Berner Zeitung + Bieler Tagblatt 13.9.07 Kanton Bern

Noch kein Leistungslohn für Lehrer

In den nächsten fünf Jahren gibt es ganz sicher keinen Leistungslohn für die Lehrerinnen und Lehrer im Kanton Bern. Urs Egli

In die Praxis umgesetzt ist der Leistungslohn für Lehrkräfte erst im Kanton Zürich. Und im Kanton Solothurn wird er vorerst nur für Lehrerinnen und Lehrer an den Berufsschulen und an den Gymnasien eingeführt. Im Kanton Bern dagegen dauert es einmal mehr ein bisschen länger.
Obgleich an bernischen Gewerbeschulen, höheren Fachschulen und Gymnasien die Führungsstrukturen mit Schulleitungen und Personaldiensten so aufgebaut sind, dass eine lohnwirksame Leistungsbeurteilung in die Tat umgesetzt werden könnte, kommt dies für Bildungsdirektor Bernhard Pulver nicht in Frage. Noch sei zu vieles unklar. In die Frage des Leistungslohnes will Pulver erst einmal die Wirkung des an Berner Schulen kürzlich eingeführten Mitarbeitergesprächs mit einbeziehen und «auch Instrumente wie Fremdbeurteilungen durch das Kollegium und durch Lernende prüfen und einführen.» Pulver nannte einen Zeithorizont von fünf Jahren.

Die FDP krebst zurück
Für die FDP-Fraktion ist dies eindeutig zu lang. Also forderte sie den Regierungsrat dazu auf, «ein umfassendes materielles und immaterielles Anreizsystem mittelfristig - bis spätestens 2012 - einzuführen.» Der Kanton Solothurn habe nämlich gute Erfahrungen gemacht, sagte FDP-Sprecher Erwin Fischer (Lengnau). Fischer machte allerdings klar, dass es keine objektive Beurteilung von Personen gebe. Also gelte es «nach einer transparenten und gerechten Beurteilung» zu streben. Konkret verlangte die FDP, der Leistungslohn für die Lehrerinnen und Lehrer der bernischen Schulen sei «bis spätestens 2017 einzuführen». Denn: «Die FDP ist gegen die Förderung des Mittelmasses.» In der grossrätlichen Diskussion krebste die FDP dann aber zurück: Die Forderung nach Einführung des Leistungslohns bis 2017 liess sie fallen. Und das umfassende Anreizsystem muss jetzt nur noch mittelfristig, also nicht mehr explizit bis 2012, umgesetzt sein. Zu dieser abgeschwächten Forderung sagte der Rat mit 73 zu 68 Stimmen Ja. Denn auch Fred-Henri Schnegg hatte sich namens der SVP-Fraktion für einen «gegenwärtigen Verzicht auf die lohnwirksame Beurteilung» ausgesprochen.
Mit Blick auf die diversen Schulreformen der letzten Jahre mahnte EVP-Sprecher Ruedi Löffel den Rat, «jetzt nicht noch eine zusätzliche Grossbaustelle aufzureissen». Die Frist zur Umsetzung bis 2012 sei «zu kurzfristig» angesetzt. Ein klares Nein kam dann von der SP. Irene Hänsenberger (Burgdorf) sagte klar: «Die SP ist entschieden gegen eine lohnwirksame Leistungsbeurteilung.» Diese sei kein Beitrag zur Qualitätssteigerung. «Wir wollen das Fuder nicht überladen», warnte auch EDU-Sprecher Andreas Brönnimann. Wobei für ihn feststeht: «Leistung muss belohnt werden.» Darüber, dass der Leistungslohn für Lehrkräfte im Kanton Bern kommen muss, ist sich eine knappe Mehrheit im Grossen Rat einig. Mit 70 zu 67 Stimmen bei 6 Enthaltungen wurde die Forderung der SVP unterstützt: «Die lohnwirksame Leistungsbeurteilung der Lehrkräfte muss im Jahr 2012 wieder geprüft werden.»

