Berner Rundschau MLZ, 4.6.2008 / Kanton Bern
Oberaargau und Emmental wählen separat
Es bleibt dabei: Der Oberaargau und das Emmental werden separate
Wahlkreise. Der Grosse Rat beschloss gestern die Wahlkreisreform 2010
mit 109 zu 20 Stimmen. Das Gesetz lehnten die Fraktionen von EVP, EDU
und Unabhängige ab.
Bei der ersten Gesetzeslesung hätten die grossen Parteien in ungewohnter
Einigkeit klar gemacht, dass sie keine Kompromisse machen wollen, blickte
Ruedi Löffel (EVP/Münchenbuchsee) gestern zurück. Seine
Fraktion habe die Hoffnung auf Fairness aufgegeben. Die Wahlkreisreform
sei ungerecht, weil nicht alle Stimmen das
gleiche Gewicht hätten. Mit den kleinen Wahlkreisen Oberaargau und
Emmental werde zudem das unerwünschte Gärtlidenken
gefördert. «Je kleiner die Wahlkreise, desto kleinräumiger
denken die Politiker», monierte Löffel. Schliesslich
fehle auch die Logik: «Konsequent wäre es, wenn die
fünf künftigen Verwaltungsregionen identisch mit den Wahlkreisen
wären.»
Wie Löffel für die EVP kündigte namens der EDU auch Alfred
Schneiter (Thierachern) die Ablehnung des Gesetzes an. «Es ist eine
Machtdemonstration der grossen Parteien.» Und der Sprecher der ebenfalls
ablehnenden «Unabhängigen», Daniel Kast (CVP/Bern), sagte,
er liebäugle mit einer Volksinitiative zur Einführung des «Doppelten
Puckelsheim». Andere Kantone hätten dieses gerechte Wahlsystem
eingeführt.
FDP, SVP, SP und Grüne dafür
«Mit der Gerechtigkeit wird hier Schindluderei getrieben»,
konterte FDP-Sprecher Erwin Fischer (Lengnau). Wenn ein Problem bestehe,
dann höchstens wegen der drei vorgesehenen Wahlkreise in der Region
Bern. Aber diese Lösung müsse ja nicht für ewig zementiert
sein, sagte Fischer sinngemäss. (...) Obwohl sie selber «keine
grosse» Partei seien, teilten sie deren Meinung in dieser Sache,
sagte Marianne Morgenthaler (Richigen). Die Mehrheit befürworte das
Gesetz, «obwohl wir keine Freude am kleinen Wahlkreis Oberaargau
haben».
Das letzte Wort wird das Volk Ende November haben. Die Wahlkreisreform
soll bereits für die Wahlen 2010 gelten. (uz)
sda, 3.6.2008 / Kanton Bern
Grosser Rat will neun Wahlkreise
Der bernische Grosse Rat hat sich am Dienstag auch in zweiter
Lesung für neun Wahlkreise im Kanton Bern ausgesprochen. EVP, EDU
und Unabhängige setzten sich erneut vergeblich für grössere
Wahlkreise ein. Das letzte Wort hat das Volk im November.
Stimmt das Bernervolk im Herbst an der Urne zu, kommt das neue Wahlkreismodell
bei den Grossratswahlen von 2010 erstmals zum Zug. Derzeit gibt es im
Kanton Bern acht Wahlkreise.
Gemäss dem neuen Modell werden nun die 160 Grossratsmandate wie folgt
verteilt: 12 Sitze stellt der Wahlkreis Berner Jura, 25 der Wahlkreis
Biel-Seeland, 12 das Oberaargau, 15 das Emmental, 22 das Mittelland-Nord,
20 der Wahlkreis Bern, 20 der Kreis Mittelland- Süd, 17 der Kreis
Thun und 17 das Oberland.
Die wesentlichsten Änderungen im Vergleich zu heute sind, dass die
Grossregion Bern in drei Wahlkreise statt wie bisher in zwei aufgeteilt
wird. Die Stadt Bern bildet wie bisher einen selbständigen Wahlkreis.
Zudem schrumpft der Wahlkreis Oberaargau zu Lasten der Wahlkreise Emmental
und Mittelland-Nord.
Kleine wollten bessere Chancen
Schon in der ersten Lesung der Verfassungs- respektive Gesetzesänderung
hatten die kleinen Parteien im Grossen Rat erfolglos versucht, den Kanton
Bern in fünf Wahlkreise einzuteilen. Das hätte ihnen zu besseren
Wahlchancen verholfen.
Ruedi Löffel (Münchenbuchsee) wiederholte am Dienstag namens
der EVP-Fraktion die Argumentation, bei neun Wahlkreisen
hätten nicht alle Stimmen denselben Einfluss auf das Wahlresultat.
