Berner Rundschau 08.04.08 Kanton Bern /
Wahlen «Päcklipolitik» wird schwieriger
Schluss mit Wahlzetteln der Parteien
Ersetzt eine
Liste der Kandidatinnen und Kandidaten bei den Regierungsratswahlen 2010
die ausseramtlichen Wahlzettel? Eine solche Änderung schlägt
jedenfalls der Regierungsrat vor; er hat das Dekret über die politischen
Rechte entsprechend angepasst. Damit setzt er eine vom Grossen Rat im
November 2007 überwiesene Motion
um. Den Vorstoss hatten Grossräte von EVP und EDU eingebracht. Das
Parlament überwies die Motion mit 84 zu 54 Stimmen. Gemäss dem
Vorstoss gilt die Neuerung auch für Ständeratswahlen.
Die Vorstösser reklamierten damals, die in die Regierung gewählten
Personen seien üblicherweise eher das Resultat einer «Päcklipolitik»
der Parteien, als dass sie dem tatsächlichen Willen der Wählerinnen
und Wähler entsprächen. «Ausseramtliche Wahlzettel widersprechen
dem Grundsatz von Persönlichkeitswahlen, wonach die kandidierenden
Personen und nicht die Parteien im Vordergrund stehen sollen», monierten
die Motionäre. (...)
Bund 08.04.08 Kanton Bern / Stefan Wyler
Keine vorgedruckten Zettel mehr
Nur noch leere Linien: Bei Regierungs- und Ständeratswahlen
sollen die ausseramtlichen Wahlzettel verschwinden
Wer Regierungs- und Ständeräte wählt, soll seine Favoriten
künftig selber auf die Liste schreiben. Ausseramtliche Wahlzettel
mit vorgedruckten Namen sollen abgeschafft und durch eine Liste der Kandidaten
ersetzt werden. Dies schlägt der Regierungsrat vor.
Alle paar Jahre wieder debattiert die bernische Politik über die
Wahlzettel bei Regierungsrats- und Ständeratswahlen. Sowohl die zwei
Ständeratssitze wie die sieben Regierungsratsmandate werden im Majorzwahlrecht
vergeben: Gewählt wird, wer die meisten Stimmen erhält. Majorzwahlen
seien Persönlichkeitswahlen, nicht Parteiwahlen –so argumentieren
die Bürgerlichen regelmässig, wenn die Linke oder die kleinen
Parteien wieder einmal nach der Einführung des Proporzwahlrechts
rufen, das auch die Regierungssitze im Verhältnis der Parteienstärke
verteilen würde.
Gegen «Päckli»
Ende 2007 haben die Linke und kleine Parteien das Persönlichkeitswahl-Argument
aufgenommen und gegen die Bürgerlichen gedreht: Wenn schon Persönlichkeitswahlen,
dann aber bitte echte Persönlichkeitswahlen, argumentierten sie:
So sollen die von den Parteien geschnürten «Päckli»
auf den vorgedruckten Wahlzetteln verschwinden, die Bürger sollen
ihre Wunschkandidaten selber auf einer Liste mit leeren Linien zusammenstellen.
Der Grosse Rat überwies im November 2007 eine Motion
von Philippe Messerli (evp, Nidau) und verlangte die Abschaffung der ausseramtlichen
(vorgedruckten) Wahlzettel mit 82 gegen 64 Stimmen. SP, Grüne, EVP,
EDU, CVP und PSA stimmten für die Motion. SVP und FDP dagegen.
Der Regierungsrat hat jetzt den grossrätlichen Auftrag erfüllt
und eine Gesetzesvorlage ausgearbeitet: Bei Regierungsrats- und Ständeratswahlen
sollen die Stimmberechtigten demnach nur noch einen leeren Wahlzettel
mit sieben bzw. zwei Linien erhalten – dazu aber zusätzlich
eine Liste mit allen vorgeschlagenen Kandidaten.
Das gleiche System, so schreibt die Regierung, werde im Kanton Aargau
praktiziert. Eine andere Variante, so legt die Regierung dar, kennten
die Kantone St. Gallen und Obwalden: Dort könnten die Wählenden
auf einer Liste mit allen Kandidaten die Gewünschten ankreuzen.
