P O S T U L A T
EURO 2008 ohne Alkohol-Exzesse
Der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und gewalttätigen Ausschreitungen
in Fussballstadien ist offensichtlich. Noch sind die Ausschreitungen beim
Meisterschaftsfinal 2006 in Basel in lebhafter Erinnerung. „Es war
doch sicher so, dass auch in Basel ein Grossteil der Randalierer alkoholisiert
war“, sagte Gigi Oeri die Mäzenin des FC Basel nach den beschämenden
Ereignissen in einem Zeitungsinterview. „So benimmt man sich nur
unter Alkoholeinfluss“.
An der Europameisterschaft in Portugal 2004 galt auf Verlangen der UEFA
ein Ausschankverbot von Alkohol innerhalb der Stadien. Die Erfahrungen
waren positiv und alkoholfreie Stadien gehören deshalb heute zum
Standard der UEFA.
An der WM 2006 in Deutschland wurde in den Stadien zwar Alkohol ausgeschenkt,
das Bier war aber pro Bestellung und Person auf einen Liter beschränkt.
In bestimmten Fan-Zonen wurde zeitweise kein Alkohol ausgeschenkt.
In Genf wurde im November 2005 anlässlich des Länderspiels zwischen
England und Argentinien als eine von mehreren Sicherheitsmassnahmen rund
ums Stadion kein Alkohol ausgeschenkt.
Bezüglich EURO 2008 und Alkohol ist bislang Folgendes bekannt:
- Innerhalb der Stadien wird während der EURO 2008 auf Geheiss der
UEFA kein Alkohol ausgeschenkt werden, ausgenommen ist der VIP-Bereich.
- Während der Debatte zur EURO 2008 erklärte Bundesrat Schmid
in der Frühjahrssession 2006 im Nationalrat, dass den Kantonen, respektive
den Gemeinden, Kraft ihrer Befugnis zum Erlass von sicherheitspolizeilichen
Vorschriften die Kompetenz zukomme, bei Fussballspielen den Alkoholausschank
rund um ein Stadion zu reglementieren und unter Umständen zu verbieten.
Persönlich unterstützt er Alkoholausschankverbote ausserhalb
der Stadien weil Alkohol ein Stimulans für Gewalt ist.
Tatsache ist, dass alkoholisierte Fussballfans nicht nur in den Stadien
ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. Für den Kanton und
die Stadt Bern als Host-City könnten die Sicherheitskosten erheblich
ansteigen, wenn es während der EURO 2008 nicht gelingt, den übermässigen
Alkoholkonsum auch ausserhalb des Stadions einzudämmen. Dabei ist
zu bedenken, dass die Städte in der Schweiz wesentlich kleinräumiger
sind als etwa in Deutschland und Massnahmen entsprechend anzupassen sind.
Wir bitten deshalb den Regierungsrat, im Hinblick auf die EURO 2008 folgende
Massnahmen zu prüfen:
1. An Tagen, an denen in Bern ein Spiel stattfindet, wird auch ausserhalb
des Stadions kein Alkohol ausgeschenkt
und verkauft. Der Perimeter für den dieses Verbot gilt, wird in Zusammenarbeit
mit der Stadt Bern und den Sicherheitsverantwortlichen der EURO 2008 festgelegt.
2. Die Umsetzung dieser Massnahme wird mit den anderen Host-Citys Zürich,
Basel und Genf resp. mit den jeweiligen Kantonen koordiniert.
3. Während der EURO 2008 wird der Einhaltung und Durchsetzung der
bestehenden Jugendschutzbestimmungen betreffend Abgabe und Verkauf von
Alkohol besondere Beachtung geschenkt.
4. In den Fan-Zonen werden Alternativen
zum Konsum von alkoholischen Getränken und andere präventive
Massnahmen gefördert. Beispielsweise könnte der Gratisausschank
von (Mineral)Wasser dem übermässigen Alkoholkonsum entgegenwirken.
Es wird Dringlichkeit verlangt, weil die Arbeiten am Sicherheitskonzept
bereits begonnen haben.
Münchenbuchsee, 04.09.06
Ruedi Löffel, EVP; Hans Michel, SVP; Alfred Schneiter,
EDU; Marianne Streiff-Feller, EVP
mitunterzeichnet von weiteren Grossratsmitgliedern aus EVP und EDU
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