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Eine Premiere hatte die EVP auch in Biel: Die Partei versuchte bei den
Wahlen vom 24. September erstmals, ein Mandat für den nebenamtlichen Gemeinderat
zu gewinnen. Dies ist ihr jedoch nicht gelungen. Mit Ausnahme von Huttwil,
Muri und Biel existieren in all diesen Gemeinden noch keine EVP-Ortsparteien.
Buchser Wahlen motivierten
Hinter dieser Offensive steckt Ruedi Löffel aus Münchenbuchsee. Die Kantonalpartei
hat ihn Anfang Jahr mit einem 20-%-Pensum als GF und Wahlkoordinator angestellt;
er hat die meisten Kandidierenden rekrutiert. Angespornt hat Löffel einerseits
der Wahlerfolg, den die EVP letztes Jahr in Münchenbuchsee erzielte: Die
Partei konnte bei den Parlamentswahlen zwei Sitze dazugewinnen und ist
nun mit drei Personen in diesem Gremium vertreten. Aber auch die Resultate
der Nationalratswahlen von 1999 hätten ihn beflügelt, in bestimmten Gemeinden
aktiv zu werden, sagt Löffel. So habe er nämlich bei der Auswertung der
Nationalratswahlen festgestellt, dass in Zollikofen jede zwanzigste Person,
die an die Urne geht, EVP wählt. «Da muss man etwas machen», habe er sich
deshalb gesagt - und sich daran gemacht, Kandidierende zu suchen.
Erste Reaktion: Keine Zeit
Wichtiges Instrument bei dieser Arbeit war für Ruedi Löffel die Adressliste
der Kantonalpartei: 14 500 Adressen standen ihm zur Verfügung. Recht direkt
habe er jeweils sein Anliegen bei einem Telefongespräch formuliert, so
Löffel. Die meisten hätten positiv reagiert auf die Ankündigung, die EVP
wolle sich in ihrer Gemeinde an den Wahlen beteiligen. Auf die Frage,
ob sie kandidieren würden, hätten aber praktisch alle mit der Begründung,
sie hätten keine Zeit für ein öffentliches Amt, abgewinkt. Dennoch ist
es Löffel gelungen, genügend Personen zu einer Kandidatur zu motivieren.
So zum Beispiel ist sein Werben bei Simon Rohrer, der fürs Parlament in
Zollikofen kandidiert, gut angekommen. Er verfolge die Politik aktiv mit
und habe schon immer Sympathien zur EVP gehabt, sagt Rohrer, der Lehrer
in einer christlichen Privatschule ist. Er helfe gerne mit, Stimmen zu
holen, rechne aber nicht damit, gewählt zu werden. Wenn doch, «würde es
mich freuen».
Die Nähe zur EVP
Auch Jeannette Kasper-Reber, Geschäftsführerin und Ko-Leiterin der Weltgebetstagsbewegung,
hat sich eine Kandidatur nicht lange überlegt. Sie bewirbt sich um einen
Sitz im Zollikofer Parlament und im Gemeinderat. Die EVP sei für sie die
«nahe liegendste» Partei, sagt Kasper. Theoretisch aber wäre es möglich,
mit ihrer vom christlichen Gedankengut geprägten Politik auch bei einer
anderen Partei mitzumachen. Ebenfalls auf der Liste für die Zollikofer
Parlamentswahlen steht Roland Stucki, Fachstellenleiter bei der Firma
Securiton. Er sei bereits früher für eine Kandidatur angefragt worden
- allerdings von der EDU. Damals habe er keine Zeit gehabt, erklärt Stucki.
