Die Interpellation wurde am 03.08.09 eingereicht.
Hier die Antwort aus der Junisession 2010.

 

I N T E R P E L L A T I O N  

Ist die Ferkelkastration mit Isofluran unbedenklich?

Um zu verhindern, dass ihr Fleisch unappetitlich riecht, werden in der Schweiz die meisten männlichen Schweine kastriert. Ab 1. Januar 2010 ist die bisher gängige Praxis der „Ferkelkastration ohne Schmerzausschaltung“ aus Tierschutzgründen verboten. Gleichzeitig setzt die EU auf Ebermast und zieht in Betracht, die Kastration von Schweinen mittel- bis langfristig ganz zu verbieten.
Die Inhalationsmethode mit dem Narkosegas Isofluran, die zur Betäubung bei der Kastration im Vordergrund steht und deren Anwendung von Grossverteilern gefordert wird, birgt gemäss Fachleuten erhebliche Unsicherheiten und Gefahren:
• Mit der Lagerung und Verwendung der Medikamente ist eine grosse Verantwortung verbunden.
• Für diejenigen Menschen, welche die Narkose durchführen, besteht die Gefahr von Langzeitschäden.
• Es ist nicht auszuschliessen, dass die betäubende Wirkung von Isofluran bei anderen Kleintieren oder als Droge missbräuchlich verwendet wird.
• Die Isofluran-Methode ist zeitlich sehr aufwändig und mit ihr werden den Produzenten hohe Investitionskosten aufgezwungen.
• Sollte die EU in einigen Jahren die chirurgische Schweinekastration tatsächlich verbieten und die Schweiz nachziehen, wird in manchem Stall ein nicht mehr gebrauchter Narkoseapparat herumstehen.
• Während der fast zwei Minuten dauernden Anästhesieeinleitung wehren sich die Ferkel heftig und versuchen dem stechend riechenden Narkosegas zu entgehen.
• Da Isofluran kein Schmerzmittel ist, sind die postoperativen Schmerzen genau dieselben wie ohne Narkose.

Der Regierungsrat wird um Beantwortung folgender Fragen gebeten:
1. Welche Daten, Erkenntnisse und Erfahrungen existieren auf kantonaler Ebene im Zusammenhang mit möglichen Gefahren und Risiken der Isofluran-Methode?
2. Wie weit kann und will sich der Regierungsrat dafür einsetzen, dass von unabhängiger Seite geprüft wird, ob die Ferkelkastration mit Isofluran-Narkose ebenso unbedenklich ist wie die Ebermast oder die Impfung gegen den Ebergeruch (Immunokastration)?
3. Welche Konsequenzen sind aus kantonaler Sicht möglich, wenn eine solche Prüfung zu ungunsten der Isofluran-Methode ausfällt?
4. Welche Möglichkeiten hat der Regierungsrat, sich bis zum Vorliegen von gesicherten Erkenntnissen dafür einzusetzen, dass Landwirte von den Grossverteilern nicht unnötig unter Druck gesetzt werden?

Es wird Dringlichkeit verlangt, weil die neuen Vorschriften bereits ab dem 1. Januar 2010 gelten.

Münchenbuchsee, 03.08.09
Ruedi Löffel, EVP

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