Berner Zeitung 27.01.12 / Leserbrief zum Zentrum Paul Klee
«Endlich begreifen»
Um nicht wieder in eine Schuldenspirale zu geraten, muss der Kanton
Bern sparen: Abbau von Lektionen in der Schule, Kürzung von Beiträgen
an Behinderteninstitutionen, Sparen in den Spitälern, der Polizei
und so weiter.
Gleichzeitig die Subventionen fürs Zentrum Paul Klee zu erhöhen
finde ich nicht akzeptabel. Die Verantwortlichen
der grossen Kulturineinrichtungen sollten endlich begreifen, dass nicht
alles Wünschbare auch bezahlbar ist.
Ruedi Löffel, Grossrat EVP, Münchenbuchsee
 
Soll die Abstimmung wiederholt werden oder nicht?
Banger Blick des Präsidenten am 24.01.12
Berner Zeitung 25.01.12 ZENTRUM PAUL KLEE
Zusatzkredit im zweiten Anlauf bewilligt
Zuerst Nein, dann Ja: Die Kunstinstitution erhält nun doch
bis ins Jahr 2015 vomKanton einen jährlichen Zusatzkredit in der
Höhe von 500000 Franken.
Das Zentrum Paul Klee (ZPK) kann aufatmen: Gestern stimmte der Grosse
Rat zusätzlichen Subventionen von insgesamt 2 Millionen Franken zu.
Zuvor war das Chaos allerdings perfekt. Denn noch am Montag sah es schlecht
aus für die jährlichmit 5,6Millionen Franken von Kanton, Stadt
und Regionsgemeinden subventionierte Institution: Zwar lehnte der Grosse
Rat das Ansinnen von EVP und SVP ab, die Unterstützung zu streichen.
(...) Wer nun glaubte, damit sei die Bahn frei für die Subvention,
täuschte sich. Denn Ratspräsident Beat Giauque vergass die entscheidende
Schlussabstimmung. Als er sie zehn Minuten später nachholte, waren
einige Parlamentarier schon weg – obwohl die Sitzung noch eine halbe
Stunde dauerte. Die Verbliebenen lehnten den Zusatzkredit ab.
Erleichterung im ZPK
Gestern kam Ratspräsident Beat Giauque auf den Entscheid zurück
und beantragte, die Abstimmung in allen Punkten zu wiederholen. Nach längerer
Debatte sprach sich das Kantonsparlament dafür aus, lediglich die
Schlussabstimmung zu wiederholen. (...) Schliesslich sprachen sich die
Rätemit 78 Ja zu 68 Nein bei vier Enthaltungen doch noch für
den vierjährigen Zusatzkredit aus – sowie dafür, dass
dieser 2014 und 2015 neu beurteilt werden muss.
Berner Zeitung 24.01.12 ZENTRUM PAUL KLEE
«Fliesst das Geld? Oder doch nicht?»
Erst stimmte der Grosse Rat einem Zusatzkredit für das
Zentrum Paul Klee zu, dann lehnte er ihn ab. Was gilt, ist noch unklar.
Grossratspräsident Beat Giauque (FDP) sorgte für Verwirrung.
Wie wenn die Subventionierung des Zentrums Paul Klee (ZPK) nicht schon
kompliziert genug wäre: Gestern sorgte Grossratspräsident Beat
Giauque (FDP, Ittigen) noch für zusätzliche Verwirrung, indem
er das bstimmungsprozedere einen Moment lang nicht im Griff hatte. Erst
musste das Parlament entscheiden, ob derKanton Bern das ZPK für die
Jahre 2012 bis 2015 jährlich mit zusätzlichen 500000 Franken
unterstützen soll. Die Regierung beantragte einen entsprechenden
Zusatzkredit. EVP und SVP lehnten diesen ganz ab,
die BDP wollte die halbe Million nur für zwei Jahre gewähren.
Der Rat stimmte dem Kompromissvorschlag mit 78 zu 68 Stimmen zu.
Zehn Minuten später
Es war 16 Uhr, die Sitzung dauerte noch eine halbe Stunde, aber einige
Ratsmitglieder verabschiedeten sich vorzeitig. Sie waren nicht mehr da,
als Giauque merkte, dass er die Schlussabstimmung versäumt hatte.
