Das Postulat wurde vom Grossen Rat am 23.11.06 behandelt.
Punkt 1 und 2 wurden mit 46 : 94 resp. 47 : 92 Stimmen abgelehnt.
Punkt 3 und 4 wurden mit 90 : 44 Stimmen angenommen.

Die Medienreaktionen dazu finden Sie hier.

 

P O S T U L A T 

EURO 2008 ohne Alkohol-Exzesse

Der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und gewalttätigen Ausschreitungen in Fussballstadien ist offensichtlich. Noch sind die Ausschreitungen beim Meisterschaftsfinal 2006 in Basel in lebhafter Erinnerung. „Es war doch sicher so, dass auch in Basel ein Grossteil der Randalierer alkoholisiert war“, sagte Gigi Oeri die Mäzenin des FC Basel nach den beschämenden Ereignissen in einem Zeitungsinterview. „So benimmt man sich nur unter Alkoholeinfluss“.
An der Europameisterschaft in Portugal 2004 galt auf Verlangen der UEFA ein Ausschankverbot von Alkohol innerhalb der Stadien. Die Erfahrungen waren positiv und alkoholfreie Stadien gehören deshalb heute zum Standard der UEFA.
An der WM 2006 in Deutschland wurde in den Stadien zwar Alkohol ausgeschenkt, das Bier war aber pro Bestellung und Person auf einen Liter beschränkt. In bestimmten Fan-Zonen wurde zeitweise kein Alkohol ausgeschenkt.
In Genf wurde im November 2005 anlässlich des Länderspiels zwischen England und Argentinien als eine von mehreren Sicherheitsmassnahmen rund ums Stadion kein Alkohol ausgeschenkt.
Bezüglich EURO 2008 und Alkohol ist bislang Folgendes bekannt:
- Innerhalb der Stadien wird während der EURO 2008 auf Geheiss der UEFA kein Alkohol ausgeschenkt werden, ausgenommen ist der VIP-Bereich.
- Während der Debatte zur EURO 2008 erklärte Bundesrat Schmid in der Frühjahrssession 2006 im Nationalrat, dass den Kantonen, respektive den Gemeinden, Kraft ihrer Befugnis zum Erlass von sicherheitspolizeilichen Vorschriften die Kompetenz zukomme, bei Fussballspielen den Alkoholausschank rund um ein Stadion zu reglementieren und unter Umständen zu verbieten. Persönlich unterstützt er Alkoholausschankverbote ausserhalb der Stadien weil Alkohol ein Stimulans für Gewalt ist.
Tatsache ist, dass alkoholisierte Fussballfans nicht nur in den Stadien ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. Für den Kanton und die Stadt Bern als Host-City könnten die Sicherheitskosten erheblich ansteigen, wenn es während der EURO 2008 nicht gelingt, den übermässigen Alkoholkonsum auch ausserhalb des Stadions einzudämmen. Dabei ist zu bedenken, dass die Städte in der Schweiz wesentlich kleinräumiger sind als etwa in Deutschland und Massnahmen entsprechend anzupassen sind.

Wir bitten deshalb den Regierungsrat, im Hinblick auf die EURO 2008 folgende Massnahmen zu prüfen:
1. An Tagen, an denen in Bern ein Spiel stattfindet, wird auch ausserhalb des Stadions kein Alkohol ausgeschenkt und verkauft. Der Perimeter für den dieses Verbot gilt, wird in Zusammenarbeit mit der Stadt Bern und den Sicherheitsverantwortlichen der EURO 2008 festgelegt.
2. Die Umsetzung dieser Massnahme wird mit den anderen Host-Citys Zürich, Basel und Genf resp. mit den jeweiligen Kantonen koordiniert.
3. Während der EURO 2008 wird der Einhaltung und Durchsetzung der bestehenden Jugendschutzbestimmungen betreffend Abgabe und Verkauf von Alkohol besondere Beachtung geschenkt.
4. In den Fan-Zonen werden Alternativen zum Konsum von alkoholischen Getränken und andere präventive Massnahmen gefördert. Beispielsweise könnte der Gratisausschank von (Mineral)Wasser dem übermässigen Alkoholkonsum entgegenwirken.

Es wird Dringlichkeit verlangt, weil die Arbeiten am Sicherheitskonzept bereits begonnen haben.

Münchenbuchsee, 04.09.06
Ruedi Löffel, EVP; Hans Michel, SVP; Alfred Schneiter, EDU; Marianne Streiff-Feller, EVP

mitunterzeichnet von weiteren Grossratsmitgliedern aus EVP und EDU

zurück