Hier finden Sie meinen Vorstoss zu Palliative Care, der vom Bernischen Grossen Rat am 8.6.06 gutgeheissen wurde.
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Bund 06.10.14

Bern macht vorwärts in der Palliativmedizin

In der Schweiz steckt die ?Palliativ-Forschung noch in den Kinderschuhen. Nun erhält die Uni Bern eine neue gesponserte Professur. Michael Scheurer
Menschen mit unheilbaren oder chronisch fortschreitenden Krankheiten erleiden die schweren Seiten des Lebens. Bei solchen Schicksalen leistet die Palliativmedizin letzte Hilfe. Speziell ausgebildete Fachkräfte kümmern sich um ein menschenwürdiges Dasein am Lebensende der Patientinnen und Patienten. Doch die Schweiz hat in der Ausbildung der Spezialisten grosse Lücken. Bund und Kantone haben dies vor Jahren bereits erkannt und 2008 die «Nationale Strategie Palliative Care» verabschiedet, um die palliative Medizin in der Schweiz besser und gezielt zu fördern. Auch in der Forschung sollte vorwärtsgemacht werden.
Aber erst sechs Jahre später wird die Strategie umgesetzt. Zur Umsetzung beauftragt wurde die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW). Zusammen mit dem Krankenversicherer Helsana sponsert sie nun eine Professur in Bern. Um alle Unis mit einer medizinischen Fakultät zu berücksichtigen, hat die Medizinische Gesellschaft einen nationalen Wettbewerb ausgeschrieben. Die Uni Bern hat sich gegen eine zweite Bewerberin durchgesetzt. Um welche Universität es sich handelt, will die SAMW nicht mitteilen. «Das bestehende palliative Zentrum des Inselspitals sowie die Bereitschaft der Universitätsleitung zu einem längerfristigen Engagement waren für die Entscheidung ausschlaggebend», sagt der Generalsekretär der SAMW, Hermann Amstad. Ein persönliches Schreiben von Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud habe den Entscheid zusätzlich bekräftigt.
Drei Millionen Franken werden als Anschubfinanzierung für die nächsten vier Jahre gesprochen. Nach dieser Zeit soll die Medizinische Fakultät finanziell einspringen. 2,5 der 3 Millionen Franken kommen von der Helsana.

Kein Interessenkonflikt
Das Sponsoring der Helsana gibt nur wenig Anlass zu Kritik. Luisa Jakob, Vorstandsmitglied der StudentInnenschaft der Universität Bern (SUB), fordert, dass alle Verträge, die jetzt ausgearbeitet werden, und mögliche Interessenbindungen zwischen Helsana und der Universität offengelegt werden sollen. Ähnlich tönt es beim Dekan der Medizinischen Fakultät, Peter Eggli: «Ich sehe absolut keinen Interessenkonflikt.» Die Forschung im Bereich Palliativmedizin bringe keine unmittelbaren kommerziellen Vorteile für die Helsana. «Ein PR-Mittel ist es hingegen schon», sagt Eggli.
Die Zusammenarbeit zwischen dem Versicherer und der SAMW dürfte durch Thomas Szucs zustande gekommen sein, der sowohl im Senat der SAMW sitzt und gleichzeitig als Verwaltungsratspräsident von Helsana amtet.

England und Holland als Vorreiter
Trotz Vorbehalten der SUB gegenüber dem Geldgeber ist sich Eggli sicher, dass mit der Professur das bestehende Zentrum am Inselspital eine wichtige Rolle in der nationalen Forschung zu palliativer Medizin einnehmen kann. Laut Eggli, steckt die Palliativ-Medizin in der Schweiz noch in den Kinderschuhen. «Viele Fachkräfte müssen bis heute in Holland und England ausgebildet werden – Länder mit langer Tradition in der Palliativmedizin.» Dies sei mit hohen Kosten verbunden, sagt Eggli.