Zehn Minuten später sah es ganz düster aus für das ZPK:
Jetzt lehnte der Rat den Zusatzkredit mit 64 zu 61 Stimmen ab. Die Verwirrung
war gross. Ob das ZPK nun wirklich ohne die zusätzliche halbe Million
auskommen muss, konnte gestern nicht mehr geklärt werden. Ob die
Abstimmung wiederholt wird, erfahren die Grossratsmitglieder heute Morgen.
Bleibt es beim Resultat der Schlussabstimmung, können
sich SVP und EVP als Sieger fühlen. Vorher hatte das Parlament
ihre Ablehnungsanträge noch mit 81 zu 63 Stimmen abgewiesen. (...)
Langenthaler Tagblatt 24.01.12
Zentrum Paul Klee wirft hohe Wellen
Der Grosse Rat hat gestern zum Sessionsauftakt intensiv über zusätzliche
Beiträge an das Zentrum Paul Klee (ZPK) debattiert. Doch nach den
Abstimmungen zu verschiedenen Anträgen herrschte Verwirrung. Konkret
geht es darum: Die Regierung und eine knappe Mehrheit der grossrätlichen
Finanzkommission schlagen dem Parlament vor, für 2012 bis 2015 zusätzliche
Beiträge von 500000 Franken jährlich ans ZPK zu bewilligen.
Schon für 2008 bis 2011 erhielt das Zentrum zusätzliche 350000
Franken jährlich vom Kanton. Zu der Erhöhung der Zusatzbeiträge
gab es Abänderungsanträge. (...) SVP und EVP wollten den Kredit
gänzlich ablehnen. Dieser Antrag kam mit 63 zu 81 Stimmen bei 3 Enthaltungen
ebenfalls nicht durch.
(...) Eine generelle Schlussabstimmung gab es zunächst nicht. Dazu
kam es gut fünf Minuten später, als bereits das nächste
Geschäft debattiert wurde. Grossratspräsident Beat Giauque (FDP)
war auf das ZPK-Geschäft zurückgekommen, nachdem eine fehlende
Schlussabstimmung bemängelt worden war. Eine solche ist nötig,
weil das Kreditgeschäft dem fakultativen Referendum untersteht. Zu
diesem Zeitpunkt– eine Viertelstunde vor dem offiziellen Ende des
Sessionsnachmittags – sassen mehrere Ratsmitglieder schon nicht
mehr an ihren Plätzen. Dann die Überraschung: Der Antrag des
Regierungsrats wurde ebenfalls abgelehnt; mit 61 Ja- gegen 64 Nein-Stimmen
bei 4 Enthaltungen. Die widersprüchlichen Abstimmungsresultate und
die nachträgliche Schlussabstimmung sorgten für Verwirrung im
Ratssaal. «Es ist mein Fehler: Der Grosse Rat muss heute entscheiden,
ob er die Schlussabstimmung wiederholen will», räumte Giauque
gegenüber dem az Langenthaler Tagblatt ein.
«Leuchtturm» mit Geldbedarf
Die vorgeschlagene Erhöhung der zusätzlichen Gelder gab viel
zu reden. (...) Für die EVP gehe es um eine
Grundsatzfrage, sagte etwa Ruedi Löffel (EVP/Münchenbuchsee).
Man könne nicht bei zentralen Staatsaufgaben wie den Schulen sparen
und freiwillige Ausgaben aufstocken. (...).
NZZ online 23.01.12
«Leuchtturm» mit Geldproblemen
Das bernische Kantonsparlament hat am Montagnachmittag intensiv
über zusätzliche Beiträge an das Zentrum Paul Klee debattiert.
Doch nach den Abstimmungen zu verschiedenen Anträgen herrschte Verwirrung.
Ein definitiver Entscheid blieb aus.
Konkret geht es darum: Die Berner Regierung schlägt dem
Parlament vor, für 2012 bis 2015 zusätzliche Beiträge von
500'000 Franken jährlich ans Zentrum Paul Klee in Bern zu bewilligen.
