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des EVP-Vorstosses, der im Bernischen Grossen Rat im Dezember 09 eingereicht
wurde.
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Bund 04.05.10 von Rahel Bucher
«Wir tolerieren Zwangsheirat hier nicht»
Laut Beratungsstellen und Fremdenpolizei nehmen die Fälle
von Zwangsheirat in Bern zu.
So könnte sich ein Fall von Zwangsheirat abspielen: Eine junge, in
Bern geborene Tamilin hat hier einen Freund. Als sie mit ihren Eltern
nach Sri Lanka in die Ferien fährt, wird sie gegen ihren Willen mit
ihrem Cousin verheiratet. Handelt es sich um eine Zwangsheirat oder um
eine arrangierte Ehe? «Wir gehen bei der Definitionsfrage von der
individuellen Ebene aus», sagt Wiebke Döring, Fachfrau Gender-based
violence bei der Organisation Terre des Femmes. «Wenn sich jemand
unter Druck gesetzt fühlt, kann man von Zwang sprechen.» Zwangsehen
verletzen laut Terre des Femmes fundamentale Rechte der Betroffenen: das
Recht auf Selbstbestimmung, Freiheit, körperliche und psychische
Unversehrtheit und Bildung.
Das Phänomen Zwangsheirat gibt es auch in Bern. Nicht alle Verwaltungsstellen,
die mit dem Thema konfrontiert sind, schätzen die Situation gleich
ein. Florian Düblin, Vorsteher Migrationsdienst Kanton Bern, sagt:
«Wir sind im Moment nicht gehäuft mit der Thematik konfrontiert.
Trotzdem nehmen wir sie ernst.» Etwas anders sieht das Alexander
Ott, Leiter Einwohnerdienste, Migration und Fremdenpolizei der Stadt Bern:
«Wir beobachten mehr Fälle als früher.» Jährlich
werden in der Stadt Bern in über 80 Fällen vertiefte Abklärungen
wegen des Verdachts der rechtsmissbräuchlichen Eheschliessung vorgenommen,
bestätigt er.
Auch vonseiten der Beratungsstellen lässt sich laut Döring eine
Zunahme feststellen. Wie viele Fälle von Zwangsheirat es im Kanton
Bern gibt, weiss niemand genau. Da es kein eigener Straftatbestand ist,
sondern unter Nötigung abgehandelt wird, gibt es keine statistischen
Zahlen. «Dementsprechend hoch ist die Dunkelziffer», sagt
Döring. Sie führt die Zunahme der Fälle vor allem darauf
zurück, dass sich immer mehr Frauen trauen, ihre Situation anzusprechen.
Zudem sei Zwangsheirat in der Öffentlichkeit kein Tabuthema mehr.
Die Politik ist gefordert
Spätestens seit der Motion
von Daniel Steiner-Brütsch muss sich auch die Politik mit dem Thema
auseinandersetzen. Der EVP-Grossrat verlangt vom Regierungsrat geeignete
Massnahmen zur Erkennung und zum Schutz von Opfern von Zwangsheirat sowie
zur Verhinderung von Zwangsheirat. In der Antwort schreibt der Regierungsrat,
dass zusätzliche Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit zur
Aufdeckung weiterer Fälle hilfreich sei. Zudem will er die in diesem
Bereich tätigen Verwaltungsstellen und Hilfsinstitutionen stärker
vernetzen – ein Anliegen, das diese teilen. «Die verbesserte
Vernetzung und Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen könnte
förderlich sein», sagt etwa Düblin. Ein Schritt in diese
Richtung ist die soeben aufgeschaltete neue Website von Terre des Femmes
Schweiz (siehe unten). Döring fände es zudem wichtig, dass es
spezielle Beratungsstellen gäbe. (...)
Zwangsheirat: Schweizweite Massnahmen
Die Organisation Terre des Femmes hat soeben eine Website zur Zwangsheirat
in der Schweiz lanciert: www.gegen-zwangshei¬rat.ch. Sie dient dem
Erfahrungsaustausch zwischen den beteiligten Projektpartnern und informiert
Betroffene, Interessierte sowie Fachstellen. Auch auf Bundesebene sollen
Schritte gegen die Zwangsheirat eingeleitet werden. Aufgrund verschiedener
politischer Vorstösse hat der Bundesrat im November 2008 ein Vernehmlassungsverfahren
zu Massnahmen gegen Zwangsheiraten eröffnet. Der Bundesrat möchte
mit einer Änderung des Zivilgesetzbuches, des Bundesgesetzes über
das internationale Privatrecht und des Partnerschaftsgesetzes den Schutz
vor Zwangs¬heiraten erhöhen. Als Folge der mehrheitlich positiven
Antworten soll auf Bundesebene bis Ende 2010 eine Botschaft ausgearbeitet
und eine Verstärkung des strafrechtlichen Schutzes vorgesehen werden.
