Hier finden Sie die Fragen, die ich für die Fragestunde vom 27.11.07 eingereicht habe.
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Bund 04.11.09 / Kommentar von Markus Dütschler

Werte schaden der Schule nicht

Christliche Fundis unterwandern die Pädagogischen Hochschulen und das Schulsystem, wo sie Gehirnwäsche an Kindern betreiben. So lautet – zugespitzt – das Szenario, das manche Zeitungsartikel und Fernsehsendungen in letzter Zeit vermittelt haben. Wenn dem so wäre, müsste eingeschritten werden, denn die Schule ist keine religiöse Lehranstalt, sondern eine staatliche Bildungsstätte: Kinder mit christlichem, konfessionslosem, jüdischem, muslimischem oder einem andern Hintergrund sollen hier die Bildungsbasis für ihr Leben erhalten.
Der Lehrberuf ist kein Schleck. Nur wenige Pädagogen üben ihn bis zur Pensionierung aus, Burnouts und der oft frustrierte Rückzug aus dem Schuldienst sprechen eine deutliche Sprache. An einigen Brennpunkten droht die Schule an gesellschaftlichen Problemen zu ersticken: Drogen, Vandalismus, Gewalt, Pornografie, sexuelle Übergriffe, zerrüttete Familien, Disziplinlosigkeit. Gleichzeitig wird der Schule die Rolle eines gesellschaftlichen Reparaturbetriebs zugeschoben, an der sie nur scheitern kann: Sie soll Kindern Anstand und sonstige Grundtugenden beibringen, Migrations- und Integrationsprobleme lösen und sogar ein Frühstück servieren, wenn die Kinder zu Hause keines bekommen haben. Wenn sich Lehrkräfte also dieser Aufgabe verschreiben, beweisen sie Mumm. Bleibt die Frage, weshalb es – vagen Schätzungen zufolge – überproportional viele bekennende Christinnen und Christen ins Schulzimmer zieht, in dem das Schulgebet längst abgeschafft ist. Da es ihnen gesetzlich nicht erlaubt ist, Schüler religiös zu beeinflussen, sie in Gewissenskonflikte zu stürzen oder sich abfällig über andere Orientierungen zu äussern, ist für plakative Mission kein Platz. Erlaubt und vom Gesetz gedeckt ist das Vorleben von christlichen Werten – wobei hier kein christliches Monopol auf Werte postuliert werden soll. In einer Diskussion mit älteren, mündigeren Schülern darf ein Lehrer auch den eigenen Standpunkt deklarieren.
In den 1970er-Jahren wurden linke Lehrer entlassen – nicht etwa, weil sie eine Verfehlung begangen hatten: Schulbehörden unterstellten ihnen eine Art subversiver Ausdünstung. Das allein genügte. Diesen Fehler sollte man nicht wiederholen. Es darf nicht skandalisiert werden, wenn in einem seit über 1000 Jahren christlich geprägten Land Lehrkräfte auch im Beruf zu ihrer christlichen Identität stehen. Lehrpersonen mit Halt, Haltung und Gelassenheit, die souverän mit anderen Meinungen umgehen können, sind für die Schule – und womöglich nicht nur dort – ein Gewinn.

 

SF Rundschau 07.10.2009

Gläubige Lehrer

Alarm an der Zürcher Pädagogischen Hochschule. Zahlreiche Studenten gehören freikirchlichen Bewegungen an. Streng gläubige Lehrer sind schweizweit vernetzt mit dem Ziel, Schulkindern ihren fundamentalistischen Glauben zu vermitteln. Konflikte zwischen Missionsarbeit und offiziellem Lehrplan zeichnen sich ab. (Link).

 

Berner Zeitung 19.08.08 Kanton

Kritik ohne Grundlage?