Das sei ungerecht. Daniel Kast (CVP/Bern) sagte namens der Unabhängigen-
Fraktion, diese liebäugle mit der Lancierung einer Volksinitiative
für grössere Wahlkreise.
Grosse wollten möglichst wenig ändern
SP, SVP und FDP änderten aber ihre Haltung nicht: Es sei sinnvoll,
die neuen Wahlkreise einerseits möglichst den Verwaltungskreisen
anzupassen und anderseits im Vergleich zu heute möglichst wenig zu
ändern. Schliesslich seien die Wahlkreise erst 2002 neu festgelegt
worden, sagten ihre Sprecher im April.
Die Grünen stellten sich in der ersten Lesung zwar prinzipiell hinter
die Wahlkreisreform. Ihnen schien aber der Wahlkreis Oberaargau im Vergleich
zu den anderen zu klein. Ihr Antrag, diesen mit dem Wahlkreis Emmental
zusammenzulegen, scheiterte aber. Sie stellten sich nun grossmehrheitlich
hinter die Änderung. In der Schlussabstimmung passierte die Wahlkreisreform
mit 109 Ja zu 20 Nein bei 7 Enthaltungen. sda
sda, 1.4.2008 / Kanton Bern
Klares Votum zugunsten von neun Wahlkreisen
Der bernische Grosse Rat will, dass die kantonalen Wahlen künftig
in neun Wahlkreisen stattfinden. Derzeit sind es acht. EVP, CVP, EDU und
Grüne scheiterten am Dienstag mit Vorstössen für fünf
respektive acht Wahlkreise.
Gemäss dem neuen Modell werden nun die 160 Grossratsmandate wie folgt
verteilt: 12 Sitze stellt der Wahlkreis Berner Jura, 25 der Wahlkreis
Biel-Seeland, 12 das Oberaargau, 15 das Emmental, 22 das Mittelland-Nord,
20 der Wahlkreis Bern, 20 der Kreis Mittelland- Süd, 17 der Kreis
Thun und 17 das Oberland.
Die wesentlichsten Änderungen im Vergleich zu heute sind, dass die
Grossregion Bern in drei Wahlkreise statt wie bisher in zwei aufgeteilt
wird. Die Stadt Bern bildet wie bisher einen selbständigen Wahlkreis.
Zudem schrumpft der Wahlkreis Oberaargau zu Lasten der Wahlkreise Emmental
und Mittelland-Nord.
Das neue Wahlkreismodell mit neun Kreisen lehnt sich so weit wie möglich
an die neuen Verwaltungsregionen respektive -kreise an. Die vom Volk 2006
angenommene Verwaltungsreform hat die Wahlkreisreform ausgelöst.
Grössere Wahlkreise, stärkere
Kleine
EVP, CVP und EDU versuchten mit ihrem Antrag zugunsten
von fünf Wahlkreisen, ihre Ausgangslage bei Wahlen zu verbessern:
Je grösser ein Wahlkreis, desto besser die Chancen für kleine
Parteien, von den Wählerinnen und Wählern berücksichtigt
zu werden. Ihr Antrag scheiterte mit 29 zu 108 Stimmen.
(...)
SP, SVP und FDP zeigten sich für einmal einig: Es sei sinnvoll, die
neuen Wahlkreise einerseits möglichst den Verwaltungskreisen anzupassen
und anderseits im Vergleich zu heute möglichst wenig zu ändern,
sagten ihre Sprecher. Schliesslich seien die Wahlkreise erst 2002 neu
festgelegt worden.
Mit seinen Entscheiden folgte der Grosse Rat den Anträgen der Regierung
und der vorberatenden Grossratskommission. Stillschweigend stellte sich
der Grosse Rat hinter den von der vorberatenden Kommission getroffenen
Entscheid, die Gemeinde Allmendingen nicht dem Wahlkreis Mittelland-Süd,
sondern Nord zuzuteilen.
Volksabstimmung im November
Die Wahlkreisreform betrifft sowohl die Kantonsverfassung wie auch das
Gesetz über die politischen Rechte. Der Grosse Rat unterstellte auch
die Gesetzesrevision dem Referendum. Verfassungsänderungen kommen
ohnehin vors Volk. Die Volksabstimmung ist für den 30. November vorgesehen.
Vorerst muss der Grosse Rat aber noch die 2. Lesung durchführen.
Nur wenn dies im Juni erfolge und die Volksabstimmung wirklich im Herbst
über die Bühne gehe, könnten die Grossratswahlen von 2010
gemäss dem neuen Modell durchgeführt werden, sagte Regierungspräsident
Urs Gasche.
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