Die Motion wurde vom Grossen Rat am 8.6.06
in der abgeschwächten Form eines Postulates mit 81 : 62 angenommen.

Die Medienreaktionen dazu finden Sie hier.

 

M O T I O N   

Palliative Care in die Rahmenleistungsverträge aufnehmen

Der Regierungsrat wird aufgefordert, folgende Punkte in die Rahmenleistungsverträge aufzunehmen, die gemäss Art. 21 Spitalversorgungsgesetz mit Leistungserbringern abgeschlossen werden:

  • Die Leistungserbringer, welche unheilbar kranke und sterbende Menschen versorgen, erstellen ein Konzept zu Palliative Care. Dieses umschreibt mindestens das Angebot an Dienstleistungen in Palliative Care, die Qualitätssicherung, die Vernetzung mit anderen Akteuren des Gesundheitswesens (Spitäler, Pflegeheime, Spitex, Hausärzte u.a.) sowie die Information nach innen und aussen.
  • Diese Leistungserbringer verfügen über ein fachlich qualifiziertes multiprofessionelles Palliativteam oder haben Zugang zu den Dienstleistungen eines externen Palliativteams.
  • Die Frist zur Erfüllung dieser beiden Punkte beträgt drei Jahre.

Begründung:
Während der Behandlung des Spitalversorgungsgesetzes wurde deutlich, dass eine Verankerung von Palliative Care (Definition WHO s. unten) im Gesetz nicht der richtige Ort wäre. Nicht bestritten war jedoch, dass Palliative Care ein integraler Bestandteil der medizinischen Versorgung sei. Die vorliegende Motion bezweckt, diesen Teil der medizinischen Versorgung in den Verträgen mit den Leistungserbringern zu verankern und zu fördern. Die Rahmenleistungsverträge sind dafür der richtige Ort.
Viele Menschen haben Angst vor langem Leiden, vor unerträglichen Schmerzen und davor, allein gelassen zu werden, wenn keine Heilung mehr in Aussicht ist. Die Grenze zwischen optimaler Behandlung und therapeutischem Übereifer ist in solchen Situationen oft fliessend. Das An-gebot von Palliative Care öffnet betroffenen PatientInnen und ihren Angehörigen Raum, um sich mit dem – kurz- oder langfristig – bevorstehenden Tod auseinanderzusetzen. Das Wissen um Möglichkeiten zur Linderung des Leidens kann zu weniger Angst und einem besseren Befinden beitragen. Häufig verschwindet ein vorhandener Wunsch nach Beihilfe zum Suizid oder tritt in den Hintergrund, wenn eine fachgerechte palliative Medizin, Pflege und Begleitung gewährleistet ist.
Grundkenntnisse und -kompetenzen in Palliative Care sind bei vielen Leistungserbringern vorhanden. Es muss nicht alles neu und zusätzlich entstehen. Allerdings braucht es nebst allgemeinem Grundwissen in Palliative Care in verschiedenen Situationen fachlich zusätzlich qualifi-zierte Personen. Dieses Fachwissen soll in Palliativteams verfügbar sein. Die Teams müssen mindestens aus Fachpersonen aus dem ärztlichen Bereich und aus dem Bereich Pflege zusammengesetzt sein und Fachpersonen aus weiteren Bereichen beiziehen können. Wo die Teams aus bestehenden Personalressourcen zusammengesetzt werden, ist eine entsprechen-de Aus- und Weiterbildung sicher zu stellen.
Zu den Aufgaben der Palliativteams gehören
- die direkte oder indirekte Betreuung von PalliativpatientInnen in komplexen Situationen
- die Mitverantwortung bei der Umsetzung der Palliativ-Konzepte
- die Beratung von anderen Fachpersonen zu geeigneten Behandlungen von PatientInnen mit unheilbaren Krankheiten und bezüglich Alternativen zu Behandlungen mit Heilungsabsicht
- die Förderung des fachlichen Austausches und der Fortbildung in Palliative Care
- die Mitwirkung bei der Qualitätssicherung
- sowie die Unterstützung an den Schnittstellen (intern und mit anderen Akteuren des Gesundheitswesens).
Anhaltspunkte für die Erarbeitung eines Konzeptes und die Bildung eines Palliativteams bieten die Standards der schweizerischen Gesellschaft für palliative Medizin, Pflege und Begleitung (SGPMPB), die Richtlinien der schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften (SAMW) und Standard 25 der SanaCERT.
Durch die Förderung der Vernetzung und durch ihren Beitrag zur Vermeidung von wenig erfolgversprechenden Therapien kann Palliative Care zu einer Reduktion der Behandlungskosten beitragen.
Aus den oben genannten Gründen ist es sinnvoll und wichtig, bei der konkreten Umsetzung des Spitalversorgungsgesetzes in den Rahmenverträgen die Basis für ein Angebot zu schaffen, welches dem Bedarf der Bevölkerung und einer modernen Spitalversorgung entspricht.

Es wird Dringlichkeit verlangt, weil die Rahmenleistungsverträge im laufenden Jahr abgeschlossen werden.
>>> Dringlichkeit wurde vom Ratsbüro abgelehnt.

Münchenbuchsee, 23. Januar 2006
Ruedi Löffel, EVP

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Palliative Care wie folgt: “Lindern eines weit fortgeschrittenen, unheilbaren Leidens mit begrenzter Lebenserwartung durch ein multiprofessionelles Team mit den Ziel einer hohen Lebensqualität für die PatientInnen und ihre Angehörigen, möglichst am Ort der Wahl der Betroffenen; dies unabhängig davon wie alt sie sind und an welcher Krankheit sie leiden. Palliative Care umfasst medizinische Behandlung, pflegerische Betreuung, psychologische, soziale und seel-sorgerische Unterstützung.“

13 Mitunterzeichnende aus EVP und EDU

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