 

Bund 13.9.07 Kanton Bern

Leistungslohn nur aufgeschoben

Lehrerinnen und Lehrer sollen für gute Leistungen finanziell belohnt werden – aber nicht sofort
Nach dem Willen der bürgerlichen Grossratsmehrheit bleibt der Leistungslohn für Lehrkräfte auf der politischen Agenda. Zunächst wird aber ein Anreizsystem geschaffen, das auch Geldprämien für gute Leistungen vorsehen soll.
Reto Wissmann

Der Konsens währte nicht lange. Noch im August schienen sich Parlament und Grosser Rat einig: Das Projekt Leistungslohn für Lehrkräfte sollte eingemottet werden. Regierungsrat und vorberatende Kommission des Grossen
Rates hatten sich in dieser Richtung geäussert.
Gestern machte eine bürgerliche Mehrheit das Kantonsparlaments jedoch klar, dass sie nicht lockerlassen will. 2012 soll die lohnwirksame Leistungsbeurteilung wieder geprüft werden. Ein entsprechender Antrag der SVP wurde knapp gutgeheissen.
Für die SVP ist bereits heute klar, in welche Richtung das Resultat dieser Prüfung gehen soll: «Wir sind überzeugt, dass der Leistungslohn für Lehrerinnen und Lehrer sinnvoll und machbar ist», sagte Therese Rufer, Lehrerin und Bäuerin aus Zuzwil. Gute Lehrer sollten für ihren Einsatz auch belohnt werden. Rufer lobte den Erziehungsdirektor zwar für seine Absicht, bei den Reformen im Bildungswesen Prioritäten zu setzen, ganz von der Prioritätenliste streichen wollte sie den Leistungslohn jedoch nicht.

«Gegen Mittelmass»
Die FDP schloss sich der grossen bürgerlichen Partnerin grundsätzlich an: «Wir sind gegen die Förderung von Mittelmass», sagte Erwin Fischer (Lengnau). Es gehöre zur Personalführung, klar zu sagen, wer gut und wer schlecht arbeite. Es dürfe aber nicht bei Lob und «Blabla» bleiben. Gute Leistung müsse auch finanziell belohnt werden. Dazu wünscht sich die FDP
ein System mit verschiedenen materiellen und immateriellen Anreizen. Fischer zählte als Möglichkeiten Weiterbildungskurse, bezahlte Bildungsurlaube, Büchergutscheine, aber auch Barprämien auf.
Wenig Begeisterung für die bürgerlichen Ideen zeigten Grüne, SP und EVP. «Wir dürfen jetzt nicht schon wieder Unruhe in den Schulen provozieren», sagte Elisabeth Bregulla, ebenfalls Lehrerin, im Namen der Grünen. In den Kollegien müsse primär die Zusammenarbeit und nicht das Konkurrenzdenken gefördert werden. Irene Hänsenberger, Schulamtsleiterin der Stadt Bern und SP-Grossrätin, betonte, dass die Schulleitungen mit den seit 2006 obligatorischen Mitarbeitergesprächen bereits über ein Instrument zur Personalführung verfügten. «Leistungslohn ist kein Beitrag zur Qualitätssicherung», sagte Hänsenberger. Ruedi Löffel (evp, Münchenbuchsee) wies darauf hin, dass eine lohnwirksame Leistungsbeurteilung für Lehrkräfte sehr aufwändig sei und viel Geld koste.

«Keine zusätzliche Baustelle»
Regierungsrat Bernhard Pulver (grüne) appellierte an die Grossrätinnen und Grossräte, keine «zusätzliche Baustelle» zu eröffnen. «Wir müssen die Anzahl Reformen beschränken», sagte der Erziehungsdirektor. Indem das Parlament die Anträge ablehne, könne es ein Zeichen des Vertrauens in die Lehrkräfte setzen. Er versprach den Grossrätinnen und Grossräten auch, das Thema Leistungslohn in fünf Jahren wieder aufzunehmen. Vorher müssten jedoch Erfahrungen mit dem neu eingeführten Mitarbeitergespräch, dem Leistungslohnsystem des Kantons Zürich und der geplanten Lehrkräftebefragung im Kanton Bern («Bund» vom 28. August) gesammelt und ausgewertet werden.
Der Grosse Rat wollte sich jedoch nicht mit Versprechungen zufrieden geben, sondern verbindliche Vorgaben machen. Mit 70 gegen 67 stimmte er dem SVP-Antrag zum Leistungslohn und mit 73 gegen 68 Stimmen dem FDP-Antrag zum Anreizsystem zu. Damit wird die Erziehungsdirektion beauftragt, die lohnwirksame Leistungsbeurteilung 2012 nochmals zu prüfen. Zudem muss sie einen Katalog mit Möglichkeiten zur Belohnung von guten Leistungen vorlegen.

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