 

Tagesanzeiger 04.10.12

Nach der Freitodbegleitung in die Therapie

Jeder Vierte, der dem assistierten Suizid einer nahestehenden Person beiwohnt, leidet auch nach über einem Jahr an einer psychischen Erkrankung, die eine ärztliche Behandlung erfordert.
Erstmals zeigt eine Schweizer Studie, wie sehr Suizidhilfe Angehörige belasten kann, wenn sie Sterbewillige auf ihrem letzten Weg begleiten. Forscher der Universität Zürich kommen zum Schluss, dass das Ausmass höher ist als erwartet: «Bei der Sterbehilfe müssen sich alle Beteiligten darüber im Klaren sein, worauf sie sich einlassen», sagt Studienleiterin Birgit Wagner, die heute an der Universität Leipzig tätig ist.
Die Forscher befragten 85 Familienmitglieder oder enge Freunde von Sterbewilligen, die vor 14 bis 24 Monaten einem assistierten Suizid durch die Organisation Exit beigewohnt haben. Das Resultat der nun im Fachblatt «European Psychiatry» abgedruckten Studie: 20% hatten eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), von denen bei zwei Dritteln die Symptome voll ausgeprägt waren. 16% hatten eine Depression und 5% litten immer noch unter starker Trauer wie in den ersten Monaten (eine sogenannte komplexe Trauerreaktion).
«Das sind massive psychische Folgen», sagt Birgit Wagner. Es sei klar, dass nach dem Tod einer nahestehenden Person eine Krise folge, die bei manchen zu einer ernsthaften psychischen Erkrankung führen könne. «Gemäss unserer Studie treten nach einer Freitodbegleitung aber psychische Störungen deutlich häufiger auf», sagt Wagner. (...) Eine PTBS beginnt typischerweise einige Wochen bis Monate nach traumatischen Ereignissen wie miterlebten Todesfällen, Unfällen oder Gewalttaten. Betroffene leiden unter wiederkehrenden belastenden Erinnerungen, Albträumen, Schlafproblemen, Reizbarkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten. Zudem vermeiden sie häufig Gespräche, Orte, Menschen oder Tätigkeiten, die mit dem Ereignis in Verbindung stehen. (...)

 

Bund 23.10.09

«Unheilbar krank - und jetzt?»

Menschen sollen in der letzten Lebensphase besser leben, weniger leiden und gut umsorgt am Ort ihrer Wahl bleiben können. Das ist das Ziel der Sterbebegleitungs-Strategie von Bund und Kantonen.
Gesundheitsminister Pascal Couchepin und der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), Pierre-Yves Maillard, haben in Bern ihr Konzept «Palliative Care» vorgestellt, das in den nächsten drei Jahren umgesetzt werden soll.
Es geht von der Feststellung aus, dass die Menschen älter, ihre Krankheitsverläufe länger und komplexer werden und der Pflegebedarf deshalb ansteigt. Heute erleiden in der Schweiz nur noch 10% der Menschen einen plötzlichen Tod. 90% sterben nach einer mehr oder weniger langen Krankheit.

«Zivilisatorische Aufgabe»
Die Wahrscheinlichkeit sei damit gross, dass wir alle früher oder später vor der Frage stünden: «Unheilbar krank - und jetzt?», sagte Couchepin. Das Personal sei zu knapp, dem zunehmenden Pflegebedarf zu begegnen. Zudem fehle eine flächendeckende Versorgung mit Angeboten der lindernden Medizin, welche die kurative Medizin ergänzt. Stark sind bislang laut Couchepin erst die Angebote in den Kantonen St. Gallen, Waadt und Wallis.
Der Gesundheitsminister bezeichnete es als «zivilisatorische Aufgabe», für die kranken Menschen gute Palliativ-Angebote bereitzustellen. Das Programm «Palliative Care» soll dazu beitragen. Es soll Menschen befähigen, die letzte Lebensphase besser zu gestalten. Gemeinsam mit Fachpersonen und Freiwilligen sollen Schmerzen gelindert, der letzte Lebensort ausgewählt und die Angehörigen einbezogen und zugleich entlastet werden.

