BZ 20.10.06, Kanton Bern / Kantonsbeitrag für Flughafen Bern-Belp
«Eine riskante Investition»
Nicht gegen die Pistenverlängerung des Flughafens an sich,
sondern gegen den Staatsbeitrag will sich das Nein-Komitee wehren.
«Es geht weder um die Pistenverlängerung an sich noch um die
Existenz des Flughafens», erklärten gestern die Vertreter des
Referendumskomitees «gegen Steuermillionen für den Flughafenausbau»
an einer Medienkonferenz in Bern. Es gehe einzig um den Betrag von drei
Millionen Franken, ob der Kanton 60 Prozent der Baukosten übernehmen
soll oder nicht. Die Gründe, warum dies nicht geschehen soll, erläuterten
die Grossräte Blaise Kropf (Grüne) und Ruedi Löffel (EVP),
Nationalrätin Evi Allemann (SP) und WWF-Bern-Geschäftsführer
Jörg Rüetschi. Sie haben mit rund 12000 Unterschriften das Referendum
gegen den Grossratsbeschluss ergriffen.
«Es kann keine Staatsaufgabe sein, ein Infrastrukturprojekt
einer privaten Aktiengesellschaft finanziell zu unterstützen»,
sagte Löffel. Damit provoziere der Kanton Folgebegehren aus Schifffahrt
und anderen touristischen Bereichen. Es befremde ihn zudem, dass ausgerechnet
jene politischen Gruppierungen, die immer wieder mehr Eigenverantwortung
und unternehmerische Freiheit propagierten, nun beim Staat die hohle Hand
machten. (...).
SP/EVP nicht einstimmig
Dass Teile der SP und EVP bei der Diskussion im Grossen Rat für den
Beitrag votierten, sei vor allem auf die Vertreter von ländlichen
Gemeinden zurückzuführen, meinten Allemann und Löffel.
«Da bestehen Ängste um den Tourismus und um die Existenz des
Flughafens selbst, die nicht auf die Pistenlänge zurückgeführt
werden können.» An der Parteibasis sei das Thema weniger umstritten,
so Allemann. Die Nein-Parole habe die SP am Mittwoch mit 38 zu 106 Stimmen
gefasst. Die EVP entschied gestern Abend. kap
Bund 20.10.06, Kanton Bern
"Keine Staatsaufgabe"
Am 26. November entscheidet das Berner Volk, ob der Kanton Bern 3 Millionen
Franken an die 5,2 Millionen Franken teure Pistenverlängerung des
Flughafens Bern-Belp beisteuert. Gestern erläuterten die Gegner dieses
Kredites, wie sie in den kommenden Wochen das Stimmvolk überzeugen
wollen. Kernbotschaft der Abstimmungskampagne wird sein, dass es nicht
Aufgabe des Staates sei, ein privates Ausbauprojekt mit Steuergeldern
zu unterstützen. (...)
EVP-Grossrat Ruedi Löffel wies darauf hin, dass der Kredit im Budgetposten
für Tourismus und Regionalentwicklung enthalten ist. Dabei habe doch
der Kanton Bern mit dem neuen Tourismusgesetz gerade die Abkehr von der
Infrastrukturunterstützung vollzogen. (...).
Berner Rundschau 20.10.06, Kanton Bern
Die Millionen anders anlegen
Flugpiste Bern-Belp Komitee gegen Kantonsbeitrag
Das Komitee gegen den Kantonsbeitrag an die Pistenverlängerung des
Flughafens Bern-Belp startet eine Nein-Kampagne. Die Stimmberechtigten
im Kanton Bern entscheiden am 26. November über den Beitrag von 3
Millionen Franken an der Urne.
Angesichts des geplanten Abbaus im Regionalverkehr gehe es nicht an, bisher
bewusst nicht subventionierte Bereiche wie die Luftfahrt nun staatlich
zu unterstützen, heisst es in einer Mitteilung des Komitees «Nein
zu Steuermillionen für den Flughaufenausbau» vom Donnerstag.
«Es kann nicht Staatsaufgabe sein, ein Infrastrukturprojekt einer
privaten AG finanziell zu unterstützen», sagte EVP-Grossrat
Ruedi Löffel vor den Medien. Löffel betonte
indes, sein Nein sei nicht gegen die seit langem bewilligte Pistenverlängerung
gerichtet. «Es geht mir einzig um die staatliche Mitfinanzierung.»
Bei der Abstimmung gehe es nicht um ein Ja oder Nein zur Pistenverlängerung.
Es sei jedoch «Ausdruck eines fragwürdigen Unternehmensethos
und eines falschen Staatsverständnisses, wenn private Unternehmungen
beim Staat die hohle Hand machen, wenn sie Zweifel an der Rentabilität
der Investition haben», sagte Blaise Kropf, Grossrat und Co-Präsident
der Grünen Kanton Bern. «Die Bedeutung des Flughafens für
die Wirtschaft wird massiv überschätzt. Der Kanton soll das
Steuergeld besser in nachhaltige Wirtschaftszweige und langfristig gesicherte
Arbeitsplätze investieren», betonte SP-Nationalrätin Evi
Allemann. «Der Kanton soll sich auf die Unterstützung des umweltfreundlichen
Bahn- und Busverkehrs konzentrieren. Hier sind die öffentlichen Gelder
wichtig, sagte Jörg Rüetschi vom WWF Bern.
Zur Abstimmung über den Kantonsbeitrag kommt es, weil ein rot- grünes
Komitee gegen den entsprechenden Beschluss des Grossen Rates das Referendum
ergriffen hatte. Bei 10 000 notwendigen Unterschriften war es mit 11 752
gültigen Unterschriften zustande gekommen. (sda, uz)
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