Berner Zeitung 27.01.12 / KUBUS

Das Historische Museum in der Bredouille

Es sieht nicht so aus, als werde der Kanton die Mehrkosten des Erweiterungsbaus «Kubus» des Historischen Museums einfach so mittragen. Gestern handelte das Museum eine Verschiebung des Entscheids aus.
Der Grosse Rat steht vor einem delikaten Entscheid. Salopp gesagt hat er die Wahl, sich unglaubwürdig zu machen oder in Kauf zu nehmen, dass das Historische Museum Bern in einen finanziellen Engpass gerät.
Die Geschichte ist unschön: 2005 bewilligte der Grosse Rat einen Beitrag von 7,2 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds, um den spektakulären «Kubus»-Erweiterungsbau des Historischen Museums mitzufinanzieren. Die Gesamtkosten waren auf 25,8 Millionen Franken veranschlagt worden. Das Kantonsparlament definierte damals eine folgenschwere Bedingung: Der Beitrag habe als absolutes Kostendach zu gelten, das nicht überschritten werden dürfe, auch nicht wegen teuerungsbedingter Mehrkosten. Diese Klausel nahm man im Museum offenbar nicht wahr oder nicht ernst.

Ein Loch von 2,2 Millionen
Auf jeden Fall kostete der 2009 fertiggestellte «Kubus» 2,2 Millionen Franken mehr als geplant. Das Museum bat erneut seine Träger – Stadt, Kanton und Burgergemeinde – um Hilfe. Stadt und Burger sind laut dem Regierungsrat bereit, ihren Anteil zu tragen. Der Grosse Rat erweist sich bisher als widerspenstiger. Gestern hätte er entscheiden sollen: Seine Finanzkommission (Fiko) will statt der vom Museum verlangten 730000 Franken «nur» eine halbe Million nachschiessen. Auch so könnte sich der Grosse Rat ein Glaubwürdigkeitsproblem einhandeln, wie Fiko-Sprecher Ruedi Löffel (EVP, Münchenbuchsee) durchblicken liess: Wenn der Grosse Rat trotz Kostendachklausel nachgibt und Geld nachschiebt, droht die Gefahr, dass solche Bedingungen künftig nicht mehr ernst genommen werden. Es handle sich hier um eine absolute Ausnahme, bemühte sich Löffel deshalb klarzustellen.

Museum will kämpfen
Das Museum verfolgt weiterhin das Ziel, den ganzen Betrag zu erhalten. Da sein Stiftungsratspräsident Christoph Stalder auch Grossrat ist (FDP, Bern), konnte er das Anliegen gleich selbst vertreten. Stalder bat darum, den Entscheid noch einmal aufzuschieben, nachdem ihn schon die Fiko einmal vertagt hatte. Er erklärte, die Stadt und die Burgergemeinde seien «erstaunt und konsterniert» über die Haltung der Fiko. Stalder will seine Ratskolleginnen und -kollegen mit weiteren Gesprächen davon überzeugen, dass das Museum den ganzen Betrag braucht.
Die Fiko wehrte sich nicht gegen die Verschiebung. Löffel dämpfte jedoch die Hoffnungen: Die Fiko habe noch nicht viele Geschäfte so lange und genau geprüft wie dieses. Fabian Schäfer

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