Hier
finden Sie die Fragen, die ich für die Fragestrunde vom 12.06.12 eingereicht habe.
________________________________________________________________________________________

 

Bieler Tagblatt 03.07.12

Bierwerbung gibt zu reden

An einem reinen Junioren-Grümpelturnier darf keine Bierwerbung gemacht werden. Sobald Erwachsene zur selben Zeit spielen, jedoch schon. Ein schenbar kurioses Gesetz. Markus Nobs.
Dass der Sportclub Radelfingen am gleichen Tag sein Junioren-Grümpelturnier durchführen wollte, an welchem auch der traditionelle «Pub-Cup» stattfindet, rief die Politik auf den Plan (das BT berichtete). Genauer gesagt war es EVP-Grossrat Ruedi Löffel, welcher anlässlich der vergangenen Session vom Seeländer Regierungsrat Andreas Rickenbacher wissen wollte, welche Grenzen der Alkoholwerbung an einem Anlass mit integriertem Juniorenturnier gesetzt seien.
Dieses Vorgehen des Präventionspolitikers mit Seeländer-Wurzeln löste nicht nur beim betroffenen Verein «heftiges Kopfschütteln aus», so Daniel Sinzig, Präsident des Sportclubs Radelfingen. In der Tat: Kurz nach Erscheinen des Erstartikels im «Bieler Tagblatt» meldete sich der Aarberger Spitalarzt Michael Banz in einem Leserbrief zu Wort: Über die Tatsache, dass an einem Jugendfussballturnier allein keine Bierwerbung betrieben werde, müsse man nicht diskutieren. «Aber die Werbung für den gesamten Anlass wegen der Präsenz des Sponsors vor den Regierungsrat zu schleppen, erscheint mir völlig daneben», so Banz dezidiert.

Kuriosität und Kompromiss
Die Antworten des Jenser Regierungsrats Rickenbacher auf Löffels Anfrage zeigen auf, dass der Artikel 15 des betroffenen Gesetzes über Handel und Gewerbe (HGG) des Kantons Bern in Bezug auf die Beschränkung der Alkoholwerbung Kurioses enthält: Dort steht nämlich, dass an öffentlichen Anlässen die Werbung für alkoholische Getränke mit weniger als 15 Volumenprozenten (also beispielsweise Bier und Wein) verboten sei, «wenn hauptsächlich Kinder oder Jugendliche unter 18 Jahren am Anlass teilnehmen». Sinngemäss antwortete Regierungsrat Rickenbacher, dass in diesem Gesetz ein Kompromiss zwischen Jugendschutz und Sponsoring respektive Werbung gemacht worden sei. Alkoholwerbung an einen Juniorenturnier sei jedoch verboten. Will heissen: Während an einem reinen Juniorenturnier somit das Aufstellen von Sonnenschirmen mit Bierwerbung klar untersagt wäre, dürfen an einem gemischten Grümpelturnier mit sowohl erwachsenen als auch jugendlichen Teilnehmenden oder gar Kindern problemlos Sonnenschirme, Banderolen oder Ausschankwagen mit Bierwerbung sichtbar sein.

Auch in Schüpfen
Dazu Markus Beuter, Chef Anlässe beim Sportclub Schüpfen, welcher ebenfalls am Wochenende sein Grümpelturnier durchführte: «Ja, bei uns handelt es sich um ein gemischtes Turnier mit Erwachsenen und Kindern». An ihrem Turnier würden jedoch keinerlei Banderolen oder Plakate mit Alkoholwerbung aufgehängt. «Einzig Sonnenschirme mit Bierwerbung» seien jeweils vorhanden. Sozusagen erlaubte Werbung also, weil am Anlass auch Erwachsene teilnehmen. Der Blick ins Schüpfener Turnierprogramm zeigt, dass beispielsweise am Samstagvormittag 20 Junioren-Mannschaften und lediglich fünf Erwachsenen-Mannschaften spielten. Trotzdem wäre in dieser Zusammensetzung Bierwerbung wohl erlaubt. Je nach Ansicht, wie der Gesetzestext auszulegen ist. Um 12 Uhr liefen in Schüpfen bei der Nichtfussballer-Kategorie der Erwachsenen übrigens die Teams mit den bezeichnenden Namen «Bierliquäler» oder «Eis näme mer no».

 

Bieler Tagblatt Front 09.06.12

Ärger wegen Grümpelturnier

Während des Pub-Cups in Radelfingen findet auch ein Juniorenturnier statt. Weil dort für Alkohol geworben wird, wird jetzt EVP-Grossrat Ruedi Löffel aktiv.