Das Schullehrmittel «NaturWert» wird wieder kritisiert. Doch diesmal sieht der Regierungsrat keinen Grund, einzuschreiten.
«Setzen Sie das Lehrmittel nicht in der Klasse ein. (...) Schreiten Sie im Sinne der Aufklärung ein, wenn Ihre Kolleginnen und Kollegen im Schulhaus auf ‹NaturWert› hereinfallen oder wenn sie gar kreationistische Aussagen verbreiten», fordern Physiker Beat Weber und Biologin Martina Meier, Lehrkräfte am Gymnasium Köniz-Lerbermatt, die Lehrkräfte von 7. bis 9.Klassen zum Widerstand auf. Damit steht das Lehrmittel «NaturWert» des Berner Schulverlags erneut in der Kritik. Im Herbst 2007, als Naturwissenschaftler kritisierten, das Lehrmittel stelle die wissenschaftliche Evolutionstheorie der biblischen Schöpfungsgeschichte gegenüber, schritt Regierungsrat Bernhard Pulver ein. Das umstrittene Kapitel wurde zurückgezogen, das Lehrmittel überarbeitet und neu aufgelegt.
Was also ist schief gelaufen, dass die beiden Lehrkräfte von einem Skandal sprechen? «Die Kritik der Lehrkräfte verstehe ich nicht», sagt Bildungsdirektor Pulver. Er habe das geänderte Lehrmittel genau studiert, ohne einen wunden Punkt zu finden. Peter Uhr, Leiter des Schulverlags, kann sich die Kritik nur damit erklären, dass die Lehrkräfte sich auf eine nicht vollständig revidierte Ausgabe des Lehrmittels abgestützt haben: «An die neuen Inhalte können die Vorwürfe nicht gerichtet sein, weil diese das Thema Evolution gar nicht mehr thematisieren.» Nur der Lehrerkommentar ist nicht gänzlich neu, sondern das neu verfasste Kapitel wurde den Bestellern von «NaturWert» mit der Bitte um Einlage zugesandt. ue

 

DRS Regionaljournal BE FR VS 8.11.2007, 17.30 Uhr

Glaubenskrieg um ein neues bernischen Schul-Lehrmittel - der Erziehungsdirektor handelt.
Die Wissenschaft bemängelt, der religiöse Schöpferglaube werde in einem neuen bernischen Schul-Lehrmittel zu stark gewichtet im Vergleich zur naturwissenschaftlich anerkannte Evolutionstheorie. Der Erziehungsdirektor Bernhard Pulver bereitet dem Streit ein Ende. Das Lehrbuch wird überarbeitet. (Link 3:16).

 

Info 3, 08. November 2007, 17.00-17.20 h, DRS 3 und DRS 4 News

Ein Berner Schulbuch mit umstrittenen, biblischen Passagen muss umgeschrieben werden. (Link ab 2:04 und 12:08)

 

Berner Rundschau 28.11.07 Kanton

(...) «NaturWert» verunsichert

Die zwei EVP-Grossräte Marc Jost (Thun) und Ruedi Löffel (Münchenbuchsee) sowie Christoph Ammann (SP/Meiringen) brachten die widersprüchlichen Medienmeldungen zum Lehrmittel «NaturWert» des Bernischen Lehrmittelverlages aufs Tapet. Experten hatten kritisiert, das Lehrmittel stehe den Kreationisten nahe. Diese in Amerika tätige Bewegung stellt die Evolutionslehre Darwins infrage und will der Schöpfungslehre der Bibel mehr Gewicht verleihen. Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) sagte, er habe nach gründlichem Durchlesen des fraglichen Abschnitts entschieden, dass das Lehrmittel zu überarbeiten sei. «Damit habe ich meine Verantwortung als Erziehungsdirektor wahrgenommen», sagte Pulver.
Der Regierungsrat wolle, dass die Lehrkräfte die Entstehung des Lebens auf der Grundlage von wissenschaftlichen Fakten behandeln. «Das schliesst nicht aus, dass auch religiöse und ethische Aspekte gelehrt werden. Was auch stattfindet.» Die Schöpfungsgeschichte sei in unserem Kulturraum wichtig und müsse im Unterricht Platz haben. «Wichtig ist jedoch auch, dass Religion und wissenschaftliche Fakten nicht gegeneinander ausgespielt werden.» (...)

