NZZ am Sonntag 27.5.07
Wählen ab 16? - Besser wäre ein Stimmrecht ab Geburt
Mangelnde Staatskunde lässt sich mit Stimmrecht 16 nicht beheben.
Stimmrecht 0 würde dagegen die zukunftsgerichteten Kräfte stärken,
schreibt Beat Kappeler
Stimmrechtsalter 20, dann 18 und jetzt bald 16 Jahre? Der staatsbürgerliche
Fortschritt scheint im Rückwärtsgang auf der Zweierreihe zu
liegen. Doch da liegt er nicht. Vielmehr sollte
das Stimmrecht künftig ab Geburt gelten - ein Mensch, eine Stimme.
Aber die Eltern sollten dieses Stimmrecht bis zur Volljährigkeit
der Kinder ausüben.
(...) In wenigen Jahren, offenbar ab 2011, werden in der Schweiz die über
55-jährigen Bürgerinnen und Bürger die Mehrheit an den
Urnen haben. Zu befürchten ist eine Generationen-Diktatur der Alten
über die Jungen zur maximalen Ausschöpfung aller sozialstaatlichen
Töpfe. Vor zwanzig Jahren wurde als Mittel dagegen noch die Einschränkung
des Stimmrechts der Älteren vorgeschlagen - und zu Recht überall
zurückgewiesen.
Das Stimmrecht der Eltern für alle ihre Kinder verleiht hingegen
jenen Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern wieder vermehrt politisches
Gewicht, welche für die Zukunft der Bevölkerung schon etwas
vollbracht haben und als Entgelt dafür auch auf Jahre hinaus mitbestimmen
können sollen. Ein durchaus klarer Zweck also. (...)
Das Stimmrecht der Eltern für die unmündigen Kinder wäre
grundrechtlich (...) klar - ein Mensch, eine Stimme. Die Ausübung
würde der Diskussion im Paar überlassen, in getrennten Paaren
dem Inhaber der elterlichen Gewalt oder nach freier Übereinkunft.
Eine Mitteilung an das Stimmregister-Büro würde reichen. Das
passive Wahlrecht, also die Wählbarkeit, wäre natürlich
weiterhin an die Volljährigkeit gebunden.
Die Aussicht, so viele neue Stimmzettel verschenken zu können, müsste
Zu- und Umverteilungspolitiker vor Wonne rasen lassen. Sie posieren ja
stets auch als engagierte Familien- und Kinderförderer. Hier wäre
Gelegenheit dazu. Erstaunlicherweise aber findet der Vorschlag des Stimmrechts
ab Geburt kaum Eingang in die Diskussionen. Er ist eben grundsätzlich
und keine blosse Spielerei. (...).
Berner Zeitung 8.5.07 Leserbriefe
Familien-Politik
Ausgabe vom 4. Mai «Berner Regierung. Ja zum Stimmrechtsalter
16»
Die Berner Regierung will das Stimm- und Wahlrecht für 16-Jährige
einführen. Noch besser wäre allerdings das Familienstimmrecht,
wie es die EVP vorschlägt.
Bei allen Abstimmungen geht es doch um Zukünftiges – Grund
genug, den Familien und somit den Kindern mehr Stimmkraft zu geben. Die
Eltern füllen für die Kinder treuhänderisch die Stimm-
und Wahlzettel aus und übergeben den Kindern nach und nach mehr Verantwortung.
Was in anderen Lebensbereichen selbstverständlich ist, soll endlich
auch bei Wahlen und Abstimmungen gelten. Das wäre echte Familienpolitik.
Dieter Blatt Münsingen
20 Minuten 7.7.05
Stimmrecht für Kinder kritisiert
Weil er die Familien im Kanton Bern fördern will, lanciert
Grossrat Ruedi Löffel (EVP) eine Motion, die das Stimmrecht ab Geburt
verlangt.
Solange die Kinder zu klein sind, könnten ihre Eltern für sie
an die Urne gehen (20 Minuten berichtete).
Aber die Idee kommt schlecht an: «Dass Familien gegründet werden,
weil ihre Stimmkraft erhöht wird, kann ich mir nicht vorstellen»,
sagt SP-Präsidentin Irène Marti Anliker. Auch Johannes Matyassy
(FDP) ist skeptisch: «Man könnte genauso fordern, dass nur
noch gute Steuerzahler abstimmen dürfen.»
Online-Umfrage von 20min.ch
/ Resultat am 7.7.05:
Familienstimmrecht: Ja oder Nein? (444 votes)
Grossrat Ruedi Löffel (EVP) fordert das Familienstimmrecht.
Was sagen Sie dazu: Ja oder Nein?
40 % Ja : 60 % Nein.
20 Minuten 6.7.05
Stimmrecht für Familien: Kinder sollen an die Urne
Ein Mensch, eine Stimme: Dieser Grundsatz soll im Kanton Bern
von Geburt an gelten. Grossrat Ruedi Löffel (EVP) fordert das Familienstimmrecht.
Schon vom ersten Schrei an sollen die Stimmen der Kinder etwas zählen.
«Schliesslich müssen die kommenden Generationen auslöffeln,
was wir ihnen einbrocken», sagt Ruedi Löffel. Der Hauptgrund
für seine Motion sei aber, dass die Stellung der Familie in der zunehmend
überalterten Gesellschaft gestärkt werden müsse. «Nachwuchs
zu bekommen ist heutzutage ein Armutsrisiko», so Löffel weiter.
Im Gegensatz zu anderen Förderungsmassnahmen würde das Familienstimmrecht
den Kanton nicht viel kosten.
Und so soll es funktionieren: An Stelle der Minderjährigen stimmen
und wählen ihre Eltern. Die Meinung der Kinder wird altersgemäss
mit einbezogen. Bei Uneinigkeit vertritt die Mutter ihre Töchter
und der Vater seine Söhne. Die Jugendlichen können einen schriftlichen
Antrag stellen, damit sie ihr aktives Wahl- und Stimmrecht selbständig
ausüben dürfen.
Der vierfache Vater Ruedi Löffel kann sich gut vorstellen, dass seine
dreizehnjährige Tochter bald selber an die Urne geht: «Der
Politik tut es gut, wenn am Familientisch diskutiert wird und die Kinder
Ideen aus ihrem eigenen Blickwinkel einbringen können.» Patrick
Marbach
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