(reh)
Berner Zeitung 27.04.10 / KANTON BERN
Gegen Zwangsheiraten
«Der Regierungsrat des Kantons Bern verurteilt jegliche Form des
Zwangs bei der Schliessung von Ehen, sei er nun physischer oder psychischer
Art», schreibt die Regierung in der Antwort auf eine Motion der
EVP. Zusätzliche Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit zur
Aufdeckung weiterer Fälle sei hilfreich. Zudem sollte eine Vernetzung
der in diesem Bereich tätigen Verwaltungsstellen und Hilfsinstitutionen
angestrebt werden. Geeignete Massnahmen seien zu prüfen. Die Regierung
ist bereit, den Vorstoss als unverbindlichen Prüfauftrag (Postulat)
anzunehmen. Der Grosse Rat entscheidet im Juni. drh
20 Minuten 27.04.10
Kampf gegen Zwangsehen
BERN. Der Regierungsrat will geeignete Massnahmen gegen Zwangsehen im
Kanton Bern prüfen und gegebenenfalls auch umsetzen. Dies hat er
gestern in einer Antwort auf einen Vorstoss von EVP-Grossräten mitgeteilt.
Mit den Massnahmen sollen der Schutz der Opfer verbessert sowie Zwangsheiraten
im Kanton verhindert werden. Weiter soll eine Vernetzung der Verwaltungsstellen
und Hilfsinstitutionen angestrebt werden.
20 Minuten 07.01.10
Zwangsehen: Politiker machen Druck auf Bund
Der Vorwurf, der Bund kämpfe zu wenig oder gar nicht gegen
Zwangsehen, wird immer lauter. Politiker aus allen Lagern wollen dem EJPD
nun Beine machen. Felix Burch
Geschätzte 17'000 Zwangsehen gibt
es in der Schweiz. Obwohl in der Öffentlichkeit seit Jahren
ein Konsens besteht, dass dies nicht toleriert werden darf, fehlt den
Gerichten noch immer eine eindeutige gesetzliche Handhabe. Der Zürcher
Richter und Jugendexperte Luca Cirigliano (SP), der das Thema untersucht
und den Bund heftig kritisiert hat, erhält von Politikern aus allen
Lagern Unterstützung. Karin Keller-Sutter (FDP), St. Galler Justiz-
und Polizeidirektorin: «Ich möchte nicht einfach kritisieren,
stelle aber fest, dass das Problem in Bern offenbar keine Priorität
geniesst.» Und: «Wir müssen als Gesellschaft klarstellen,
dass Zwangsehen unter Androhung von Strafe verboten sind.» (...)
Laut dem Verein Katamaran gegen Zwangsheirat hinkt die Schweiz im Kampf
gegen Zwangsehen Ländern wie England und sogar der Türkei weit
hinterher. «Wir wünschen uns ein überparteiliches Bündnis
gegen Zwangsehen. Nebst strafrechtlichen Massnahmen braucht es Verbesserungen
im Ausländergesetz und aktive Präventions- und Integrationsmassnahmen»,
so Anusooya Sivaganesan von Katamaran.
20 Minuten online 23.12.09
16-Jähriger musste 12-jährige Cousine heiraten
Zwangsheirat der ganz brutalen Art: In Grossbritannien ist ein
Mann verurteilt worden, der seinen 16-jährigen Sohn dazu zwang, eine
12-jährige Cousine zu vergewaltigen.
Der 54-Jährige organisierte im März 2008 bei sich zuhause
in Woolwich im Südwesten von London eine muslimische Zeremonie, bei
der er seinen damals 16-jährigen Sohn mit dem Mädchen «verheiratete».
Dies berichtet der britische Fernsehsender BBC auf seinem Online-Portal.Die
Zwangsheirat sei ans Licht gekommen, weil die Mutter des Mädchens,
die nicht damit einverstanden war, sich an die Polizei wandte, teilt die
BBC mit. Im Zuge der Ermittlungen sei dann klar geworden, dass mehrere
Verwandte den Jungen dazu gedrängt hatten, seine 12-jährige
Cousine zu vergewaltigen.
Drei Jahre Haft
Die Väter des Jungen und des Mädchens wurden nun beide zu drei
Jahren Haft wegen Anstiftung eines Kindes zu sexueller Aktivität
im Gefolge einer illegalen Ehe verurteilt. Der beteiligte Junge erhielt
eine 18-monatige Jugendstrafe wegen Vergewaltigung. Seine Mutter (54)
wurde für ihre Beihilfe zu 12 Monaten Haft auf Bewährung und
200 Stunden gemeinnütziger Tätigkeit verurteilt. Die Mutter
des Mädchens erklärte gegenüber der Presse: «Was
meiner Tochter passiert ist, ist ein Alptraum. Diese Schuldsprüche
werden uns dabei helfen, davon wegzukommen.» (dhr)
Berner Zeitung 15.12.09
Was tun gegen Zwangsverheiratungen?
Im Kanton Bern kommt es noch immer zu Zwangsverheiratungen.
Das Kompetenzzentrum Integration hat ein Merkblatt zu Zwangsverheiratung
und Zwangsehe veröffentlicht.
Das Merkblatt umfasst Handlungsempfehlungen und Adressen von
Fachstellen, die Beratung und Unterstützung bieten. Es richtet sich
an Personen, die Betroffene unterstützen wollen. Zwangsverheiratete
seien auf die Unterstützung von Personen aus dem eigenen Umfeld angewiesen.
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