Schon für 2008 bis 2011 erhielt das Zentrum zusätzliche 350'000
Franken jährlich vom Kanton.
Zu der Erhöhung der Zusatzbeiträge gab es am Montag im Grossen
Rat Abänderungsanträge. (...) SVP und
EVP wollten die Zahlung zusätzlicher Mittel gänzlich ablehnen.
Dieser Antrag kam auch nicht durch.
Eine generelle Schlussabstimmung gab es zunächst nicht. Dazu kam
es gut fünf Minuten später, als bereits das nächste Geschäft
debattiert wurde. Grossratspräsident Beat Giauque war auf das Zentrum
Paul Klee zurückgekommen, nachdem eine fehlende Schlussabstimmung
bemängelt worden war. Zu diesem Zeitpunkt - eine Viertelstunde vor
dem offiziellen Ende des Sessionsnachmittags - sassen mehrere Ratsmitglieder
schon nicht mehr an ihren Plätzen. Dann die Überraschung: Der
Antrag des Regierungsrats wurde ebenfalls abgelehnt; mit 61 Ja- gegen
64 Nein-Stimmen bei vier Enthaltungen. Die widersprüchlichen Abstimmungsresultate
und die nachträgliche Schlussabstimmung sorgten für Verwirrung
im Ratssaal. Nun will der Grosse Rat am Dienstag beraten, ob die Schlussabstimmung
wiederholt werden soll.
«Fass ohne Boden»
Die vorgeschlagene Erhöhung der zusätzlichen Gelder gab viel
zu reden. Zwar waren sich die meisten Fraktionssprecher einig, dass das
Zentrum Paul Klee ein Leuchtturm im kulturellen Angebot der Region Bern
sei. Doch einige sprachen auch von einem Fass ohne Boden oder einem Löcherbecken.
Für die EVP gehe es um eine Grundsatzfrage,
sagte etwa Ruedi Löffel-Wenger (EVP/Münchenbuchsee). Man könne
nicht bei wichtigen Aufgaben wie den Schulen sparen und freiwillige Ausgaben
aufstocken, die nicht zu den zentralen Staatsaufgaben gehörten.
(...)
Angebot halten können
Regierungspräsident Bernhard Pulver (Grüne) lehnte es ab, von
einem Fass ohne Boden zu sprechen. Von Anfang an sei man beim Zentrum
Paul Klee von einem jährlichen Subventionsbedarf von sechs Millionen
Franken ausgegangen. Dabei habe es aber effektiv immer etwas weniger gegeben.
Dies habe am Anfang zwar gut funktioniert, fügte er an. Doch nun
sollten die zusätzlichen Beiträge sicherstellen, dass das Zentrum
Paul Klee seine Finanzen im Gleichgewicht und das bereits reduzierte Angebot
halten könne. Gemäss dem Subventionsvertrag 2012-2015 stehen
dem Zentrum Paul Klee jährlich 5,65 Millionen Franken zu. Der bereits
bewilligte Anteil des Kantons beträgt rund 2,8 Millionen.
Kurzinformation aus dem Regierungsrat 22.12.11
Zentrum Paul Klee: Rückzug des Investitionsbeitrags 2012-2015
Der Regierungsrat des Kantons Bern zieht den Investitionsbeitrag 2012-2015
für das Zentrum Paul Klee zurück und lässt das Geschäft
überarbeiten, das der Grosse Rat in der Januarsession 2012 beraten
sollte. Der Rückzug erfolgt, weil die Finanzkommission die Rückweisung
an den Regierungsrat beantragt hat. Ihrer Ansicht nach müssen zuerst
die Zuständigkeiten geklärt, die zweckgebundene Verwendung der
kantonalen Beiträge sichergestellt und der Standard des Unterhalts
überprüft werden.
Bund 14.12.11
Die Foundation hat kein Geld für den Unterhalt
Was bisher wohl niemandem so recht bewusst war, ist eine Tatsache:
Die jährlich sechs Millionen Franken ans Zentrum Paul Klee decken
nicht alles ab. Die Kosten für die Werterhaltung des 120-Millionen-Franken-Baus
kommen separat dazu. Und das wird teuer.
