Bund 25.2.08
Schuldenbremse völlig unbestritten
Weil es bereits im Grossen Rat zu einem Kompromiss gekommen
war, interessierte sich niemand mehr für die Schuldenbremse. Im Schatten
der Steuervorlage wurde sie mit 162404 gegen 49038 Stimmen klar angenommen.
Dölf Barben
(...) Dass die Schuldenbremse angenommen würde, war im Vorfeld von
niemandem bezweifelt worden. Die Vorlage stand ganz im Schatten der umstrittenen
Steuergesetzrevision.
Zudem war es im Kantonsparlament ganz am Ende der Beratung überraschend
zu einem Kompromiss gekommen: Weil Therese
Bernhard (svp, Worb), Präsidentin der Steuerungskommission, entgegen
dem Willen ihrer Partei einen EVP-Antrag
unterstützte, kam es zu einer Entschärfung der Schuldenbremse.
Sie wirkt nun nicht unbeschränkt, wie das die Befürworter wollten,
sondern bloss dann, wenn die Schuldenquote höher als 12% beträgt.
Die Schuldenquote gibt an, wie hoch die Schulden im Verhältnis zum
Volkseinkommen sind. 1998, als der Kanton noch mit rund elf Milliarden
Franken verschuldet war, betrug sie fast 30%. Mittlerweile sind die Schulden
auf etwas über sieben Milliarden Franken und die Quote auf rund 15%
gesunken. Eine Quote von 12% würde derzeit rund 6,6 Milliarden Franken
Schulden entsprechen. (...) Weil dieser Kompromiss zustande gekommen war,
hatten sich SP und EVP von Gegnern in neutrale beziehungsweise befürwortende
Akteure verwandelt. (...)
Bund 11.2.08
Stärkste Bremser ausgebremst
Annahme der Schuldenbremse wahrscheinlich –
weil es bereits im Grossen Rat zum Kompromiss gekommen ist
Wäre es nach SVP und FDP gegangen, würde das Volk in
zwei Wochen über eine uneingeschränkte Schuldenbremse abstimmen
– die von SP, EVP und Grünen wohl heftig bekämpft würde.
Bereits im Grossen Rat kam es aber anders, weil eine SVP-Grossrätin
das eigene Lager ausbremste. Dölf Barben
Am 24. Februar geht es im Kanton Bern nicht nur um den unbestrittenen
SVP-Regierungsratskandidaten Christoph Neuhaus und um Steuersenkungen
(siehe «Bund» vom Samstag): Die Stimmberechtigten haben auch
über eine Schuldenbremse zu befinden. Diese steht jedoch völlig
im Schatten der Steuersenkungsvorlagen und dürfte mit sattem Mehr
angenommen werden. Zwar sind noch nicht alle Gegner dieses finanzpolitischen
Instruments verstummt – die Grünen haben die Nein-Parole beschlossen.
SP (Stimmfreigabe) und EVP (Ja-Parole), anfänglich ebenfalls Gegner
einer Schuldenbremse, haben sich in neutrale und befürwortende Akteure
verwandelt.
«Gravierender Eingriff»
Der Grund dafür ist in der Debatte im Grossen Rat von vergangenem
Juni zu suchen. Damals ging es anfänglich hart zu und her. SVP, FDP
und EDU setzten auf eine uneingeschränkt wirkende Schuldenbremse
(siehe Kasten), die von der SP, Grünen und der EVP heftig bekämpft
wurde.
(...) Niklaus Gfeller (evp, Rüfenacht) sagte, eine Schuldenbremse
schränke die Investitionstätigkeit viel zu sehr ein und stelle
deshalb einen «gravierenden Eingriff in die Entwicklung des Kantons»
dar, und Blaise Kropf (grüne, Bern) warnte davor, «ohne zusätzliches
Regulativ» würde die Flexibilität der bernischen Finanzpolitik
«nicht nur für die nächsten Jahre, sondern für die
nächsten Jahrzehnte ganz massiv eingeschränkt».