Flächendeckendes Versorgungsnetz
Konkret soll das Versorgungsnetz in allen Regionen der Schweiz ausgebaut werden. Gemäss Konzept sollen unter anderem mobile Palliativdienste angeboten werden. Sie sollen schwer kranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase daheim oder auch in Altersheimen oder anderen Institutionen begleiten.
Wie der Waadtländer Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard erklärte, geht es nicht darum, nur auf Palliativ-Spezialisten zu bauen. 80 Prozent der Sterbebegleitung erfolge in der Grundversorgung. Damit dieses Personal für die Aufgabe gerüstet sei, müsse man Weiterbildung betreiben. (...)

 

Regibern 09.09.09

Berner Kantonsparlament gegen neuen Lehrstuhl Palliativmedizin an Uni Bern (0:58) Link

 

Bund 08.07.09

Lehrstuhl für Palliative Care?

Der Regierungsrat lehnt eine Motion von Grossrätin Danielle Lemann (sp, Langnau) für die Schaffung eines Lehrstuhls für Palliative Medizin, Pflege und Betreuung an der Universität Bern ab. Er zeigt zwar Verständnis für das Anliegen, das «angesichts der zunehmenden Bedeutung der Palliativen Medizin und Pflege» auch dem Wunsch vieler Fachpersonen entspreche. Er räumt auch ein, dass das Lehr- und Forschungsgebiet der Palliativen Medizin an der Universität «nicht explizit abgedeckt» sei und dass für Palliative Care gesamtschweizerisch «Lücken in Lehre und Forschung» bestünden. Es gebe aber am Centre Hospitalier Universitaire Vaudois seit 2006 einen Lehrstuhl für Palliative Medizin.

Nicht «isolierte Lösungsansätze»
Der Regierungsrat weist darauf hin, dass im Kanton Bern derzeit Fragen der palliativen Versorgung vertieft geprüft würden. Es sei deshalb sinnvoll, die Ergebnisse abzuwarten, bevor «isolierte Lösungsansätze» umgesetzt würden. Insbesondere sei nicht erwiesen, ob am Inselspital eine Palliative Abteilung angezeigt sei, da diese dem Erfordernis von Lehre und Forschung entsprechen müsse. Gemäss Spitalversorgungsgesetz sei Palliativpflege aber Teil der Grundversorgung – also Sache der regionalen Spitalzentren.
Der Regierungsrat werde im Rahmen des Leistungsvertrags 2010–2013 zusammen mit der Universität und der Berner Fachhochschule das weitere Vorgehen – und namentlich auch die Finanzierungsmöglichkeiten – prüfen. (wd)

 

Medienmitteilung des Kantons Bern 24.02.2009

Projekt "Palliative Care im Kanton Bern" ist gestartet

Die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen, die an einer unheilbaren Krankheit leiden, hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Bis im Februar 2010 soll ein Bericht über Palliative Care im Kanton Bern vorliegen. Regierungsrat Philippe Perrenoud, Gesundheits- und Fürsorgedirektor, hat ein entsprechendes Projekt lanciert und ein Begleitgremium mit Fachleuten eingesetzt.
Das Personal und auch Freiwillige in den bernischen Spitälern, Kliniken, Pflegeheimen oder der Spitex pflegen und begleiten bereits heute Menschen, die an einer unheilbaren Krankheit leiden bis zum Tod. Regierungsrat Philippe Perrenoud, Gesundheits- und Fürsorgedirektor, will das Thema Palliative Care unter einer gesamtheitlichen Sicht betrachten und bearbeiten. Er hat das Projekt "Palliative Care im Kanton Bern" gestartet und ein Begleitgremium mit Fachleuten eingesetzt. Vertreten sind alle in der Palliative Care engagierten Fachleute aus Akutspitälern, Psychiatrie, Pflegeheimen und Heimen für Menschen mit einer Behinderung, Spitex und Ärzteschaft, Seelsorge, Beratung, Unterstützungs- und Freiwilligendienste wie auch Angehörige von betroffenen Patientinnen und Patienten. Mit dem Projekt verfolgt Regierungsrat Philippe Perrenoud das Ziel, ein Konzept für Palliative Care im Kanton Bern zu erarbeiten. Ein Bericht dazu soll bis Februar 2010 vorliegen.
An der ersten Sitzung des Fachgremiums sind die Grundlagen einer Planung der Palliative Care diskutiert worden, namentlich die möglichen Versorgungsmodelle in der Palliative Care und die Aus- und Weiterbildung des Personals. Das kantonale Projekt wurde von den vertretenen Fachpersonen positiv aufgenommen. Die Wichtigkeit der vernetzten Versorgung bei schwer Kranken und Sterbenden wurde an der Sitzung aufgezeigt und klar gemacht, dass gerade in diesem Bereich noch Handlungsbedarf besteht. Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion nimmt aus diesem Austausch mit der Praxis viele Überlegungen in die Erarbeitung der benötigten Planungsgrundlagen mit.

