Die folgenden Fragen habe ich für die Fragestunde vom 30.11.10 eingereicht.

Die Medienbeiträge zu dieser Thematik finden Sie hier.

 

Risiken und Nebenwirkungen eines Sponsors

Um das erlernte Wissen aus dem Fachkurs Marketing in der Praxis anzuwenden, erhielten Schüler des Seeland Gymnasiums Biel kürzlich den Auftrag, einen Event auf die Beine zu stellen. Im Dezember soll dieser Anlass stattfinden.
Als Sponsor konnten die Gymnasiasten die junge Bieler Kleider- und Lifestylemarke «Blessed» gewinnen. Nebst einem finanziellen Beitrag sicherte «Blessed» einen DJ, eine Tanzgruppe und Kleidung für die Crew zu.
Als Unternehmen engagiert sich «Blessed» u.a. für umweltschonende Produktion, für faire Löhne und gegen Kinderarbeit.
Weil das Label einen christlichen Hintergrund hat, verbot die Leitung des Gymnasiums den Schülern, ihren Anlass von «Blessed» sponsern zu lassen.

In diesem Zusammenhang bitte ich um Beantwortung folgender Fragen:
1. Welche möglichen Probleme oder Risiken sieht der Regierungsrat, wenn ein Unternehmen wie «Blessed» als Sponsor für einen von Schülern eines staatlichen Gymnasiums selbst organisierten Anlass auftritt?
2. Welche unerwünschten Werte werden durch das Engagement von «Blessed» vermittelt?
3. Wie beurteilt der Regierungsrat im geschilderten Fall die Intervention der Schulleitung?

Ruedi Löffel, Grossrat EVP

 

Hier die mündliche Antwort von Erziehungsdirektor Pulver:

Die beiden ersten Fragen beantworte ich gemeinsam. Das Sponsoring von Anlässen öffentlicher Schulen ist grundsätzlich eine delikate Sache. Das gilt umso mehr, wenn der Sponsor seinen Auftritt am Anlass selbst oder ganz allgemein, beispielsweise auf seiner Homepage, mit politischen, weltanschaulichen oder religiösen Aussagen verbindet. Der Unterricht an der öffentlichen Schule muss gemäss Artikel 43 Absatz 1 der Kantonsverfassung konfessionell und politisch neutral sein. Wird also an einem Schulanlass ein Sponsor zugelassen, der seinen Auftritt auch mit religiösen Aussagen verbindet, gerät die öffentliche Schule in ein Spannungsfeld zwischen der Neutralitätsforderung der Kantonsverfassung und der Teilnahme des Sponsors. Diese Problematik stellte sich auch im angeführten Fall.
Zu Frage 3: Unsere Gesetzgebung legt fest, dass Schulleiterinnen und -leiter grundsätzlich für die Führung der Schulen verantwortlich sind. Der Entscheid der Schulleitung des Seeland-Gymnasiums Biel bewegt sich im Ermessensspielraum einer Schulleitung in dieser Frage.

Beat Giauque, Ittigen (FDP), Vizepräsident:
Herr Löffel wünscht eine Zusatzfrage zu stellen oder eine Bemerkung zur Antwort abzugeben.

Ruedi Löffel-Wenger, Münchenbuchsee (EVP):
Möglicherweise habe ich nicht genügend aufmerksam zugehört. Eine Antwort auf die zweite Frage habe ich nicht vernommen. Mich wundert, welche Werte da vertreten würden, die nicht zu unserer staatlichen Schule oder unserem Schulsystem passen.

Bernhard Pulver, Erziehungsdirektor:
Ob diese Organisation etwas vertritt, was nicht zu unserem Schulsystem passt, kann ich nicht beurteilen. Die Kantonsverfassung beauftragt die Schule konfessionell und politisch neutral. Daraus ergeben sich Schwierigkeiten, wenn Organisationen Sponsoring betreiben, die damit klare religiöse Aussagen verbinden. Nicht in jedem Fall gibt es eine einfache Antwort. Darum hat die Schulleitung innerhalb ihres Ermessensspielraums zu beurteilen, ob eine solche Problematik besteht. Die Schulleitung des Seeland-Gymnasiums Biel befand, in diesem Fall sei sie gegeben und entschied im Rahmen ihres Ermessensspielraums.

Bemerkung: "konfessionell neutral" bedeutet, dass sich die Schule bezüglich der verschiedenen Glaubensrichtungen (z.B. katholisch oder reformiert) neutral verhalten muss. Aus der Forderung lässt sich aber keinesfalls ableiten, dass grundsätzlich alles Christiliche aus der Schule verbannt werden soll!

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