Selbst erfahrene Grossräte wundern sich. Seit Jahren sieht
sich das Kantonsparlament mit Zusatzforderungen des Zentrums Paul Klee
(ZPK) konfrontiert. Und plötzlich taucht noch eine weitere Forderung
auf: 1,6 Millionen Franken soll der Grosse Rat bewilligen «zur Behebung
des aufgeschobenen Unterhaltsbedarfs». Er sei überzeugt, dass
der grösste Teil der Ratsmitglieder geglaubt habe, mit jährlich
sechs Millionen sei alles abgedeckt, sagt Ruedi Löffel, Mitglied
der Finanzkommission (Fiko). Fiko-Mitglied Bethli Küng bestätigt
es: «Mir ist das erst jetzt bewusst geworden.»
Dass die öffentliche Hand auch für den Unterhalt zuständig
ist, dürfte nicht nur Grossräte erstaunen. Und doch ist die
Sache aus vertraglicher Sicht klar – auch wenn die betreffende Formulierung
eigenartig klingt: «Als Eigentümerin», heisst es zunächst
im Vortrag des Regierungsrats, «ist grundsätzlich die Maurice
E. and Martha Müller Foundation (MMMF) für die Instandsetzung
der Liegenschaft zuständig.» Vertraglich sei aber festgehalten,
heisst es dann lapidar, dass Stadt und Kanton Bern dafür aufzukommen
hätten, «soweit die MMMF nicht über die erforderlichen
Mittel verfügt, was der Fall ist».
Mit dem Bau des Zentrums habe die MMMF ihren Zweck erfüllt, sagt
Peter Fischer, der neue Direktor des ZPK. Der Betrieb und der Unterhalt
seien zwei verschiedene Dinge. Wenn es Missverständnisse geben sollte,
gelte es diese auszuräumen. Dabei sei er zuversichtlich: Die Rechtsgrundlagen
seien «einwandfrei» und die Begründungen für die
Unterhaltsbeiträge «einleuchtend».
«Nur das Teuerste war gut genug»
Der Fiko haben die Begründungen allerdings noch nicht ganz eingeleuchtet.
Auch wenn Präsident Heinz Siegenthaler einräumt, ihm sei es
seit jeher «halb bewusst» gewesen, dass letztlich auch der
Unterhalt von der öffentlichen Hand zu bezahlen sei. Würden
die Subventionsgeber davon abrücken wollen, verstiesse dies gegen
Treu und Glauben. Vorerst hat die Fiko den Unterhaltsbeitrag an die Regierung
zurückgewiesen. Diese soll gewährleisten, dass die Mittel zweckgebunden
eingesetzt werden.
Jeder Besucher des Zentrums sieht, dass Architekt Renzo Piano sich nicht
mit Stangenware zufrieden gegeben hat. Was beim Neubau teuer war, ist
es auch im Unterhalt. So besitzt «jeder einzelne Meter der insgesamt
4,2 Kilometer Stahlträger eine andere Form», heisst es in den
Unterlagen. EVP-Grossrat Ruedi Löffel, der
schon 2008 eine langfristige Zusatzfinanzierung scharf bekämpfte,
verlangt auch jetzt, das ZPK müsse sich beim Unterhalt die «Luxus-Frage»
stellen. Beim Bau «war nur das Teuerste gut genug».
Jetzt gelte es zu prüfen, wo beim Unterhalt gespart werden könne.
Löffel stellt den Zusammenhang her mit der finanziellen Lage des
Kantons: Es sei schwierig zu vermitteln, wenn der
Grosse Rat Schullektionen streichen und bei den Beiträgen an Behindertenorganisationen
«schmürzelen» müsse, während auf der «Kultur-Seite»
immer mehr ausgegeben werde, sagt er.