 

Bund 13.2.09

Lehrstuhl für Palliativmedizin?

Die Universität Bern soll einen interdisziplinären Lehrstuhl für Palliative Medizin, Pflege und Betreuung erhalten. Das fordern über hundert Personen, auch viele Ärzte und Pflegende, in einem Brief an die Berner Regierung. Die Medizinische Fakultät ist grundsätzlich bereit – wenn der Kanton zahlt. Walter Däpp
Hinter dem Schreiben an den Regierungsrat stehen viele Ärztinnen, Ärzte, Pflegefachleute, Palliativpflegeexpertinnen, Dozentinnen, Dozenten und Politiker, initiiert wurde es von Martin Rothenbühler, dem Geschäftsleiter der Schweizerischen Stiftung Sanacert für die Zertifizierung der Qualitätssicherung im Gesundheitswesen. (...)
Auf Anfrage meinte Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud jedoch: «Warum nicht?» Palliativmedizin sei ein wichtiges Thema. Bei der heutigen Geldknappheit müssten allerdings Prioritäten gesetzt werden. Er sei aber daran, die Palliativmedizin im Kanton Bern aufzuwerten. Ein entsprechendes Konzept werde er demnächst vorlegen – allerdings noch ohne Überlegungen zum Palliativ-Lehrstuhl. Dies sei Sache der Erziehungsdirektion. Erziehungsdirektor Bernhard Pulver wollte sich dazu noch nicht äussern.

 

BAG 30.1.09

Palliative Care

Im Sommer 2008 erklärte Bundesrat Pascal Couchepin die Förderung von Palliative Care zu einer seiner Prioritäten. Auf seinen Antrag hin haben Bund und Kantone an der Sitzung des Dialogs «Nationale Gesundheitspolitik Schweiz» vom 23. Oktober 2008 ein Nationales Fördergremium Palliative Care eingesetzt.
Dieses Fördergremium verfolgt das Ziel, Palliative Care besser im schweizerischen Gesundheitswesen zu verankern. Bis im Herbst 2009 sollen zu verschiedenen Bereichen erste Lösungsvorschläge vorliegen (...).

 

Berner Zeitung Oberaargau 3.5.08

Pilotprojekt: «Palliative Care» bald auch im Oberaargau?

«Palliative Care» im Oberaargau: Ein Projekt prüft die Kombination von ambulanter und stationärer Begleitung Schwerkranker.
Spätestens 2009 soll im Oberaargau eine Organisation «Palliative Care» gebildet werden. Bereits seit Mai 2007 ist eine Projektgruppe daran, das Pilotprojekt, eine Verbindung aus ambulanter und stationärer Begleitung schwer kranker Menschen, zu realisieren. Spitex, SRO, Alters- und Pflegeheime, Krebsliga, der Verein zur Begleitung Schwerkranker und Altersleitbildregionen arbeiten dabei eng zusammen.