 

sda 27.11.07

Heikle Mischung aus Religion und Wissenschaft

Das Lehrmittel «NaturWert» ist heute Dienstagmorgen wegen einer umstrittenen Passage zur Evolutionstheorie in der Fragestunde des Grossen Rates zur Sprache gekommen. Erziehungsdirektor Bernhard Pulver sagte, die Vermischung von Religion und Wissenschaft sei heikel.
Pulver erklärte, er habe den Entscheid betreffend Überarbeitung der in die Kritik geratenen Passage nach genauer Lektüre getroffen. Die Erziehungsdirektion sei letztlich verantwortlich für die Lehrmittel. Er habe den Entscheid nach Rücksprache mit Verantwortlichen des Verlags getroffen.
Aufgabe dieses Lehrmittels sei der naturwissenschaftliche Blick auf die Entstehung der Welt. Im Unterricht habe auch die religiöse Betrachtungsweise Platz, nur sollten die beiden Sichtweisen nicht vermischt werden.
Fachleute hatten dem Lehrmittel vorgeworfen, es sei kreationistisch eingefärbt. Die in den USA entstandene Bewegung der Kreationisten zweifelt die Evolutionslehre Darwins an und fordert, dass im Biologieunterricht die Schöpfungslehre der Bibel deutlich stärker gewichtet wird.
Fragen zum Lehrmittel hatten gestellt Marc Jost (EVP/Thun), Ruedi Löffel (EVP/Münchenbuchsee) und Christoph Ammann (SP/Meiringen).

 

Bund 21.11.07 Kanton

Noch nicht ausdiskutiert

Das Faltblatt, auf dem die Schöpfungsgeschichte der Evolutionstheorie gegenübersteht, werde dem Lehrmittel «Naturwert» «bis auf weiteres nicht mehr beigelegt». Dies hatten Erziehungsdirektion und Berner Schulverlag nach heftigen Protesten in einer gemeinsamen Presseerklärung mitgeteilt. Tatsache ist aber, dass der Schulverlag gar nicht daran denkt, das umstrittene Faltblatt zu entfernen. Im Gegenteil: Er hat es gar noch für alle zugänglich auf seiner Internet-Seite publiziert. «Die Bestellungen, die zurzeit eingehen, stammen von Personen, die sich ein eigenes Urteil bilden wollen», schreibt Verlagsleiter Peter Uhr einem erstaunten Kunden. Bei telefonischen Bestellungen werde gar explizit gewünscht, den «inkriminierten Themenbogen» auch zu erhalten.
Beim Schulverlag ist der Kunde also König und die Erziehungsdirektion hat das Nachsehen. Von dem, was ursprünglich wie eine griffige Massnahme der obersten Bildungshüter zur Beendigung des Konflikts ausgesehen hat, bleibt somit nicht mehr viel übrig. (...) Am 19. Dezember wird nun zunächst an einer öffentlichen Tagung über Evolution und Schöpfung diskutiert. Anfang 2008 soll die überarbeitete Version dann vorliegen. Wer die Kosten übernimmt, muss aber wohl noch ausdiskutiert werden. Reto Wissmann

 

Berner Zeitung 20.11.07 Kanton

Umstrittene Seite ist noch drin

Wer das Schulbuch «NaturWert» bestellt, erhält noch die unzensurierte Fassung. Bildungsdirektor Bernhard Pulver hatte vor Wochenfrist erklärt, die umstrittene Seite zu Schöpfung und Evolution sei entfernt worden.
Es scheidet die Geister, das Lehrmittel «NaturWert» für 7. bis 9. Klassen der Volksschule (wir berichteten). Jetzt sorgt das Schulbuch für den Natur-Mensch-Mitwelt-Unterricht (NMM), das auf einer Seite den Schöpfungsglaube der Evolutionstheorie gegenüberstellt, auch im Grossen Rat für Gesprächsstoff. Erwin Sommer (Melchnau) hat namens der EVP-Fraktion eine Interpellation eingereicht, in welcher er Erziehungsdirektor Bernhard Pulver neun Fragen stellt. Zu diesen hat Pulver in einem Interview mit dieser Zeitung teilweise bereits Stellung genommen. Die EVP wird auch noch in der grossrätlichen Fragestunde nachdoppeln.
«Die Erziehungsdirektion wollte auf keinen Fall ein Zeichen für den Kreationismus setzen», sagte Pulver vor Wochenfrist. «Darum habe ich letztlich ganz pragmatisch entschieden und das Faltblatt aus dem NMM-Lehrmittel ‹NaturWert› entfernen lassen.» Doch dass das Faltblatt zum Thema Schöpfung und Evolution jetzt nicht mehr Teil des neuen Schulmittels sei, wie Pulver gesagt hat, entspricht nicht der Realität.