Mit Ikea-Türen geht es nicht
Auch der Betriebsbeitrag enthält eine Summe, die für den baulichen
Unterhalt des Gebäudes einzusetzen ist. Diese reicht laut dem Regierungsrat
jedoch «bei weitem nicht». Damit liessen sich bloss die nötigsten
Wartungs- und Unterhaltsarbeiten finanzieren. ZPK-Direktor Fischer spricht
dabei vom «kleinen Unterhalt». Die 1,6 Millionen Franken würden
jedoch für grössere Arbeiten benötigt. Der Regierungsrat
hat vorgerechnet, was das langfristig kostet: Bei einer Bausumme von 125
Millionen Franken sollten für Instandhaltung und -setzung erfahrungsgemäss
2,88 Millionen Franken pro Jahr zur Verfügung stehen.
Mit der von Löffel aufgeworfenen «Luxus-Frage» kann Fischer
nicht viel anfangen: «Wir haben keine absurden Wünsche.»
Die Forderungen entsprächen einem Investitionsplan, der den Werterhalt
sicherstelle. Darum gehe es – «niemand will das Zentrum aufrüsten».
Aber selbstverständlich sei das ZPK kein 08/15-Bauwerk – defekte
Türen liessen sich nicht durch Ikea-Modelle ersetzen.
Auf eine andere Diskussion, die Löffel in Bezug auf Sparmöglichkeiten
sähe, will sich Fischer gar nicht erst einlassen: Es geht um das
aufwendige Rahmenprogramm des Zentrums. Löffel sähe hier ein
Sparpotenzial: «Besucher aus dem Ausland kommen hauptsächlich
wegen Klee und nicht wegen der Abendanlässe.» – «Dieses
Thema müssen wir nicht aufgreifen», sagt demgegenüber
Fischer, «sonst sind wir sofort am Punkt, wo es um Grundsatzfragen
geht.»
Bund 04.11.11 / Stefan Wyler
Noch mehr Staatsgeld für das Zentrum Paul Klee?
Der Regierungsrat beantragt zusätzliche Subventionen für
das Zentrum Paul Klee. Das wird im Grossen Rat heiss umstritten sein.
Das Zentrum Paul Klee (ZPK) war ein Geschenk des Starchirurgen
Maurice E. Müller – und anfänglich waren (fast) alle begeistert.
Das 2005 eröffnete 125-Millionen-Bauwerk wurde grösstenteils
aus privaten Mitteln finanziert. Doch nun kostet der Betrieb des Museums
die öffentliche Hand zunehmend mehr.
Laut Subventionsvertrag zahlten Kanton, Stadt Bern und Agglomerationsgemeinden
in den vergangenen Jahren 5,5 Mio. Franken, die Hälfte davon der
Kanton. 2007 sprach der Regierungsrat einen weiteren einmaligen Beitrag
von 960'000 Franken zwecks Defizitdeckung. 2008 bewilligte der Grosse
Rat nicht ohne Murren zusätzliche jährliche Kantonssubventionen
von 350'000 Franken bis 2011 – in der Hoffnung, es sei dies die
letzte Zusatztranche.
Reparaturen am Gebäude nötig
Nun aber beantragt der Regierungsrat (...) erneut mehr Subventionsgeld:
Für die Jahre 2012 bis 2015 soll der Grosse Rat (zur vertraglichen
kantonalen Grundsubvention von 2,8 Mio. jährlich) weitere 500'000
Franken pro Jahr bewilligen. Zusätzlich beantragt der Regierungsrat
einen Investitionskredit von 1,6 Mio. Franken für dringend nötige
Unterhalts- und Instandsetzungsarbeiten. Für diese wäre grundsätzlich
die Maurice E. und Martha Müller Foundation als Eigentümerin
zuständig. Stadt und Kanton Bern müssen aber laut Vertrag einspringen,
wenn die Stiftung das Geld dafür nicht hat, was laut Regierungsrat
der Fall ist.
