Bund 28.4.08
Klares Nein zu Grosssägerei
Die grösste Sägerei der Schweiz kann
nicht im seeländischen Müntschemier gebaut werden
59% der Stimmenden wollen keine Grosssägerei in Müntschemier.
Damit sei das 200-Millionen-Franken-Projekt für den Kanton Bern gestorben,
sagt der Volkswirtschaftsdirektor. Die Waldbesitzer bedauern den Entscheid.
Die Kartoffeln schiessen schon aus dem Boden, die Salatköpfe stehen
in Reih und Glied, und die Kohlrabi sind bereits erntereif. Die 21 Hektaren
südlich des Bahnhofs von Müntschemier sind bestes Ackerland
– und so soll es nach dem Willen der Stimmbürgerinnen und -bürger
auch bleiben. In der ersten Urnenabstimmung zu einer Gemeindevorlage seit
1994 sagten 59% Nein zum Verkauf von 5 Hektaren Gemeindeland für
3,4 Millionen Franken an die österreichische Kogler Holz AG. Mit
diesem Grundsatzentscheid sagt die Bevölkerung des 1300-Einwohner-Dorfes
bei Ins auch Nein zum Bau der grössten Sägerei in der Schweiz.
Die Stimmbeteiligung betrug beachtliche 87%. (...)
Freude bei den Gegnern
Grosse Freude am Resultat hatte Erhard Jampen, Gemüsebauer und Präsident
der Arbeitsgruppe Holzverarbeitungszentrum. Die Gruppe hatte zunächst
neutral Informationen gesammelt, mutierte später aber zu einem schlagkräftigen
Gegnerkomitee. «Die Bevölkerung hat die Lebensqualität
über die finanziellen Verlockungen gestellt», sagte Erhard
Jampen gestern. «Es wäre falsch gewesen, die grösste Sägerei
der Schweiz in den grössten Gemüsegarten der Schweiz zu stellen.»
Neben dem Verschleiss von Kulturland habe sich die Bevölkerung auch
Sorgen über Verkehr, Lärm und Emissionen gemacht, erklärte
Erhard Jampen das klare Nein. (...)
Medienmitteilung des Kantons Bern 28.1.08
Holz und Energie im Kanton Bern:
Standort Müntschemier wird weiter bearbeitet
aid. Die Investoren des Projektes Holz und Energie beabsichtigen,
dieses Projekt in Müntschemier zu realisieren. Sie haben die dafür
notwendigen Planungsaufträge ausgelöst. Die Bevölkerung
von Müntschemier wird sich an einer Urnenabstimmung am 27. April
2008 zum vorgesehenen Landverkauf durch die Gemeinde äussern können.
Bis zum frühest möglichen Baubeginn im Spätherbst 2008
sind umfangreiche Vorarbeiten notwendig.
Ende Oktober 2007 wurde informiert, dass für das geplante Grossprojekt
"Holz und Energie im Kanton Bern" nebst Niederbipp auch Müntschemier
als möglicher weiterer Standort detailliert geprüft wird. Der
zwischenzeitlich erstellte Standortbericht hat die Machbarkeit des Vorhabens
grundsätzlich bestätigt. Anlässlich einer neusten Lagebeurteilung
zwischen den Investoren, einer Delegation des Regierungsrates des Kantons
Bern und einer Delegation des Gemeinderates von Müntschemier wurden
die Resultate ausführlich diskutiert und das weitere Vorgehen festgelegt.
Insbesondere die zu erwartende grössere politische Akzeptanz hat
die Investoren zum Standortentscheid Müntschemier bewogen. Dieser
Entscheid fiel, obwohl gegenüber dem Standort Niederbipp zusätzliche
Planungen und Aufwendungen zur Sicherstellung der übergeordneten
Erschliessung in den Bereichen Bahn, Strasse und Elektrizität notwendig
werden.
Regierungsrat Andreas Rickenbacher bekräftigte am Gespräch mit
den Investoren die bis anhin gegenüber dem Projekt dargelegte Haltung:
"Für die angestrebte zusätzliche Nutzung des Rohstoffes
Holz braucht es in der Schweiz weitere industrielle Verarbeitungskapazitäten.
Das Projekt "Holz und Energie im Kanton Bern" ermöglicht
zudem eine dezentrale CO2- neutrale Energieproduktion, schafft Arbeitsplätze
und löst beachtliche Investitionen aus. In
Bezug auf die Rohstoffbeschaffung und den Absatz besteht eine klare Wettbewerbssituation.
Kanton und Gemeinden werden nur die notwendigen planerischen Rahmenbedingungen
zur Verfügung stellen. Fördermassnahmen wie Steuererleichterungen
oder Einzelbetriebsförderung sind nicht vorgesehen."
Für alle benötigten privaten Grundstücke wurden bereits
verbindliche Absichtserklärungen abgegeben. Über die Landabgabe
der Gemeinde Müntschemier wird eine kommunale Urnenabstimmung entscheiden.
Der Gemeinderat hat den Abstimmungstermin auf den 27. April 2008 festgelegt.
Da für das Grossprojekt Grundstücke in den Gemeinden Ins und
Müntschemier benötigt werden, hat der zuständige Justizdirektor,
Regierungsrat Werner Luginbühl, im Einvernehmen mit den Gemeinden
die Erarbeitung einer kantonalen Überbauungsordnung angeordnet und
eine entsprechende Projektorganisation eingesetzt. Auch bei diesem Verfahren
bleiben die Mitwirkungsmöglichkeiten und die privaten Einspracherechte
gewährleistet. Vorbehältlich allfälliger Beschwerden kann
das kombinierte Planerlass- und Baubewilligungsverfahren bis im Spätherbst
2008 abgeschlossen werden.
Das Projekt "Holz und Energie im Kanton
Bern" umfasst im Endausbau eine Grosssägerei mit einer Einschnittkapazität
von 1 Million Kubikmetern (Nadel-) Rundholz pro Jahr, ein Holzheizkraftwerk
mit einer Leistung von 40 Megawatt und einer integrierten Pelletsproduktion
von 120'000 Tonnen pro Jahr. Der Flächenbedarf beträgt
rund 21 Hektaren und die Investitionen sind mit 200 Millionen Franken
veranschlagt. Im Vollbetrieb werden 180 Voll- und Teilzeitarbeitsplätze
entstehen.
Der Information der Öffentlichkeit im Gebiet Müntschemier wird
grosse Bedeutung beigemessen. Die Resultate des Standortberichtes und
das weitere Vorgehen werden am 28. Januar 2008 an einem öffentlichen
Informationsanlass vorgestellt. Ein weiterer Informationsanlass ist ca.
Ende März 2008 vorgesehen, vorgestellt wird dort auch die Botschaft
über das Landgeschäft der Gemeinde Müntschemier. In diesem
Zusammenhang wird auch die von der Gemeinde Müntschemier eingesetzte
externe Projektgruppe ihre Beurteilung zum Grossprojekt abgeben.
zurück
|