionen vergessener, nie geltend gemachter Guthaben lägen. Gerade bei Bezügern von Fürsorge- und Ergänzungsleistungen wären wohl solche Guthaben aufzuspüren, was den Kanton finanziell entlasten könnte. Das sei eine Chance, die der Kanton ergreifen müsse.
Der Kanton habe seinen bescheidenen Handlungsspielraum in dieser Hinsicht ausgeschöpft, weitere Schritte seien Sache des Bundes, argumentierte die Regierung. Sie empfahl die Motion deshalb zur Ablehnung.
Damit stiess die Regierung jedoch im Rat nicht überall auf Zustimmung. Vor allem aus dem linksgrünen Lager wurde Löffels Vorstoss Sympathie zuteil. Die SP verlangte, die Motion zu überweisen, jedoch gleichzeitig abzuschreiben, da der Kanton tatsächlich soweit möglich aktiv sei.
Die Ratsmehrheit überwies schliesslich die Motion bei gleichzeitiger Abschreibung mit 94 zu 60 Stimmen bei einer Enthaltung.

 

SonntagsZeitung 27.3.05

BVG: Die vergessenen Milliarden

Zwei Millionen Pensionskassen-Konten warten auf die Nutzung durch ihre Besitzer
BERN / FRUTIGEN Bei der Zentralstelle zweite Säule in Bern liegen rund zwei Millionen BVG-Konten brach. Rund drei bis vier Milliarden Franken vergessene Pensionskassengelder warten auf ihre Eigentümer. (...)
Mitlanciert hat die Diskussion über nachrichtenlose Vorsorgekonten der AHV-Zweigstellenleiter Markus Kaltenrieder aus Frutigen BE. (...) Bei seinen Nachforschungen staunt er immer wieder, wie hohe Summen selbst bei Sozialhilfeempfängern brach liegen - nur wissen diese nichts von ihrem Glück. (...)

Nicht angemeldete BVG-Ansprüche verfallen nicht
Für den Berner EVP-Nationalrat Walter Donzé sind die von Kaltenrieder gefundenen Gelder wohl "erst die Spitze des Eisberges". Laut Donzé besteht dringender Handlungsbedarf. Die Berechtigten müssten das erhalten, was ihnen von Gesetzes wegen zustehe. Das Problem besteht darin, dass das Pensionsguthaben bei einem Stellenwechsel nicht automatisch an die Kasse des neuen Arbeitgebers überwiesen wird. Der Arbeitnehmer muss sich darum kümmern, was bei häufigen Stellenwechseln, Arbeitslosigkeit oder bei einem längeren Auslandaufenthalt oft unterbleibt.
Deshalb sieht das Gesetz Sicherungsmassnahmen vor, die verhindern sollen, dass BVG-Gelder verloren gehen. Nach spätestens zwei Jahren muss die alte Kasse ein BVG-Guthaben auf die Auffangeinrichtung der zweiten Säule übertragen - wo sie dann vergessen gehen. Nach Schätzungen von Insidern lagern bei der Auffangeinrichtung zwischen drei und vier Milliarden Franken vergessene Guthaben. Jedes Jahr kommen mehrere Hundert Millionen dazu. Laut Daniel Dürr, Leiter der Zentralstelle zweite Säule, existieren "rund zwei Millionen Dateneinträge über nachrichtenlose Vorsorgekonten". (...)
Der Berner EVP-Politiker Ruedi Löffel will jetzt die Aufklärung über vergessenen BVG-Guthaben forcieren. In einer vor kurzem eingereichten Motion im Grossen Rat verlangt er vom Regierungsrat des Kantons Bern, dass dieser sowohl die anspruchsberechtigten Personen als auch die Mitarbeiter der Sozialbehörden für die Problematik sensibilisieren soll. Bevor Sozialhilfeunterstützungen gewährt werden, so Löffel, sollen die BVG-Ansprüche genau eruiert werden.
Walter Hauser

 

20 Minuten 23.2.05

Vergessene PK-Vermögen

Ein riesiger Schatz liegt bei den Pensionskassen brach. Jetzt soll sich der Kanton Bern um das vergessene Geld kümmern.
«Ich habe Bauklötze gestaunt, als ich rausfand, was da schief läuft», sagt Grossrat Ruedi Löffel. Was viele Leute nicht wissen: Ihr Pensionsguthaben wird nicht automatisch zur Kasse des neuen Arbeitgebers überwiesen, wenn sie die Stelle wechseln. Aber wer denkt nach längerer Arbeitslosigkeit oder einer Weltreise schon daran, sich bei der Pensionskasse zu melden? «So haben Arbeitnehmer hunderte Millionen einbezahlt und vergessen», erklärt Löffel. Selbst Fürsorge- und Ergänzungsleistungsbezüger seien manchmal reich, nur wüssten sie es nicht. Mit einem Vorstoss fordert Löffel jetzt Massnahmen von der Regierung: Der Kanton könnte dadurch Unterstützungsbeiträge sparen.

Markus Kaltenrieder von der Gemeinde Frutigen hat bewiesen, dass es sich lohnt: «Ich bin auf eine Goldader gestossen.» Er hat nach vergessenen Guthaben der knapp 7000 Einwohner gesucht und eine halbe Million Franken gefunden. Es kullern jedesmal Freudentränen, wenn er vermeintlich armen Leuten mitteilen kann, dass ihnen ein Vermögen zusteht. Noch etwas gibt Kaltenrieder zu bedenken: «Es würde einen Wirtschaftsboom auslösen, wenn das blockierte Geld wieder in Umlauf käme.»
Patrick Marbach

zurück