Vorerst geht der Vorschlag der Regierung nun in eine Vernehmlassung. Findet
die Neuerung Anklang und stimmt der Grosse Rat dem Gesetz später
zu, könnten schon die Regierungsratswahlen 2010 nach dem neuen Wahlzettelsystem
durchgeführt werden.
Kritik von der SVP, Lob der SP
SVP-Grossrat Peter Brand (Münchenbuchsee), der die Motion Messerli
als Fraktionssprecher seinerzeit bekämpft hatte, kann mit dem Regierungsvorschlag
nichts anfangen. Er halte es nach wie vor für falsch, die ausseramtlichen
Wahlzettel abzuschaffen, sagte er gestern auf Anfrage. Diese seien auch
«ein Dienst am Bürger» und sie gäben den Parteien
die Möglichkeit, ihre Kandidaten bekannt zu machen – weit mehr
als eine blosse Kandidatenliste, die bei grosser Kandidatenzahl unübersichtlich
lang werden könnte. Mit der Abschaffung der ausseramtlichen Wahlzettel
würden die Parteien geschwächt. «Wir haben heute schon
Probleme mit der Wahlbeteiligung, jetzt sollte man es den Parteien nicht
noch schwieriger machen», sagte Brand.
SP-Grossrat Peter Bernasconi (Worb) dagegen verteidigt den Übergang
zu den leeren Zetteln. Eine amtliche Übersicht über die gemeldeten
Kandidaturen genüge voll, so hatte er schon in der Ratsdebatte 2007
erklärt. Wenn Majorzwahlen wirklich Persönlichkeitswahlen seien,
sei nicht einsehbar, weshalb ausgezeichnete Persönlichkeiten noch
über ein «Parteien-Päckli» gefördert werden
sollen. Für die Regierungsratswahl aber, so Bernasconi, bleibe sein
Fernziel die Einführung der Proporzwahl
– und zu diesem Thema erarbeitet der Regierungsrat bekanntlich einen
Bericht – im Auftrag des Grossen Rats, der eine entsprechende Motion
Bernasconis überwiesen hatte.
Benachteiligte Linke?
Jahrelang hatte die Linke geklagt, Majorzwahl und vorgedruckte Wahlzettel
bevorzugten die Parteien der politischen Mehrheit, sprich: das bürgerliche
Päckli SVP/FDP. Dass das nicht zwingend immer richtig ist, zeigte
die Ständeratswahl 2003, wo trotz bürgerlichem Kandidatenduo
auf vorgedrucktem Zettel die populäre Simonetta Sommaruga (sp) das
weitaus beste Resultat erzielte. Und es zeigte es noch viel mehr die Regierungsratswahl
2006, wo die Minderheitsparteien SP und Grüne plötzlich vier
der sieben Regierungssitze eroberten.
Berner Zeitung 08.04.08 Kanton Bern /
Majorzwahlen
Alle auf einer Liste
Der Regierungsrat will für die Regierungs- und Ständeratswahlen
die ausseramtlichen Wahlzettel abschaffen.
Im Kanton Bern sind bei Majorzwahlen sogenannte ausseramtliche Wahlzettel
erlaubt. Auf diesen vorgedruckten Wahlzetteln listen Gruppierungen und
Parteien ihre Kandidierenden auf. Damit soll Schluss sein. Im November
2007 hat der Grosse Rat eine Motion
von EVP und EDU überwiesen. Diese verlangt, dass die ausseramtlichen
Wahlzettel bei Regierungs- und Ständeratswahlen abgeschafft werden.
Damit soll der Einfluss der Parteien auf die Persönlichkeitswahlen
eingeschränkt werden. Jetzt erfüllt der Regierungsrat diesen
Auftrag. (...) aid/drh
DRS Regionaljournal BE FR VS 07.04.2008, 12.05 Uhr
Ausseramtliche Wahlzettel sollen abgeschafft werden (0:33) (Link).
DRS Regionaljournal BE FR VS 20.11.2007, 06.30, 07.30 und 08.00 Uhr
Bald keine vorgedruckten Wahlzettel mehr im Kanton Bern
(2:06)
Der Grosse Rat will die ausseramtlichen Wahlzettel bei Regierungs- und
Ständeratswahlen abschaffen (Link).