Das Zentrum habe in den letzten Jahren seinen Gesamtaufwand von 14,4 auf
11,3 Mio. Franken deutlich reduziert, sei aber auf eine Zusatzfinanzierung
angewiesen, begründet der Regierungsrat. Ohne Zusatz-Engagement des
Kantons drohe dem ZPK, das 2010 von 186'000 Leuten besucht worden sei,
ein empfindlicher Leistungsabbau. Seine kulturelle Bedeutung und internationale
Ausstrahlung, die für Stadt und Kanton wichtig seien, wären
infrage gestellt, sagte gestern auf Anfrage Erziehungsdirektor Bernhard
Pulver (Grüne). Man könne, so Pulver, nicht «den Fünfer
und das Weggli» haben – sprich: ein Zentrum von internationaler
Ausstrahlung ohne die nötige Finanzierung. Pulver erinnerte auch
daran, dass nach der geplanten künftigen kantonalen Kulturpolitik
das Klee-Zentrum, das Kunstmuseum Bern und das Freilichtmuseum Ballenberg
als Institutionen nationaler Bedeutung vollständig vom Kanton subventioniert
werden sollen. Der Kanton müsse beim ZPK darum jetzt schon mehr Verantwortung
übernehmen.
Grosse Skepsis unter Grossräten
Im Grossen Rat werden die Zusatzgelder für das ZPK viel zu reden
geben, wie eine Umfrage ergab. «Das kann ja nicht sein», sagte
SVP-Fraktionschef Peter Brand spontan, als er vom Antrag erfuhr. Dieser
werde in der SVP-Fraktion massivste Diskussionen auslösen. Das Ganze
sehe nach einem «Fass ohne Boden» aus, sagte der Präsident
der Finanzkommission, Heinz Siegenthaler (BDP). In
einer Zeit, in der wegen knapper Finanzen im Behinderten- oder im Spitalbereich
gespart werde, müsse man sich schon fragen, «wie wir mit solchen
nicht zwingenden Staatsaufgaben umgehen», meinte EVP-Grossrat Ruedi
Löffel. Nach den von den Bürgerlichen beschlossenen Steuersenkungen
gebe es nun einen Verteilkampf, erklärte SP-Präsident Roland
Näf. «Schwierige Diskussionen» erwartet auch der Präsident
der Grünen, Blaise Kropf. Es dürfte aber gewürdigt werden,
dass in der geplanten Neuausrichtung der kantonalen Kulturpolitik das
ZPK eine wichtige Rolle spielen soll.

Erziehungsdirektor und Antragsteller analysieren
am 9.9.09 das ZPK-Budget.
Bund 10.9.08 / Simon Jäggi
ZPK soll ein Zentrum bleiben
Das Zentrum Paul Klee erhält vom Kanton 350'000 Franken
mehr pro Jahr – noch mehr Geld wird es aber nicht geben. Solle es
seinem Namen gerecht werden, dann brauche das Zentrum jährlich sechs
Millionen Franken Subventionen – das sagt die Leitung schon lange.
Der Kanton ist nun bereit, bis 2011 mehr zu zahlen – mit Bedingungen
allerdings. (...)
Zweifel am Zentrumsgedanken
Dass das ZPK einen Fixstern am bernischen Kulturhimmel darstellt, das
war gestern im Grossrat unbestritten. Zu diskutieren gab in der über
zweistündigen Debatte aber die Frage, was die Ausstrahlung des Zentrums
ausmacht – die Bilder Klees oder das Gesamtangebot des Zentrums,
das neben Ausstellungen auch ein spartenübergreifendes Rahmenprogramm
veranstaltet. «Die meisten Besucher kommen
wegen Klee, die Eigenveranstaltungen locken kaum Leute an», meinte
Ruedi Löffel (evp). Mit seinem Vorschlag, der Kulturinstitution
im Schöngrün nur noch in diesem Jahr einen Beitrag von 350'000
Franken zu gewähren, reichte Löffel den restriktivsten Antrag
ein. (...)
Die bürgerlichen Anträge wurden allesamt abgelehnt – angenommen
wurde aber der Antrag der Steuerungskommission, dass bis 2011 kein zusätzliches
Geld mehr in die ZPK-Kasse fliessen darf. Dass die sechs Millionen Franken
Subventionen genug sein müssten – da waren sich gestern alle
Rednerinnen und Redner einig. In der Schlussabstimmung hiess das Parlament
schliesslich die Subventionserhöhung mit 84 zu 53 Stimmen bei 10
Enthaltungen gut.