Bedürfnis ist vorhanden
Gegen 150 Interessierte haben sich nun in der Alten Mühle Langenthal über das Projekt orientieren lassen. Richard Züsli, der als Projekt- und Organisationsberater die Gruppe begleitet, und Mitglieder der Projektgruppe orientierten über den Stand des Projektes. Sigrun Kuhn von der Spitex Langenthal und Umgebung und Christine Lerch vom Oberaargauer Verein zur Begleitung Schwerkranker informierten über die durchgeführte Umfrage bei betroffenen Institutionen und Organisationen. Diese habe eindeutig ein Bedürfnis nach Palliative Care im Oberaargau ergeben.
Nötig sei jetzt eine Organisation, ein umfassendes Angebot, genügend Personalressourcen und statistische Angaben, wie oft Sterbebegleitung im Sinne von Palliative Care im Oberaargau erwünscht sei. Die Statistik ist notwendig, um beim Kanton die Finanzierung zu sichern.

Sorge ums Geld belastet
Das Oberaargauer Projekt stellt den schwer kranken Menschen, seine Wünsche, seine Möglichkeiten und sein Umfeld in den Mittelpunkt. Ein Mensch soll dort sterben können, wo er möchte – unbelastet von der Sorge, ob denn die Krankenkasse die Betreuung im Spital auch dann bezahlt, wenn er oder sie nicht nach 30 Tagen gestorben ist. Oder ob die Kasse auch für die Betreuung in den eigenen vier Wänden aufkommt.
«Der Mensch sollte von den Kassen am Ende des Lebens gleich behandelt werden wie am Anfang», fasste Züsli die Auffassung der Initianten zusammen. Eduard Nacht

Was ist «Palliative Care»?

«Palliative Care» wird gelegentlich und unzureichend mit «Sterbebegleitung» übersetzt und manchmal mit «Sterbehilfe» verwechselt.
Der Begriff «Palliative Care» ist ein Kunstwort, gebildet aus dem lateinischen Wort «pallium» für Mantel. «Palliative» bedeutet in diesem Sinne «umhüllend, umfassend und lindernd».
Der englische Begriff «Care» steht unter anderen für pflegen, sorgen, sich kümmern. Weil die deutsche Sprache keinen derart umfassenden Begriff kennt, spricht man hier auch von palliativer Medizin, Pflege und Begleitung.
Betreut werden nicht nur die Schwerkranken und Sterbenden, sondern auch deren Angehörige.

 

Bund 12.1.08

«. . . damit das Sterben schneller ging»

In einem Gespräch über Sterbehilfe gab der Berner Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud an, als Arzt auch Sterbehelfer gewesen zu sein.
Nach dem jüngsten Medienwirbel um den umstrittenen Dignitas-Sterbetourismus war das ein unaufgeregter, sachlicher und ehrlicher Gedankenaustausch zum Thema Sterbehilfe – im Rahmen eines Café philosophique in der Äusseren Enge. WALTER DÄPP
In seiner Zeit als praktizierender Arzt sei Sterbehilfe «ein alltägliches Thema zwischen Patient und Arzt» gewesen, sagte der bernische Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud (sp): Wenn es für einen von Schmerzen geplagten Patienten am Ende seines Lebens unerträglich geworden sei, habe auch er jeweils «geholfen, dass es ein bisschen schneller ging». Das sei «etwas Emotionales, Natürliches» gewesen. Als Arzt habe er damals nie befürchten müssen, «deswegen von jemandem belangt zu werden».
Früher hätten die Patienten Krankheit und Leiden noch eher als Schicksal angenommen, der Arzt sei dabei «so etwas wie ein Vermittler zwischen Gott und den Menschen» gewesen. Heute sei das anders: Das Gesundheitswesen habe «viel an Menschlichkeit verloren», sagte Perrenoud pointiert. Ärzte würden nicht mehr in erster Linie als Vertrauenspersonen oder Vaterfiguren betrachtet, sondern «als Leistungserbringer, die Kundenwünsche zu befriedigen haben». (...)

Palliative-Care stärken
Einig war man sich, dass der Palliativmedizin und -pflege (Palliative-Care) eine zentrale Rolle zukommt. Perrenoud ist es deshalb ein Anliegen, die «vielen guten Kräfte und Initiativen» im Kanton Bern zu koordinieren und ein Konzept für Palliative-Care zu erarbeiten. Auch Blum befürwortet Palliative-Care, denn: Viele verzichteten auf einen selbstbestimmten Suizid, wenn sie sich so aufgehoben fühlten, «dass sie das Leben noch aushalten können». Letztlich habe man aber «schlicht und einfach zu akzeptieren, was der einzelne Mensch für sich entscheidet». Diese Verantwortung sei «nicht delegierbar – weder an einen Arzt noch an den lieben Gott.»