Nun aber sei er motiviert, aktiv zu politisieren. Hinter das Programm
und das Gedankengut der EVP könne er sich stellen. Er sei zuversichtlich,
gewählt zu werden. Wenn nicht, würde ihn das aber nicht enttäuschen, sagt
Stucki. Barbara Wyss - sie kandidiert für den Gemeinderat in Kirchberg
- rechnet schon damit, gewählt zu werden. Für Wyss, die sich ehrenamtlich
in der christlichen Jugendarbeit «paf» (praise and fun) engagiert, ist
die Kandidatur «kein Gag». Sie komme zwar aus einer SVP-Familie, aber
keine Partei sei ihr so nahe wie die EVP. Obwohl sie schon seit längerem
Lust habe zu politisieren, hätte sie deshalb für keine andere Partei kandidiert.
Dem Nachbar zuliebe
Stephan Schranz, der ebenfalls für den Gemeinderat in Kirchberg kandidiert,
politisierte bereits an seinem vorherigen Wohnort Muri für die EVP in
einer Kommission. Wäre er nicht weggezügelt, hätte er sich in Muri um
einen Sitz in der Exekutive beworben. Ob in Kirchberg nun er oder jemand
anders auf der EVP-Liste gewählt würden, sei unwichtig, so Schranz. Es
würde ihn aber freuen, wenn er ein Mandat erhielte. Anders ist die Ausgangslage
für Matthias Stalder. Weil ihn ein Nachbar gebeten habe, kandidiere er
nun auf der Liste der EVP für die Vormundschafts- und Fürsorgekommission
in Belp, sagt der Postangestellte. «Es ging darum, die Liste zu füllen.»
Einen Bezug zur EVP habe er nicht. Er rechnet nicht damit, gewählt zu
werden. Und sollte er einmal nachrutschen müssen, sei es «nicht ausgeschlossen»,
dass er das Amt annehme.
Kandidieren vor Beitreten
Für Ruedi Löffel sind auch diejenigen Kandidierenden «echt», die lieber
nicht gewählt würden. Alle Kandidierenden wollten der EVP zu einem Sitz
in den jeweiligen Gremien verhelfen. Dass ein mögliches späteres Nachrutschen
zur Nagelprobe werden könnte, fürchtet er nicht. Die grösste Hemmschwelle
stelle nämlich die Kandidatur selbst dar, und die sei ja zu dem Zeitpunkt
des Nachrutschens, bereits überwunden. «Viele kostet es eine grosse Überwindung,
sich als Kandidat oder Kandidatin der EVP in der Öffentlichkeit zu präsentieren»,
so Löffel. Noch nicht die Hälfte der Personen, die heuer erstmals für
die EVP kandidieren, sind gemäss Löffel Parteimitglieder. Ein Beitritt
sei auch nicht vordringlich, genauso wenig wie die Gründung von Ortsparteien.
Nach den Wahlen allerdings werde er schon versuchen, die Leute zu einem
Beitritt zu motivieren - nicht zuletzt wegen der Mitgliederbeiträge, die
nebst Spenden eine wichtige Einnahmequelle für die Partei sind.
Die EVP im Kanton Bern
may. Bern, Biel, Saanen, Steffisburg und Thun: In diesen Gemeinden wurden
1919 die ersten EVP-Ortsparteien gegründet. 31 weitere Ortsparteien kamen
später dazu. Heute ist die EVP des Kantons Bern gut 940 Mitglieder stark.
Rund die Hälfte der Mitglieder sind evangelisch-reformiert, 143 gehören
der EMK an, 100 dem EGW, rund 230 Personen sind Angehörige einer anderen
oder keiner Kirche. Insgesamt ist die EVP im Kanton Bern mit 17 Personen
in Exekutiven und 40 Frauen und Männern in Gemeindeparlamenten präsent.
Im Kantonsparlament hat die Partei seit den Wahlen 1999 8 Mandate inne.
Der Stimmenanteil betrug 4,4 %. Bereits 1986 kam die EVP auf einen Stimmenanteil
von 4,3 %; danach hatte sie einen Einbruch: 1990 erhielt sie nur 3,4 %
der Stimmen. Vier Jahre später gings aber wieder aufwärts: 1994 erreichte
sie 4,0 % und 7 Sitze im Grossen Rat.
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