Berner Zeitung 10.9.08
Geld für Paul Klee
Die Debatte war hart – am Schluss erhöhte der Grosse
Rat den Kantonsbeitrag an das Zentrum Paul Klee auf 3,1 Millionen Franken.
(…) Mit dem gestrigen Entscheid stellte sich der Grosse Rat hinter
das ZPK und den Regierungsrat. Die Fronten verliefen ungewöhnlich:
Auf der Befürworterseite erhielten SP und Grüne ausgerechnet
von der neuen BDP Sukkurs. Deren Ex-Kollegen von der SVP, die FDP, die
EDU sowie die EVP wollten den Kredit dagegen nicht für vier Jahre
aufstocken.
Am weitesten ging - ebenfalls unerwartet - die EVP, die nur für 2008
mehr Geld sprechen und das ZPK zu Einsparungen auffordern wollte. Ruedi
Löffel (EVP, Münchenbuchsee) begründete dies so: Die allermeisten
Besucher kämen wegen der Klee-Ausstellungen, also könne man
getrost bei den «unrentablen» Rahmenveranstaltungen in den
Sparten Literatur, Tanz, Musik, Theater sparen. (...)
Zuletzt obsiegten die Linke und die BDP. Der Kredit wird für vier
Jahre erhöht - einzige Bedingung: Bis und mit 2011 sind keine weiteren
Beiträge aus ordentlichen Staatsgeldern mehr möglich.
Berner Rundschau 10.9.08
Ausstellungsraum vs. Kulturzentrum
Das Zentrum Paul Klee erhält bis 2011 vom Kanton jährlich
350'000 Franken mehr Subventionen. Der Grosse Rat bewilligte gestern den
Kredit nach stundenlanger Diskussion.
Das Parlament tat sich sehr schwer mit dem Antrag des Regierungsrates:
Der kantonale Subventionsanteil für die Jahre 2008 bis 2011 sei um
350'000 Franken zu erhöhen. Somit steige der jährliche Staatsbeitrag
auf 3,105 Millionen Franken pro Jahr. Erziehungsdirektor Bernhard Pulver
(Grüne) betonte jedoch: «Wir bewilligen nicht einfach mehr
Geld, wir bestellen beim ZPK auch eine entsprechende Leistung.»
Internationale Ausstrahlung
Das ZPK sei neben dem «Ballenberg» die einzige kantonale Kulturinstitution,
die sogar international mithalten könne. Von den angepeilten jährlich
150'000 bis 160'000 Besuchern kommt die Hälfte aus dem Ausland. Pulver
verwies auch darauf, dass er im Zusammenhang mit der Subventionsaufstockung
zusammen mit der Stadt Bern Szenarien habe ausarbeiten lassen. Der Regierungsrat
setze auf das Szenario 2. Dieses würde es dem ZPK erlauben, sein
Wechselausstellungsprogramm und spartenübergreifende Aktivitäten
zu finanzieren.
Regierung und Parlament hätten seinerzeit die vom ZPK vom Kanton
und der Stadt geforderten 6 Millionen Franken Subventionen jährlich
nicht bewilligt, weil das Zentrum wegen seiner grossen Starterfolge -
im ersten Jahr zählte das ZPK 300'000 Besucher - sogar finanzielle
Reserven habe anlegen können. Jetzt aber benötige das Zentrum
die ursprünglich vorgesehene Summe. Pulver appellierte an den Rat,
er solle die vom ZPK benötigten 350'000 Franken für die Jahre
2008 bis 2011 bewilligen. Es sei sein Ziel, dass der Kanton 2012 ein ZPK
übernehmen könne, das auch künstlerisch hohe Erwartungen
erfülle. «Es wäre falsch, das ZPK unterfinanziert im Regen
stehen zu lassen», so Pulver.
Zahlreiche Änderungsanträge
Dem Grossen Rat lagen gestern mehrere Abänderungsanträge vor.
Mit Nuancen, die sich jedoch auf die künftige Ausrichtung des ZPK
teilweise stark auswirken könnten, verlangten SVP, FDP und EVP zeitliche
Einschränkungen. Die EVP wollte die 350'000
Franken lediglich fürs 2008 bewilligen. In den Folgejahren müsse
das ZPK diese Summe einsparen, indem es sich überwiegend aufs Bilderausstellen
konzentriere, argumentierte Antragsteller Ruedi Löffel (Münchenbuchsee).