 

Unter-Emmentaler 10.6.06

Bessere Koordination in Palliativmedizin

GROSSER RAT Die Palliativmedizin zugunsten todkranker Menschen soll im Kanton Bern zwischen den Institutionen des Gesundheitswesens besser koordiniert und in die Rahmenleistungsverträge mit dem Kanton aufgenommen werden.
Der Grosse Rat hat der Regierung am Donnerstag einen entsprechenden Prüfungsauftrag erteilt. Er befürwortete ein Postulat von Ruedi Löffel (EVP/Münchenbuchsee) mit 81 gegen 62 Stimmen. Die Regierung stand dem Anliegen positiv gegenüber, war aber nur zur Annahme eines Postulats bereit. Es müssten vertiefte Abklärungen vorgenommen werden. sda

 

Bund 9.6.06, Kanton Bern

Konzepte zur Palliativmedizin

GROSSER RAT Der Regierungsrat muss prüfen, ob er von Leistungserbringern, die unheilbar kranke Menschen pflegen, ein Palliativmedizin-Konzept verlangen will. EVP-Grossrat Ruedi Löffel (Münchenbuchsee) hatte in einer Motion verlangt, dieser Teil der medizinischen Versorgung solle in den Verträgen mit den Leistungserbringern verankert werden. Viele Menschen hätten Angst vor dem Tod, vor dem Leiden und den Schmerzen. Das Wissen, dass palliativmedizinische Angebote bestünden, gebe Raum, sich mit dem Sterben zu beschäftigen, sagte Löffel. Für viele Spitäler sei Palliativmedizin heute eine Selbstverständlichkeit. Jene, die kein solches Angebot hätten, sollten sich nun aber damit befassen müssen. Bei der Beratung des Spitalversorgungsgesetzes habe der Rat befunden, es sei nicht stufengerecht, die Palliativpflege ins Gesetz zu schreiben. Auf der Stufe der Leistungsverträge sei sie aber am richtigen Ort verankert. Weil die Regierung den Vorstoss nur in unverbindlicher Form entgegennehmen wollte, wandelte Löffel seinen Vorstoss gestern in ein Postulat um.

«Er rennt offene Türen ein»
Palliativmedizin sei ein sehr wertvolles Angebot, sagte die freisinnige Fraktionssprecherin Franziska Fritschy (Rüfenacht) – und ein integraler Bestandteil der medizinischen Versorgung. Sie werde überall angewendet, Konzepte seien vorhanden. Löffels Forderung sei unnötig. «Mit seinem Vorstoss rennt er offene Türen ein.» Ausserdem seien von einer Regelung mit Leistungsverträgen nur die Akutspitäler betroffen. Nicht aber jene Institutionen mit ambulanten palliativmedizinischen Angeboten (Spitex) oder die Heime. «Für mich ist unverständlich, dass die Regierung diesen Vorstoss als Postulat annehmen will», sagte Fritschy. «Er ist teilweise unnötig, teilweise falsch.» Diese Meinung teilte SVP-Fraktionssprecher Daniel Pauli (Schliern): «Es ist komplett falsch, wenn der Grosse Rat Behandlungskonzepte einfordert.»

Ratslinke setzte sich durch
Dem hielt SP-Parteipräsidentin Irène Marti (Bern) entgegen, der Vorstoss ziele «inhaltlich genau in die richtige Richtung». Die Öffentlichkeit solle sehen, dass Palliativpflege zur Gesundheitsversorgung gehöre. Und Dorothea Loosli (Detligen) verlangte als Sprecherin der Grünen, der Kantons solle ein Gesamtkonzept zur Palliativpflege vorlegen. Unterstützt von der EVP setzte sich die Ratslinke mit 81 gegen 62 Stimmen durch und überwies das Postulat. (sur)

 

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