Noch keine neue Fassung
«Jetzt ausgelieferten Lehrmitteln legen wir einen Zettel bei, auf dem der Sachverhalt erläutert wird. Sobald der Themenbogen neu überarbeitet ist, werden wir diesen allen Bestellern nachliefern», sagt Peter Uhr, Verlagsleiter des bernischen Lehrmittelverlags. Das heisst: Die umstrittene Passage ist noch drin.
«Wer in den letzten Tagen das Lehrmittel ‹NaturWert› bestellt hat, verlangte ausdrücklich die ursprüngliche, jetzt umstrittene Fassung», erklärt Uhr. «Im Moment haben wir von Schulen noch keine Bestellungen von ganzen Klassensätzen.»
Derzeit werde der in die Kritik geratene Themenbogen, wie mit der Erziehungsdirektion vereinbart, überarbeitet, sagt Uhr. Der Text werde so geändert, «dass niemand mehr davon ausgehen kann, dass wir den Schöpfungsglaube und die Evolutionstheorie gleichsetzen wollten».

In St.Gallen kein Problem
Dass es eine thematische Gratwanderung sei, ist sich Verlagsleiter Uhr bewusst. Jedoch sei es gerade die Idee dieses Lehrmittels, Werthaltungen, Werturteile, Positionierungen zu einem umstrittenen gesellschaftspolitischen Thema darzustellen.
Dass das Lehrmittel «NaturWert» jetzt zu einem kantonalbernischen Politikum wird, erstaunt Peter Uhr nicht. Dies sei jedoch die falsche Ebene: «Die Schaffung von Lehrmitteln für die Volksschule kann künftig kaum mehr auf kantonaler Ebene, sondern muss vermehrt gesamtschweizerisch – im Rahmen von HarmoS – gelöst werden.»
Übrigens: In anderen Kantonen, zum Beispiel St.Gallen, hat das neue Lehrmittel für Sekundar- und Realschulen keine Kontroversen ausgelöst. Urs Egli

 

Berner Rundschau 9.11.07 Kanton

Pulver nimmt Kritik ernst

Die Kritik am bernischen Oberstufen-Lehrmittel «NaturWert» zeigt Wirkung: Die kantonale Erziehungsdirektion (ERZ) will die umstrittene Passage zur Entwicklung des Lebens auf der Erde überarbeiten lassen. Die ERZ ist der Meinung, dass eine sensiblere Darstellung der beiden Erklärungsansätze zum Entstehen von Universum, Erde und Leben notwendig ist, wie das kantonale Amt für Information gestern mitteilte. In einem naturwissenschaftlichen Lehrmittel gehöre die biblische Schöpfungslehre nicht auf die gleiche Stufe wie die Evolutionstheorie von Charles Darwin. (...)

EVP: «Überstürzte Reaktion»
Die EVP des Kantons Bern hat die «überstürzte Reaktion» von Erziehungsdirektor Bernhard Pulver bedauert. Es sei «falsch und unangemessen», dass ein paar mediale Äusserungen ausserkantonaler Wissenschafter gereicht hätten, um eine Überarbeitung zu verordnen. Die EVP verlangt, das zensurierte Faltblatt sei weiter zu verwenden. Sowohl die Evolutionstheorie wie die biblische Schöpfungsgeschichte könnten Lernende dazu anregen, sich über die Entstehung des Lebens eine Meinung zu bilden. (sda)

 

