Berner Rundschau / MLZ 16.06.2004

Frauen setzen Rat unter Strom

Auch Kanton soll künftig bei der BKW Energie AG Öko-Strom einkaufen
(...) Für 50 Mio. Franken gewährte die BKW Energie letztes Jahr ihren Grosskunden Rabatte. Und trotzdem setzte es für das mehrheitlich im Besitz des Kantons befindliche Energieunternehmen einen Rekordgewinn von 252,8 Mio. Franken ab. Davon flossen 41,9 Mio. Franken als Dividende in die Kantonskasse. «Ich kann nicht verstehen, dass unter diesen
günstigen Umständen der Kanton immer noch kein einziges <Füfi> ausgeben will für den Bezug von Ökostrom», warb gestern Lilo Lauterburg (GFL/Bern) für ihre Motion, die sie im Rat gleich in ein unverbindlicheres Postulat wandelte. Darin verlangt sie, dass der Kanton den Gewinn aus den Strompreissenkungen für den Bezug von Ökostrom verwenden solle. (...)

SP und EVP unterstützen...
Diese Meinung teilten die Fraktionen von SP und EVP. «Die Idee ist richtig und wichtig und muss weiterverfolgt werden», signalisierte SP-Sprecher Walter Boss (Seftigen) Sukkurs. Es erstaune ihn, dass der Kanton nicht bereits Kunde von Öko-Strom sei. Die EVP hätte auch die Motion unterstützt, applaudierte deren Sprecher, Ruedi Löffel (Münchenbuchsee). Die EVP anerkenne das Engagement des Kantons - gemäss dem 3. Energiebericht will dieser bis 2012 rund 110 Mio. Franken in Massnahmen zur Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien investieren - trotzdem passe der Vorstoss gut.

...SVP und FDP lehnen ab
Darob weniger begeistert zeigten sich SVP und FDP. Heinrich Burkhalter (SVP/Linden) erinnerte an die schleppende Wirtschaft. Firmen und Kanton seien froh über die Rabatte der BKW. Im Übrigen engagiere sich der Kanton bereits genügend für Öko-Strom. Für die FDP sagte Peter Bühler (Bern), die Freisinnigen seien nicht gegen Ökostrom, erste Priorität habe aber der Schuldenabbau. «Das führt auch zu einer Win-Win-Situation, nämlich für die nachfolgenden
Generationen.» Zudem lasse sich die Forderung innerhalb der Verwaltung nur sehr kompliziert umsetzen. Dazu gab es allerdings Widerspruch aus den eigenen Reihen: «Ein einfacher Dreisatz reicht aus, dann kennen wir die Einsparung und wir können beschliessen», stellte Marco Schiltknecht (Interlaken) fest. Dieser Sukkurs reichte aus: Die Abstimmung ergab ein Patt von 71 zu 71 Stimmen; der Sitzungsleiter, Ratsvizepräsident Thomas Koch (Laupen), überwies das Postulat mit Stichentscheid.
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