Fussballturnier ruft Politik auf den Plan

Dicke Luft um das Grümpelturnier von Ende Juni in Radelfingen. Dieses Jahr soll gleichentags wie der Pub-Cup auch das Juniorenturnier stattfinden. Deswegen wird ein Grossrat aktiv.
mna. Welche Grenzen sind der Alkoholwerbung an einem Anlass mit integriertem Juniorenturnier gesetzt- Diese und zwei weitere Fragen wird Präventionspolitiker und EVP-Grossrat Ruedi Löffel aus Münchenbuchsee am kommenden Dienstag dem Regierungsrat in der Fragestunde unterbreiten. Zuerst der Reihe nach: Der Sportclub Radelfingen führt seit neun Jahren den so genannten Pub-Cup durch. Dies nebst dem traditionellen Grümpelturnier, an welchem Dorfmannschaften, Aktive und Junioren in eigenen Kategorien gegeneinander antreten. Laut Sportclub-Präsident Daniel Sinzig gehe es nicht zuletzt auch darum, an diesem Wochenende rund einen Viertel des Jahres-Budgetertrags seines Vereins zu generieren. So werden nun Jahr für Jahr Pubs und Restaurants aus der Region aufgefordert, Mannschaften zu melden, welche sich jeweils am Samstag an einem Plauschtur-nier messen wollen.

Kein höherer Bierkonsum

Dass an diesem Beizenturnier auch Alkohol getrunken wird und nicht immer alle Spielerinnen und Spieler «im Vollbesitz ihrer Kräfte» sind, ist dabei kein Geheimnis. Doch Daniel Sinzig relativiert: «Der Alkohol oder Bierkonsum am Pub-Cup ist nicht höher als an anderen Spieltagen». Und: Es sei zwar richtig, dass in den ersten Jahren Bier als Preis abgegeben wurde. «Wir haben aber selber gemerkt, dass das wohl nicht richtig sein kann», so Sinzig einsichtig. Heute würden die Gewinner, welche übrigens per Los ermittelt werden, übliche Preise wie Fleisch oder Gutscheine erhalten.
Ungemach droht nun jedoch aufgrund der Tatsache, dass am selben Samstag wie der Pub-Cup auch das Turnier der Junioren stattfinden wird. Auf den Plakaten, welche in der Region für das Grümpelturnier werben, sind beide Anlässe direkt beieinander aufgeführt. «Nein, da sehen wir keine Probleme», so SCR-Präsident Sinzig auf die entsprechende Frage des «Bieler Tagblatts». «Zum einen sind die Turniere zeitlich getrennt», zum anderen handle es sich dabei um ein Grümpelturnier und «nicht um einen Sauf-Cup», so Sinzig dezidiert. Da aufgrund des Pub-Cups jedoch der Bierproduzent Aare-Bier aus Bargen mit von der Partie ist und dies am Turnier anhand von Sonnenschirmen oder dem knallig gelben Ausschankwagen mit dem Firmenlogo unschwer zu erkennen sein wird, könnte der Verein dadurch allenfalls mit dem Gesetz in Konflikt kommen.
Dies veranlasst Grossrat Ruedi Löffel, welcher auch Leiter der Fachstelle Suchtprävention des Blauen Kreuzes Bern ist, nun dazu, den Regierungsrat zu befragen. Wissen will er unter anderem auch, wie die Kantonsregierung die Tatsache beurteile, dass der Biersponsor auf den Werbemitteln des Anlasses in Erscheinung tritt.
Noch vor dem Regierungsrat hat bereits die zuständige Stelle des Kantons gegenüber dem «Bieler Tagblatt» geantwortet: Die zeitliche Trennung sei es nämlich, welche laut Stefan Kolb, Rechtsanwalt des Beco (Berner Wirtschaft), den Unterschied ausmache, ob und wann am Radelfinger Grümpelturnier für Bier geworben werden dürfe. Denn: «Wenn vormittags ein Fussballturnier mit Schülern stattfindet, dann gilt dies als Anlass, an welchem hauptsächlich Kinder teilnehmen», so Kolb.

«Erst am Nachmittag»
Aus diesem Grund darf laut dem Gesetz über den Handel und das Gewerbe (HGG) in dieser Zeit keine Bier- oder andere Alkoholwerbung in Form von Banderolen, Sonnenschirmen, beschrifteten Ausschankwagen und dergleichen gemacht werden. Demnach dürften diese Werbemittel laut Kolb schliesslich «erst am Nachmittag für das zweite Turnier» aufgestellt werden.

Alkoholindustrie als Sponsor
- Laut einer Studie von «Sucht Info Schweiz» aus dem Jahr 2011 sind es vor allem Bierproduzenten, die national und regional stark ins Sportsponsoring investieren.
- Dies geschehe oft über Werbung auf Trikots, an Banden oder durch Übernahme eines Patronats.
- Alkoholwerbung führe bei Jugendlichen klar zu einem früheren Einstieg respektive einer Erhöhung des Alkoholkonsums. (mna)

 

Münchenbuchsee 09.06.12

Clear Channel macht illegale Alkwerbung

Auch hier ein Fall von illegaler Alkoholwerbung.

zurück