"reformiert." 27. Juni 2008

«Wie fair ist Ihr Computer?» – Erste Antworten auf eine unbequeme Frage

Arbeitsbedingungen/ In einer landesweiten Kampagne forderten die kirchlichen Hilfswerke «Brot für alle» und «Fastenopfer» letztes Jahr menschenwürdigere Bedingungen in den chinesischen Produktionsbetrieben. Die Aktion hatte Folgen – in China ebenso wie in der Schweiz.

Die beiden Hilfswerke prangerten insbesondere die Produktionsbedingungen in chinesischen Computerfabriken an – und rechneten den Konsumenten in der Schweiz vor, dass bereits ein Aufpreis von fünfzig Franken pro Gerät das Leben der Fabrikarbeiterinnen verbessere.
Die Kampagne legte den Fokus bewusst auf die in der Schweiz marktführenden Produzenten HP, Dell, Apple, Fujitsu Siemens und Acer. Bereits kurz nach dem Kampagnenstart nahmen die Firmen Kontakt zu den beiden Hilfs- werken auf – wenn auch mit unterschiedlichen Absichten, wie «Fastenopfer»-Direktor Antonio Hautle sagt: «Mit Hewlett Packard waren die Gespräche fruchtbar, andere Firmen leugneten die Missstände.» Apple und Acer etwa hätten sich geweigert, die Produktionsbedingungen offenzulegen.

Reaktionen. In der Schweiz hat die Kampagne der Hilfswerke inzwischen erste Folgen gezeitigt. Der Nationalrat muss sich demnächst mit einer Motion von Vreni Müller–Hemmi (SP, Zürich) befassen, die «Standards bei öffentlichen Beschaffungen» fordert. Die Stadt Genf hat sich verpflichtet, künftig von ihren EDV-Lieferanten «soziale Verantwortung» zu verlangen, und auch in Biel sollen nach einem Beschluss des Stadtrats künftig nur noch faire Computer angeschafft werden. In Zürich hat die Landeskirche aufgrund der Liste der Hilfswerke neue, «fairere» Computer angeschafft.

Riesenpotenzial. Bund, Kantone und Gemeinden geben jährlich rund 36 Milliarden Franken für Waren, Dienstleistungen und Bauten aus. Bei Grosseinkäufen faire Anbieter zu berücksichtigen, kann durchaus Folgen haben. Sogar bis in den chinesischen Arbeitsalltag. Rita Jost

Informationen über «High Tech – No Rights», die Kampagne der beiden kirchlichen Hilfswerke, und über die Rückmeldungen der Firmen: www.fair-computer.ch

zurück