sda 14.09.10
Kein Facebook mehr für Berner Kantonsangestellte
Schluss mit Facebook in der bernischen Kantonsverwaltung: Der
Regierungsrat muss den Zugriff auf soziale Internet-Netze für Kantonsangestellte
sperren.
Es gehe nicht an, dass Angestellte während der Arbeitszeit auf Facebook
surften oder Partnersuche per Internet betrieben, sagte BDP-Grossrat Lorenz
Hess, der die Motion eingereicht hatte, im Grossen Rat.
Er begründete seinen Vorstoss auch damit, dass «ein immenses
zusätzliches Datenvolumen» entstehe, wenn Angestellte auf solchen
Sites verweilten.
Unterstützung erhielt Hess vor allem von bürgerlicher Seite.
Das sei so, wie wenn man Kindern den Umgang mit dem Fernsehen beibringen
müsse, sagte seitens der FDP Hans Rudolf Feller. Das Problem mit
Facebook sei erkannt und die Motion ein Ausdruck der Sorge.
Rauchpausen als Gegenargument
Gegen das Ansinnen wehrte sich Jan Flückiger im Namen der GLP/CVP-
Fraktion. «Ausgerechnet die liberalen Fraktionen fordern ein Verbot»,
sagte er. Das sei erstaunlich. Wenn man den Kantonsangestellten den Zugriff
auf Facebook verbiete, müsse man ihnen konsequenterweise auch die
Rauchpausen oder die privaten Telefongespräche untersagen.
An die Selbstverantwortung appellierte auch die SP/JUSO/PSA- Fraktion.
Sprecherin Flavia Wasserfallen sagte, es sei überdies Aufgabe der
Vorgesetzten, dafür zu sorgen, dass soziale Internetforen nicht exzessiv
genutzt würden.
SP-Grossrat Matthias Burkhalter erinnerte daran, dass auch viele Grossräte
via Laptop auf dem Internet surften während der Sessionsdebatten.
Somit müsste man auch den Parlamentariern verbieten, während
der Diskussionen im Saal zu bloggen oder zu mailen.
Auf weitere Ablenkungsmöglichkeiten verwies Ruedi Löffel-Wenger
von der EVP: «Wie sieht es aus mit den News-Tickern
der Online- Zeitungen, den Live-Streams an Skirennen oder dem privaten
Verschicken von SMS während der Arbeitszeit?» Es
sei besser, Regeln gegen den Missbrauch des Internets auszuarbeiten, wie
dies bereits hunderte Firmen getan hätten.
Bereits in Prüfung
Finanzdirektorin Beatrice Simon wollte die Motion in ein Postulat umgewandelt
haben. Der Regierungsrat habe das Problem des Internet-Missbrauchs am
Arbeitsplatz erkannt und prüfe, wie dieses zu lösen sei. Allerdings
brauche das Zeit, zumal die Angelegenheit wegen des Datensschutzes komplex
sei.
Aus Sicht der Netzwerkinfrastruktur sei eine Sperrung des «Facebook»-Zugriffs
zurzeit nicht nötig, sagte Simon. Tatsächlich könnten sich
aber diese Seitenaufrufe negativ auf die Leistungsfähigkeit bestimmter
Informatik-Infrastrukturen einzelner Direktionen auswirken.
Die Motion wurde schliesslich mit 95 Ja- zu 47 Nein-Stimmen und 7 Enthaltungen
überwiesen. (sda)
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