Berner Rundschau 20.11.07 Kanton Bern Majorzwahlen
Personen, nicht «Päckli» der Parteien
Grosser Rat will keine ausseramtlichen
Wahlzettel mehr und überweist EVP-Motion
Der Grosse Rat beschloss gestern das Aus für so ge-nannte
«Päckli»-Listen für Majorzwahlen. Schon bei den
Regierungswahlen 2010 sollen ausseramtliche Wahlzettel nicht mehr erlaubt
sein. Eine entsprechende EVP-Motion überwies der Rat deutlich.
«Nicht Parteien oder Blöcke sollen im Vordergrund stehen, sondern
die Personen», sagte Philippe Messerli und warb um Unterstützung
seiner Motion
«Für echte und faire Majorzwahlen ohne vorgedruckte Wahlzettel».
Im bisherigen System könnten die grossen Parteien auch unprofilierte
Personen durchsetzen. «Ausgewiesene Persönlichkeiten brauchen
keine ausseramtlichen Wahlzettel. Die Wählerinnen und Wähler
sind mündig genug, die Namen selber auf die freien Linien zu schreiben»,
sagte Messerli. Zusammen mit der mitmotionierenden EDU sei für einmal
eine Mehrheit möglich, appellierte er an die Räte von SP und
Grünen.
Für die SP-Fraktion signalisierte Peter Bernasconi (Worb) prompt:
«Die SP unterstützte das anvisierte Ziel, dass der Wählerwille
unverfälscht zum Ausdruck kommt, schon immer.» Parteien-Päckli
seien unnötig. Ausseramtliche Wahlzettel vermischten das Majorz-
und Proporzsystem. Lediglich acht andere Kantone kennten dieses Relikt
aus vergangenen Zeiten noch», sagte Bernasconi.
sda / Bieler Tagblatt online 19.11.07
Ausseramtliche Wahlzettel in der Kritik
Die ausseramtlichen Wahlzettel bei Majorzwahlen (Regierung,
Ständerat) sind erneut in die Kritik geraten. Der Grosse Rat hat
am Montag mit einer verbindlichen Motion
eine Änderung bereits auf die Wahlen 2010 hin verlangt.
Die Regierung hätte die unverbindliche Form des Postulats bevorzugt,
SVP und FDP wandten sich auch gegen die Prüfung. Die Regierung räumte
ein, dass Staatsrechtskundige der Meinung sind, Wählende könnten
irrigerweise glauben, nicht mehr als die vorgedruckten Namen anbringen
zu können.
Eine ersatzlose Abschaffung der ausseramtlichen Wahlzettel sei aber nicht
am Platz. Es sei lediglich zu prüfen, die leer gelassenen Linien
klar zu markieren. Auch den Wechsel zum Proporz möchte die Regierung
mit einbeziehen.
Nun muss die Regierung zur Motion von Philippe Messerli (EVP/Nidau), Alfred
Schneiter (EDU/Thierachern) und Ruedi Löffel (EVP/Münchenbuchsee)
eine Vorlage ausarbeiten und aufzeigen, inwiefern sie das Anliegen erfüllen
will. Der Rat verlangte dies relativ klar mit 82:64 Stimmen.
Berner Rundschau 9.11.07 Kanton Bern
Die Staatsrechtslehre sorgt für neuen Diskussionsstoff
Wahlen Regierung prüft Abschaffung der vorgedruckten
Zettel
Im Kanton Bern erlebt die Diskussion um die ausseramtlichen Wahlzettel
bei den Regierungs- und Ständeratswahlen eine Neuauflage. Die Regierung
will die Abschaffung der von den Parteien vorgedruckten Zettel zumindest
prüfen.
Bereits 1995 und 2003 hatte der Grosse Rat über die Zulässigkeit
der ausseramtlichen Wahlzettel diskutiert - Vorstösse aus Kreisen
von Linken und Grünen zur Abschaffung der ausseramtlichen Wahlzettel
lehnte das Kantonsparlament damals ab. Die Kritik ist deshalb nicht verstummt:
Grossräte aus EVP, EDU und EVP lancierten Ende 2006 zusammen mit
31 Mitunterzeichnern einen weiteren Vorstoss zur Abschaffung der ausseramtlichen
Zettel.