Quote: «Verzweifelter Versuch»
Ein solches zusätzliches Regulativ wurde schliesslich in Form einer
Schuldenquote ins Spiel gebracht – und gleich mehrfach. Das Prinzip
ist einfach: Die Schuldenbremse soll nur oberhalb einer gewissen Schuldenquote
wirksam sein. Dabei gibt die Schuldenquote an, wie hoch die Schulden im
Verhältnis zum Volkseinkommen sind. 1998, als der Kanton Bern mit
rund elf Milliarden Franken verschuldet war, lag die Schuldenquote auf
einer rekordverdächtigen Höhe von fast 30%. Mittlerweile ist
sie auf etwas über 15% gesunken, denn die Schuldenlast hat sich in
der Zwischenzeit merklich verringert – zum grössten Teil deshalb,
weil die Nationalbank ihre überschüssigen Goldreserven veräusserte
und der Kanton Bern über zwei Milliarden Franken kassierte.
Die EVP wollte die Grenze bei einer Schuldenquote
von 12% ziehen. Ruedi Löffel (Münchenbuchsee) sagte, der EVP-Antrag
sei nur der «verzweifelte Versuch, im Kanton Bern zu einer einigermassen
vernünftigen und mehrheitsfähigen Lösung».
SP und Grüne wollten die Schuldenquote zunächst bei 13 und 15%
festsetzen. Die Gegner einer limitierten Bremse sprachen von einem Quotenbasar
und Peter Brand, (svp, Münchenbuchsee) ortete «genau da das
Problem»: «Es gibt weder eine ökonomische noch eine wissenschaftliche
richtige Schuldenhöhe, beziehungsweise eine richtige Höhe der
Schuldenquote.» Werde eine Quote festgesetzt, sei die Höhe
dieser Quote «rein politisch bestimmt». Letztlich basiere
die Höhe einer Quote auf einem Bauchentscheid.
Eine Abweichlerin genügte
Die Bürgerlichen schienen an jenem Junitag im Grossen Rat drauf und
dran zu sein, sich in der Finanzpolitik einmal mehr durchzusetzen. Nachdem
aber SVP-Grossrätin Therese Bernhard (Worb) als Präsidentin
der Steuerungskommission angekündigt hatte, sie werde – nach
reiflicher Überlegung und weil sie früher selber schon einmal
eine Quote von 12% befürwortet hatte – den EVP-Antrag unterstützen,
war plötzlich alles anders: Bei den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen
genügen einzelne Abweichler auf bürgerlicher Seite, um ein Geschäft
zum Kippen zu bringen.
Und so war es auch hier: SP (Quote bei 13%) und Grüne (Quote bei
15%) zogen ihre Anträge denn auch schnurstracks zurück und ebneten
damit den Weg für den Kompromiss.
SVP- und FDP-Grossräte wehrten sich zwar noch dagegen, aber ihr Widerstand
blieb ohne Wirkung. SVP-Fraktionschef Heinz Siegenthaler (Rüti b.
Büren) sagte, mit einer solchen Quote werde eine bestimmte Schuldenhöhe
als akzeptabel dargestellt. Rund 6,6 Milliarden Franken – soviel
wären es derzeit bei einer Quote von 12% – seien aber für
die SVP zu hoch. (...)
DRS Regionaljournal BE FR VS 6.6.2007, 12.00 Uhr
Standesinitiative für Individualbesteuerung
Der bernische Grosse Rat will die sogenannte "Heirats-Strafe"
abschaffen. (Link
3:14).
Bund 6.6.07
Schuldenbremse mit einer Quote
Der Grosse Rat hat eine Schuldenbremse beschlossen – die
bürgeriche Mehrheit wurde leicht ausgebremst
Überraschung im Kantonsparlament: Weil Therese Bernhard ausscherte,
gelang es den Bürgerlichen nicht, die harte Version einer Schuldenbremse
durchzubringen. Das neue Instrument wird mit der Schuldenquote gekoppelt.
Nachdem Therese Bernhard (svp, Worb) gestern ein paar Sätze gesagt
hatte, war klar, dass sich im Kantonsparlament eine Überraschung
anbahnte. Bernhard ist die Präsidentin der Steuerungskommission (vormals
Finanzkommission) und damit nicht irgendwer. «Nach
reiflicher Überlegung» sei sie zur Ansicht gelangt, den Antrag
der EVP zu unterstützen, sagte sie. (...) Die
EVP habe «einen grossen Schritt auf uns zu gemacht». Deshalb,
aber auch, weil das Berner Volk erwarte, dass derart wichtige Geschäfte
im Grossen Rat etwas breiter abgestützt seien, als dies in letzter
Zeit der Fall war, sei ein Kompromiss angezeigt. Bernhard wurde
schliesslich von einer Handvoll Bürgerlicher unterstützt. Damit
war der Kompromiss geboren.