«Der Bund» 9.11.07 Wissen / Leserbriefe

Blatt wird überarbeitet

Das umstrittene Faltblatt des neuen Lehrmittels «NaturWert» muss überarbeitet werden. Dies haben Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (grüne) und der Berner Schulverlag gestern beschlossen. Die Trennung von wissenschaftlicher Erkenntnis und Religion sei zu wenig deutlich, heisst es in einer Mitteilung. In einem naturwissenschaftlichen Lehrmittel dürfe der Schöpfungsglaube nicht auf die gleiche Stufe wie die Evolutionstheorie gestellt werden. Das Faltblatt «Schöpfung und Evolution» werde dem Lehrmittel ab sofort nicht mehr beigelegt. Stattdessen erhalten die Kunden ein Informationsblatt mit Hinweisen zur Einordnung der Theorien. Wer die Kosten trägt und bis wann das überarbeitete Faltblatt vorliegt, ist noch nicht klar.
Die EVP verurteilte gestern die «überstürzte Reaktion des Erziehungsdirektors» und verlangte, das «zensurierte» Faltblatt sei weiter zu verwenden. «Evolutionstheorie und Schöpfungsgeschichte können Lernende dazu anregen, über die Entstehung des Lebens zu diskutieren und sich eine eigene Meinung zu bilden», schreibt die EVP. Weiterhin gehen auch zahlreiche Reaktionen aus der Leserschaft beim «Bund» ein.

Wäre Darwin heute Darwinist?

Jahrelang habe ich den Schülern den biblischen Schöpfungsbericht und die Evolutionstheorie miteinander vorgestellt. Weder ich noch sie hatten je ein Problem damit. Im Unterricht war es mir immer wichtig, Theorie, wissenschaftliche Tatsachen und biblische Aussagen klar zu deklarieren. Genau das wurde aber jahrzehntelang in Schulbüchern und an unseren Schulen nicht so vermittelt. Die Evolutionstheorie wurde zur wissenschaftlich fundierten Wahrheit erklärt und die Möglichkeit, dass hinter der gewaltigen kreativen Vielfalt unserer Erde ein Schöpfer stehen könnte, völlig ausgeblendet. Dass sich nun gegen ein Lehrmittel, das verschiedene Aspekte aufzeigen möchte, derart Widerstand regt, zeigt, dass die Evolutionstheorie längst keine Theorie mehr ist, sondern zur neuen Religion erhoben wurde. Marlise Rothenbühler, Tägertschi

 

«Der Bund» 7.11.07 Front / Kanton / Leserbriefe

Kontroverse um Lehrmittel

Um das neuste Lehrmittel des Berner Schulverlags ist eine Grundsatzdiskussion entbrannt. Darf die biblische Schöpfungsgeschichte der Evolutionstheorie gegenübergestellt werden? Das sei nur richtig und fair, da die Evolution lediglich eine unbewiesene Theorie sei, schreibt EVP-Grossrat Ruedi Löffel in einem Leserbrief. Die Berner SP-Fraktionschefin Giovanna Battagliero sieht das ganz anders: «Es wird gefährlich, wenn Weltanschauung und Wissenschaft als gleichwertig gegenübergestellt werden.» Die Kontroverse hat bereits innerhalb des Autorenteams von «NaturWert» begonnen. Eine Autorin mit evangelikalem Hintergrund hat sich für eine prominente Stellung des Schöpfungsglaubens stark gemacht, sei dann aber «ausgewechselt» worden, wie der Projektleiter sagt. Und eine reformierte Theologin konnte grundsätzlich nicht hinter dem Konzept des Lehrmittels stehen und habe sich deshalb zurückgezogen. (rw) Seiten 10, 27

Aufregung über Lehrmittel

Schöpfung und Evolution vertragen sich schlecht – der Streit um «NaturWert» ist entbrannt
Schon bei der Erarbeitung des neuen Lehrmittels sind die Meinungen von Freikirchlern und reformierten Theologen aufeinander geprallt. Das Endprodukt des Schulverlags sorgt nun weiter für Diskussionen. Reto Wissmann
«NaturWert», das neuste Lehrmittel des Berner Schulverlags, ist Teil der etablierten Reihe «Lernwelten Natur-Mensch-Mitwelt». Da es zudem das Gütesiegel der Interkantonalen Lehrmittelzentrale (ILZ) trägt, käme es im Normalfall in vielen Kantonen unbesehen auf die offizielle Lehrmittelliste. Die Kritik eines Professors der Pädagogischen Hochschule Luzern, der im Oberstufen-Lehrmittel kreationistische Tendenzen festgestellt hat, löst nun aber eine emotionale Grundsatzdiskussion über «NaturWert» aus.
Das Lehrmittel will Schülerinnen und Schüler animieren, sich mit kontroversen Themen wie der Gentechnik, den Tierrechten oder eben der Frage nach dem Ursprung des Lebens auseinanderzusetzen («Bund» von gestern). Antworten, was richtig und was falsch ist, gibt es nicht. Auf einem Faltblatt für die Schülerinnen und Schüler zur Entstehung des Lebens wird Darwins Evolutionstheorie dem biblischen Schöpfungsglauben gegenübergestellt. (...)
Nicht zuletzt wegen der Kritik einer reformierten Theologin, die in der fachlichen Begleitgruppe mitgewirkt hatte, wurde der Themenbereich überarbeitet. (...)