Kritik der Staatsrechtslehre
Die Regierung will das Anliegen zumindest prüfen, wie aus ihrer gestern
veröffentlichten Antwort hervorgeht. Ihre Haltung begründet
sie unter anderem mit der neueren Kritik der Staatsrechtslehre an den
ausseramtlichen Wahlzetteln. Von einem Teil der Professorenschaft wird
demnach geltend gemacht, dass die ausseramtlichen Wahlzettel zu einer
Vermischung des Majorz- mit dem Proporzsystem führen. Es bestehe
die Gefahr der Irreführung der Wähler. So sei etwa nicht auszuschliessen,
dass diese bei einer Regierungsratswahl einen ausseramtlichen Wahlzettel
mit zum Beispiel vier vorgedruckten Kandidaten unverändert einlegten,
und zwar in der Meinung, damit ihre gesamte Stimmkraft ausgeschöpft
zu haben.
Möglicher Wechsel zum Proporz
Die Überprüfung der heutigen Regelung will die Regierung jedoch
koordiniert angehen: Sie soll gekoppelt werden mit hängigen Prüfungsaufträgen
des Parlaments, die den Wechsel zu einer Proporzwahl des Regierungsrats
fordern. Daneben weist die Regierung darauf hin, dass das heutige Verfahren
auch anders geändert werden könnte als durch die ersatzlose
Abschaffung der ausseramtlichen Wahlzettel. So könnten etwa ausseramtliche
Zettel weiter zugelassen werden, jedoch zwingend mit zwei (Ständerat)
beziehungsweise sieben (Regierungsrat) Positionen, etwa mit vier Kandidatennamen
und drei leeren Linien bei der Regierungsratswahl.
Zur Diskussion stellt die Regierung auch amtliche Wahlzettel mit allen
angemeldeten Kandidatinnen und Kandidaten. Die Stimmberechtigten könnten
dann zwei beziehungsweise sieben von ihnen ankreuzen.
Noch in diesem Monat im Parlament
Den Motionären sichert der Regierungsrat zu, die hängigen Überprüfungsarbeiten
so zu organisieren, dass eine neue Regelung bei den ausseramtlichen Wahlzetteln
noch vor den Regierungsratswahlen im Jahr 2010 in Kraft gesetzt werden
könnte. Der Grosse Rat debattiert in der Novembersession über
den Vorstoss. (sda)
Berner Zeitung 8.11.07 Kanton Bern
Streit um die Wahlzettel
Wieder gibt es Diskussionen um die Wahlzettel bei den Majorzwahlen in
den Regierungs- und den Ständerat. EVP- und EDU-Grossräte fordern,
dass künftig keine «ausseramtlichen» Zettel mit vorgedruckten
Namen mehr zugelassen werden. Das Gesetz soll vor den kantonalen Wahlen
2010 abgeändert werden. Ausseramtliche Zettel kommen insbesondere
bei «Päckli» mehrerer Parteien zum Einsatz.
Der Regierungsrat will die Forderung detaillierter prüfen, wie gestern
bekannt wurde. Der Grosse Rat diskutiert das Thema übernächste
Woche. Denkbar wäre laut Regierung unter anderem die Einführung
amtlicher Wahlzettel, auf denen sämtliche Kandidierenden aufgeführt
werden. Die Wähler könnten dann die zwei (Ständerat) oder
sieben (Regierungsrat) ankreuzen, die sie wählen wollen. fab
sda 7.11.07 Kanton Bern, Wahlzettel
Regierung will Änderung prüfen
Im Kanton Bern erlebt die Diskussion um die ausseramtlichen
Wahlzettel bei den Regierungs- und Ständeratswahlen eine Neuauflage.
Die Regierung will die Abschaffung der von den Parteien vorgedruckten
Zettel zumindest prüfen.
Bereits 1995 und 2003 hatte der Grosse Rat über die Zulässigkeit
der ausseramtlichen Wahlzettel diskutiert - Vorstösse aus Kreisen
von Linken und Grünen zur Abschaffung der ausseramtlichen Wahlzettel
lehnte das Kantonsparlament damals ab. Die Kritik ist deshalb nicht verstummt:
Grossräte aus EVP und EDU lancierten Ende 2006 zusammen mit 31 Mitunterzeichnern
einen weiteren Vorstoss zur Abschaffung der ausseramtlichen Zettel. (...)
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