Niklaus Gfeller (evp, Rüfenacht) sagte, eine Schuldenbremse vermindere
die Investitionstätigkeit in «gravierender» Weise. Deshalb
müsse jetzt schon festgelegt werden, wann ihre Wirkung wieder ausser
Kraft zu setzen sei. Liege die Schuldenquote unter 12 Prozent, sei es
angezeigt, der Regierung wieder Handlungsspielraum zu gewähren. (...)
Mit 78 zu 70 Stimmen kam der EVP-Antrag durch. Er verlangte, die Bremse
sei mit einer Schuldenquote von 12 Prozent zu koppeln. Die Schuldenbremse
wurde schliesslich mit 90 zu 45 Stimmen bei 19 Enthaltungen angenommen.
Weil es sich um eine Verfassungsänderung handelt, gibt es eine Volksabstimmung.
(...)
Berner Zeitung 6.6.07
«Einen Schritt tun»
SVP-Grossrätin Therese Bernhard, bekannt für ihre strikte
Finanzpolitik, erklärt, wieso sie von der Linie ihrer Partei abwich.
Frau Bernhard, Sie stiegen auf den Kompromissvorschlag
der EVP ein und verhalfen ihm so zum Durchbruch. Wieso das?
Therese Bernhard: Weil ich es sachlich und politisch richtig finde. Ich
will die Finanzpolitik in der Verfassung nicht so eng fesseln. Fällt
die Schuldenquote irgendwann – 2013 oder später – auf
12 Prozent, sollen die damaligen Politiker sagen, ob sie wieder mehr investieren
wollen. Zudem finde ich es nicht gut, wichtige Vorlagen mit einer Stimme
Unterschied durchzuboxen. Ich hätte nie erwartet, dass eine 12-Prozent-Quote
vorgeschlagen wird; da fand ich es richtig, auch einen Schritt zu tun.
In der Fraktion sahen das 12 Kolleginnen und Kollegen ebenso.
In der Abstimmung im Ratssaal waren es nicht mehr so viele
(lacht) Wir wurden natürlich bearbeitet.
Eine Schuldenquote von 12 Prozent dürfte etwa 6,6 Milliarden
Franken Schulden entsprechen. Das ist doch viel zu viel
Natürlich, aber man kann den Schuldenabbau ja auch fortsetzen, wenn
12 Prozent erreicht sind. Die Schuldenbremse führt ohnehin nicht
zu einem Abbau, sie verhindert nur neue Schulden. Ein Schuldenabbau ist
immer zusätzlich möglich. Aber wenn die Jungen wirklich so gescheit
politisieren, wie heute im Rat behauptet wurde, werden sie den Schuldenabbau
sicher fortsetzen. fab
Berner Rundschau 6.6.07
Therese Bernhard bricht das Eis
Schuldenbremse Grosser
Rat ringt sich zu einem von der EVP eingebrachten Kompromiss durch
Der Kanton Bern erhält eine in der Verfassung verankerte Schuldenbremse.
Der Grosse Rat hat gestern in zweiter Lesung mit dem Einbau einer Schuldenquote
von 12 Prozent einen Kompromiss gefunden. Danach passierte das Geschäft
mit 90 zu 45 Stimmen relativ deutlich.
Die Schuldenbremse verlangt, dass der Kanton auch die Investitionen künftig
selber finanzieren muss und sich dafür nicht verschulden darf. Sie
ergänzt damit die bereits geltende Defizitbremse, die «nur»
den Ausgleich der laufenden Rechnung verlangt.
In der Debatte gelang es gestern den Fraktionen von SP, Grünen und
EVP letztlich, dank bürgerlicher Unterstützung, die «Zwangsregulierung»
des Staatshaushalts mit einer Schuldenquote abzufedern. Die Schuldenbremse
soll nur so lange gelten, als die Bruttoschuld des Kantons 12 Prozent
des kantonalen Volkseinkommens nicht übersteigt. Zur Zeit müsste
die Gesamtschuld des Kantons von derzeit noch deutlich über 7 Milliarden
Franken auf zirka 6,6 Milliarden gesenkt werden können. Damit wird
das Instrument der Schuldenbremse in Relation zur Höhe des Volkseinkommens
gesetzt. (...)
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