Segen der Erziehungsdirektion?
(...) der Generalsekretär der Erziehungsdirektion fand die Überarbeitung nicht ausreichend. Er persönlich würde das Faltblatt für die Schüler neu drucken und deutlicher zwischen Wissenschaft und Glaube unterscheiden, sagt Robert Furrer. Im Verlag habe offenbar niemand die Brisanz des Themas erkannt. Bruno Bachmann spielt den Ball jedoch zurück: «Herr Furrer hat die endgültige Version des Lehrmittels abgesegnet, sonst hätten wir das sicher nicht so gedruckt.» Ein Entscheid, ob die Erziehungsdirektion eine Überarbeitung des Lehrmittels verlangt, ist noch nicht gefallen. Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (grüne) wird sich aber damit beschäftigen müssen.
Obschon noch kaum jemand das druckfrische Lehrmittel gesehen hat, füllt das Thema bereits die Leserbriefspalten (siehe Seite 10). Auch Politikerinnen und Politiker schalten sich in die Debatte ein und stecken das breite Spektrum an Meinungen ab: «Angesichts der Tatsache, dass es sich bei der Evolutionslehre um eine unbewiesene Theorie handelt, finde ich die Kritik am Lehrmittel unangebracht. Es ist richtig und fair, dass im Zusammenhang mit der Entstehung der Arten nicht ausschliesslich die Evolutionstheorie, sondern auch die biblische Schöpfungsgeschichte als Erklärungsversuch erwähnt wird», schreibt beispielsweise EVP-Grossrat Ruedi Löffel. Ganz anderer Meinung ist die Berner SP-Fraktionschefin Giovanna Battagliero: «Die kritische Darstellung alternativer Sichtweisen zu einem kontroversen Thema ist nichts Schlechtes. Gefährlich wird es dann, wenn Weltanschauung und Wissenschaft als gleichwertig gegenübergestellt werden. Denn was ist der nächste logische Schritt? Lassen wir die Schulkinder bald zwischen Physik und Magie frei wählen?»

Kontroversen um ein Schulbuch

«Schulverlag zwischen Religion und Wissenschaft», «Bund» vom 6. November
Angesichts der Tatsache, dass es sich bei der Evolutionslehre um eine unbewiesene Theorie handelt, finde ich die Kritik am Lehrmittel «NaturWert» unverständlich und unangebracht. Im Gegenteil: Es ist richtig und fair, dass im Zusammenhang mit der Entstehung der Arten nicht ausschliesslich die Evolutionstheorie, sondern auch die biblische Schöpfungsgeschichte als Erklärungsversuch erwähnt wird. Ruedi Löffel Grossrat EVP, Münchenbuchsee

 

«Der Bund» 6.11.07 Front

Der Schöpfungsglaube im Schulzimmer

In seinem neuen Lehrmittel «NaturWert» stellt der Berner Schulverlag Darwins Evolutionstheorie der biblischen Schöpfungsgeschichte gegenüber. Die Kinder sollen sich mit verschiedenen Ideen auseinander setzen und sich eine eigene Meinung bilden, argumentiert der Verlag. In Wissenschaftskreisen regt sich jedoch Kritik. Teile des Lehrmittels seien «typisch kreationistisch» – würden also jenen religiösen Fundamentalisten Vorschub leisten, die die Genesis wörtlich verstanden haben wollen. Dagegen wehrt sich der Verlag vehement. «Wir wollten sicher nicht den Kreationisten eine Plattform bieten», sagt Marketingleiter Daniel Friederich. Die Erziehungsdirektion ist nun jedoch hellhörig geworden, nachdem sie vor der Drucklegung das Lehrmittel abgesegnet hatte. Sie prüft nun, ob die Wissenschaft genügend von der Religion getrennt wurde. Wenn nicht, wird sie vom Schulverlag eine nachträgliche Überarbeitung verlangen.

 

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