Die Interpellation habe ich am 30.01.13 eingereicht.
Hier die Antwort aus der Junisession 2013.

Medienbeiträge zum Thema finden Sie hier.

 

I N T E R P E L L A T I O N  

Erdgas- bzw. Schiefergasförderung – auch im Kanton Bern?

In letzter Zeit sind Projekte für die Erdgassuche in der Schweiz und im angrenzenden Ausland zum viel beachteten Thema geworden. Während die Erschliessung des unter dem Val de Travers im Kanton Neuenburg vermuteten Erdgasfeldes einer konventionellen Förderung entsprechen würde, stehen andernorts Verfahren im Vordergrund, die sich auf das sogenannte „Fracking“ zur Förderung von Schiefergas abstützen. Diese Methode ist technisch anspruchsvoller, wird sehr kontrovers beurteilt und scheint insbesondere aus Umweltgründen höchst problematisch (grosser Flächen- und Wasserverbrauch, Gefähr-dung des Grund- und damit des Trinkwassers, Einsatz von giftigen, teilweise krebserregenden Chemikalien, Emission des Treibhausgases Methan in die Umwelt). Die Bereit-stellung der notwendigen Förderinfrastruktur ist mit grossen Investitionen verbunden.
Obwohl die bestehenden Rechtsgrundlagen im EU-Raum die Suche und Förderung von Schiefergas eigentlich abdecken würden, hat das Europäische Parlament an seiner Sitzung vom 21. November 2012, in Anbetracht der besonderen und neuen Bedingungen, die beim Schiefergas gegeben sind, eine gründliche Analyse des Rechtsrahmens gefordert. Insbesondere müsse beachtet werden, dass beim Fracking besondere Wasserversorgungspläne erforderlich sind.
In diesem Zusammenhang ist von Interesse, wie sich der Kanton Bern zu einem vermehr-ten Einsatz von selbstgefördertem Erd- oder Schiefergas stellen würde und ob dabei die bewilligungs- und verfahrensrechtlichen Voraussetzungen angepasst werden müssten.

Der Regierungsrat wird deshalb ersucht, die folgenden Fragen zu beantworten:
1. Erachtet der Regierungsrat die Förderung von Erdgas und damit den vermehrten Ein-satz eines fossilen Energieträgers mit entsprechend problematischem CO2-Ausstoss als eine richtige Massnahme auf dem Weg zur geplanten Energiewende mit ihrer grundsätzlichen Zielsetzung der Förderung von erneuerbaren und damit nicht fossilen Energien?
2. Erachtet der Regierungsrat die Förderung von Schiefergas als nichtkonventionellen fossilen Energieträger mit seinen besonderen Auswirkungen als eine richtige Mass-nahme im Kontext der geplanten Energiewende, die die Zielsetzungen eines nachhal-tigeren Schutzes der Umwelt in den Vordergrund stellt?
3. Falls die Fragen 1 und 2 negativ beantwortet werden: Ist der Regierungsrat bereit, entsprechende Bewilligungs- und Konzessionsgesuche zu verweigern?
4. Erachtet der Regierungsrat die mit dem Bergregalgesetz (BRG, BSG 931.1) vom 18. Juni 2003 vorhandenen Rechtsgrundlagen für eine allfällige Schiefergasförderung als ausreichend, wenn berücksichtigt wird, dass die Förderung des Schiefergases bezüg-lich Flächen- und Umweltauswirkungen Dimensionen erreichen kann, die beim Erlass dieses Gesetzes noch nicht bekannt waren?
5. Wäre der Regierungsrat bereit, im Falle der Schiefergasförderung auf der Erarbeitung von besonderen Wasserversorgungs- und Wasserwiederaufbereitungsplänen zu be-harren?
6. Wäre der Regierungsrat bereit, im Falle der Schiefergasförderung auch dahingehend zu insistieren, dass die Kosten für Sicherheitsleistungen gemäss Art. 8 BRG von den Bewilligungs- und Konzessionsnehmern tatsächlich vollumfänglich entgolten werden?
7. Müssten angesichts der bestehenden Risiken und nicht absehbaren Folgeschäden die wiederkehrenden Konzessionsabgaben gemäss Art. 29 BRG bei gasförmigen minera-lischen Rohstoffen nicht erheblich höher angesetzt werden?
8. Wäre der Regierungsrat bereit, im Falle von Konzessionserteilungen die Bedingungen so auszugestalten, dass den Steuerzahlenden am Schluss keine Folgekosten aufge-bürdet werden?
9. Verschiedene Kantone haben das Fracking, zumindest vorderhand, verboten. Ist der Regierungsrat bereit, für den Kanton Bern ebenfalls ein Fracking-Verbot in Betracht zu ziehen und ein entsprechendes Vorgehen mit anderen Kantonen zu koordinieren?
10. Erdgas, in welcher Form auch immer, ist letztlich eine Energie von gestern; die Förde-rung des unkonventionellen Erdgases mittels Fracking könnte nur vorübergehend und völlig ungenügend zusätzliche Energiemengen zur Verfügung stellen: Erachtet der Regierungsrat es nicht als zwingend, dass der administrative Aufwand und die dabei entstehenden Kosten auf die Förderung von neuen Energien und damit auf eine tat-sächliche Energiewende zu lenken sind?

Münchenbuchsee, 30.01.13
Ruedi Löffel, EVP

mitunterzeichnet von 17 weiteren Grossratsmitgliedern

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