(...)
In einer Abstimmungskaskade obsiegte schliesslich der (...) Antrag der
Steuerungskommission (SK). Die SK verband die Zusatzsubvention bis 2011
von jährlich 350'000 Franken mit dem Verzicht auf weitere Staatsgelder
in der gleichen Zeitperiode. Dieser Forderung schloss sich auch der Regierungsrat
an.
In der Schlussabstimmung passierte der regierungsrätliche Kreditantrag
mit obiger Ergänzung mit 84 zu 53 Stimmen bei 10 Enthaltungen. (uz)
DRS Regionaljournal BE FR VS 9.09.2008, 17.30 Uhr
Grosser Rat BE - Das Zentrum Paul Klee bekommt mehr Subventionen (Link
2:53).
sda 9.9.08
Parlament bewilligt zähneknirschend mehr Geld
Das Zentrum Paul Klee in Bern erhält vom Kanton mehr Geld.
Der bernische Grosse Rat hat am Dienstag aber nur zähneknirschend
einer Erhöhung der Beiträge für die Jahre 2008 bis 2011
zugestimmt. Sein Ja knüpfte er auch noch an Bedingungen.
Während dieser Zeit erhält das ZPK 350'000 Franken
mehr pro Jahr. Damit kommt die Institution auf jährliche Beiträge
von insgesamt 6 Mio. Franken. Diesen Betrag hatte das Zentrum schon von
Anbeginn an gefordert. Allerdings ist damit das Ende der Fahnenstange
erreicht, wie die meisten Grossrätinnen und Grossräte am Dienstag
unüberhörbar deutlich machten. Das Parlament stimmte deshalb
einem Antrag der Steuerungskommission zu, wonach in den Jahren 2008 bis
2011 kein zusätzlicher Kantonsbeitrag aus ordentlichen Staatsmitteln
mehr möglich ist.
Aus den Reihen der Bürgerlichen lagen Anträge vor, noch restriktiver
mit den Beiträgen umzugehen. FDP und SVP wollten nur für zwei
Jahre Geld sprechen. Die EVP wollte nur Geld für
ein Jahr sprechen und verlangte, dass «das ZPK beim unrentablen
Eigenveranstaltungsprgramm abbauen soll», wie Ruedi Löffel
(EVP/Münchenbuchsee) betonte.
Fixstern am Berner Kulturhimmel
Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) strich die Bedeutung des
ZPK hervor. Neben dem Freilichtmuseum Ballenberg sei das ZPK im Kanton
Bern die einzige Kulturinstitution, die eine Chance habe in der Liga der
grossen Häuser mitzuspielen.
50% der ZPK-Besucher stammten aus dem Ausland, die Institution sei also
auch touristisch für den Kanton wichtig. Dieser Fixstern mit internationaler
Ausstrahlung am Berner Kulturhimmel dürfe nicht einfach erlöschen,
sagte Pulver.
In der Schlussabstimmung hiess das Kantonsparlament die Erhöhung
der Subventionen mit 84 zu 53 Stimmen bei 10 Enthaltungen gut.
Opfer des eigenen Erfolgs?
Das Zentrum ist seit 2005 in Betrieb. Den stets steigenden
Finanzbedarf begründete Stiftungsratspräsident, alt Regierungsrat
Peter Schmid, damit, dass die Institution quasi Opfer ihres Anfangserfolgs
geworden sei.
Im Eröffnungsjahr zählte es runde 300'000 Besucherinnen und
Besucher. Die Subventionsbeiträge basierten auf diesen Zahlen. Als
dann der Besucherstrom in den Folgejahren abnahm, klaffte ein Loch in
der Kasse. Heute kommt das Zentrum auf rund 150'000 Besucher pro Jahr.Kritiker
geisselten diese Argumentation stets als politische Erpressung. Der Berner
Stadtrat zückte erst kürzlich die gelbe Karte und wies einen
Nachtragskredit von 660'000 Franken für das ZPK vorderhand zurück.
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